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03.09.2009

Studie: Zwei Millionen Schüler Opfer von Mobbing im Netz

(openPR) – Eine aktuelle Studie des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau zeigt, dass knapp fünf Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland regelmäßig gemobbt werden. Immer häufiger verlagern sich die Angriffe in die virtuelle Welt. Die Initiative SCHAU HIN! rät Eltern, das Thema ernst zu nehmen, und gibt Tipps, wie man sich als Cybermobbingopfer wehren kann. Knapp 2.000 Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse wurden in der nicht repräsentati-ven Online-Umfrage zu ihren Erfahrungen mit Mobbing und Cybermobbing befragt. (Prof. Dr. Reinhold S. Jäger/ Julia Riebel 2009. Mobbing bei Schülerinnen und Schülern in der Bundesrepublik Deutschland. Eine empirische Untersuchung auf der Grundlage einer Online-Befragung im Jahre 2009. Zentrum für empirische pädagogische Sozialforschung, Universität Koblenz-Landau.) Dabei gaben 40,5 Prozent der Befragten an, von direktem Mobbing betroffen zu sein. Darunter versteht man gezielte und wiederholte Aggressionen gegenüber Schwächeren wie körperliche Gewalt, verbale Angriffe oder das Ausschließen aus einer Gruppe. Besonders betroffenen sind Kinder in der Grundschule. Die Untersuchung ergab, dass Mobbing mit zunehmendem Alter der Schüler seltener wird.

Am häufigsten werden die Kinder in den großen Pausen auf dem Schulhof Opfer von Gewalt oder Beleidigungen. Doch mit der immer größeren Verbreitung von neuen Technologien nimmt auch das Mobbing per E-Mail, Handy, Instant Messenger oder in virtuellen Internet-Chaträumen zu. 16,5 Prozent der Befragten wurden schon einmal Opfer von Cybermobbing Angriffen. Die Beleidigungen passieren in Chaträumen oder über Instant Messenger. Absender dieser Attacken sind meist die eigenen Klassenkameraden. Rechnet man die Zahlen hoch, so ist davon auszugehen, dass deutschlandweit rund 1,9 Millionen Schülerinnen und Schüler Opfer von Cybermobbing sind. Häufig werden Beleidigungen ausgesprochen oder Gerüchte über die Betroffenen verbreitet. Die Opfer leiden besonders, weil das Publikum unüberschaubar groß ist, sich die Inhalte rasend schnell verbreiten und der Terror nach der Schule über Computer und Handy im Kinderzimmer weitergeht. Gerade beim Cybermobbing fühlen sich viele Betroffene hilflos. Die Opfer erfahren häufig nur über Umwege davon oder finden zufällig bloßstellende Fotos von sich im Netz. Das Löschen dieser Inhalte ist aufwendig und in vielen Fällen gar nicht mehr möglich.

Für Eltern ist es schwierig zu erkennen, ob ihr Kind gemobbt wird. Jedes Kind reagiert unterschiedlich auf die Schikane aus dem Netz. Einige sind eingeschüchtert, beteiligen sich nicht mehr am Schulunterricht und ziehen sich zurück, um keine Angriffsfläche mehr zu bieten. Andere Kinder werden aggressiv oder krank. Häufig betrachten sich die Opfer als Versager. Sie halten sich für dumm und unattraktiv. Die Initiative SCHAU HIN! rät Eltern, das Thema Cybermobbing aktiv bei den Kindern anzusprechen. Um Beleidigungen und Angriffe über moderne Medien zu vermeiden, sollten Kinder nicht zu viele Informationen über sich preisgeben. So sollte z.B. die Handynummer nur an Freunde oder Familienmitglieder weitergegeben werden.

Tipps für Eltern von Cybermobbing Opfern. Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind Opfer von Cybermobbing wurde, ist es vor allem wichtig, schnell zu handeln.

1. Sprechen Sie mit Ihrem Kind

Kinder sollten wissen, dass sie sich bei Problemen an die Eltern wenden können. Gemeinsam können Sie dann den Ursachen auf den Grund gehen und Lösungen finden. Wichtig ist es auch, die Lehrer zu kontaktieren und die Eltern der Täter anzusprechen, um weiterem Mobbing zuvorzukommen.

2. Belege für Cybermobbing sichern

Eltern sollten einen Screenshot (Bildschirmaufnahme) der unerwünschten Fotos und Informationen im Netz machen und sich Namen oder Nicknames (Spitznamen) der verantwortlichen Nutzer notieren. Wenn die Täter bekannt sind, sollten die Eltern der Täter mit den Belegen konfrontiert und aufgefordert werden, beleidigende oder verletzende Inhalte zu entfernen. Sinnvoll ist es auch, die Schule des Kindes anzusprechen, damit Cybermobbing im Unterricht zum Thema gemacht wird.

3. Inhalte löschen lassen

Wenn die Täter die Bilder oder Inhalte nicht freiwillig löschen, können Sie die Betreiber der entsprechenden Internetseiten auffordern, die beleidigenden und verletzenden Inhalte umgehend zu löschen. Bei Problemen hierbei können sich Eltern auch an Beschwerdestellen wie www.jugendschutz.net wenden.

4. Wenn nichts anderes hilft: Rechtliche Schritte einleiten

Sollten weder die Hinweise an die Eltern der Täter und die Schule noch der Hinweis an den Betreiber der Seite Erfolg haben, so können Sie bei massiven Eingriffen in die Persönlichkeit die verantwortlichen Nutzer bei der Polizei zur Anzeige bringen.

„SCHAU HIN! Was Deine Kinder machen.“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Telekommunikationsunternehmens Vodafone, der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV SPIELFILM. „SCHAU HIN!“ informiert Eltern über die Angebote moderner Medien, wie Fernsehen, Internet, Mobilfunk und Computerspiele, und gibt Hilfestellung für den kindgerechten Umgang mit Medien.

www.schau-hin.info

Das Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau hat 2009 unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold S. Jäger zum zweiten Mal nach 2007 eine Online-Befragung unter Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse in Deutschland durchgeführt.

www.zepf.uni-landau.de

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