Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Wirtschaft - newsburger.de

Dunkler Hinterhof

© über dts Nachrichtenagentur

13.09.2017

Studie Wohnen macht manche Menschen arm

„Wir brauchen endlich eine Wende in der Wohnungspolitik.“

Berlin – Wohnen macht manche Menschen arm: Rund 5,6 Millionen Haushalte in deutschen Großstädten müssen mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens nur für Miete und Nebenkosten aufwenden. Das geht aus einer Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor, die die Wohnkostenbelastung für alle 77 deutsche Großstädte des Jahres 2014 ermittelt hat und über die die „Berliner Zeitung“ (Mittwochsausgabe) berichtet.

Jeder zehnte Großstadt-Haushalt gibt demnach sogar mehr als die Hälfte des verfügbaren Einkommens dafür aus. In 1,3 Millionen Haushalten blieben nach Abzug der Miete und umlagefähiger Nebenkosten Beträge, die unterhalb der Hart-IV-Sätze liegen und somit kaum zum Leben reichen.

Der über Jahrzehnte verfolgte sozialpolitische Ansatz, durch Investitionen in den sozialen Wohnungsbau Einkommensunterschiede zu mildern, habe sich „weitgehend aufgelöst“, schreiben die Autoren um den Berliner Soziologen Henrik Lebuhn. „Die Wohnbedingungen sind damit nicht nur ein Spiegel bestehender Ungleichheit, sondern tragen selbst durch die hohe Mietbelastung zu einer wachsenden Ungleichheit bei.“

Vor diesem Hintergrund fordert DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell einen Politikwechsel. „Wir brauchen endlich eine Wende in der Wohnungspolitik und dafür ein Sofortprogramm für mehr bezahlbaren Mietwohnungsbau“, so Körzell. So müsse der Bund deutlich mehr als die zugesagten 1,5 Milliarden Euro jährlich für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stellen und diese Zuwendung über das 2019 hinaus verstetigen. Zudem müsse die Mietpreisbremse zugunsten der Mieter verschärft und leerstehende Bürofläche zügig in Wohnungen umgewandelt werden.

Auf Basis des Mikrozensus setzt die Studie verfügbare Nettoeinkommen der insgesamt 25,37 Millionen Großstadtbewohner ins Verhältnis zu den Mietniveaus vor Ort. Daraus ergeben sich von Stadt zu Stadt unterschiedliche Mietbelastungsquoten. An der Spitze liegt Bonn: Dort müssen die Haushalte im Mittel 30,3 Prozent ihres Nettoeinkommens für Miete und Nebenkosten ausgeben, in Neuss sind es 30,1, in Köln 29,3, in Düsseldorf 29,2 und in Bremen 29,1 Prozent. In diesen Städten liegt die Mietbelastung also nahe der 30-Prozent-Marke, die in der Sozialwissenschaft wie auch auf dem Immobilienwirtschaft als Obergrenze für bezahlbares Wohnen gilt.

In Chemnitz wird dieser Grenzwert am deutlichsten unterschritten: Dort werden nur 20,9 Prozent des mittleren Haushaltsnettos für die Bruttokaltmiete ausgegeben. Auch in Heidelberg, Jena, Dresden, Leipzig und Magdeburg liegen die Mietbelastungsquoten unter 24 Prozent.

Große Unterschiede ergeben sich der Studie zufolge auch zwischen Beziehern hoher und geringer Einkommen und zwar unabhängig von Stadt und Region. Zwar leben gut gestellte Personen in aller Regel in teureren Wohnungen als Geringverdiener. Unter dem Strich aber müssen Haushalte, die mehr als 140 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben, einen viel kleineren Teil ihres Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete aufbringen als arme: Sie geben nur gut 17 Prozent für Miete und Nebenkosten aus, in der armutsgefährdeten Bevölkerungsgruppe mit weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens sind es fast 40 Prozent, so die Studie.

Und dies bei schlechterem Standard: Je niedriger das Haushaltsnetto, desto älter, kleiner und schlechter ausgestattet sind demnach im Schnitt die Wohnungen. Während Gutverdiener 52,5 Quadratmeter pro Person zur Verfügung haben, sind es in armutsgefährdeten Haushalten nicht einmal 37 Quadratmeter.

Ähnliche Befunde ergeben sich mit Blick auf Ausstattung, Alter der Wohngebäude und den Eigentümeranteil: Mit dem Einkommen steigen Standard und Immobilienbesitzquote.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+ Xing

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/studie-wohnen-macht-manche-menschen-arm-101606.html

Weitere Nachrichten

Dieter Kempf 2010

© Sebastian Frank / CC BY 2.0

BDI-Präsident zur DSGVO Datenschutz darf nicht zum Innovationshemmnis werden

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat die Politik und Aufsichtsbehörden vor einer zu rigiden Anwendung des neuen Datenschutzrechts gewarnt. ...

E.ON Ruhrgas-Zentrale Essen

© Wiki05 / Public Domain

Nach Säureanschlag Eon erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Nach der Attacke auf den Innogy-Finanzvorstand erhöhen Energiekonzerne ihre Sicherheitsvorkehrungen. "Vor dem Hintergrund des Anschlags haben auch wir ...

Familie Eltern Kinder

© Eric Ward / CC BY-SA 2.0

IW-Experte Baukindergeld löst Problem nicht

Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) kritisiert die von Union und SPD geplante Einführung eines Baukindergelds. "Auf den ersten Blick ist das ...

Dieselskandal EU-Wettbewerbskommissarin für Sammelklagen

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat sich für die Einführung von Sammelklagen in Europa ausgesprochen. Dies sei durchaus möglich, sagte ...

Bericht Massiver Stellenabbau in Kölner Kaufhof-Zentrale

Die Warenhauskette Galeria Kaufhof plant in ihrer Kölner Zentrale einen massiven Stellenabbau. Ein Viertel der 1600 Arbeitsplätze solle bis 2020 wegfallen, ...

Bundeskartellamt Vier Lebensmittelkonzerne teilen sich bis zu 90 Prozent Marktanteil

Bundeskartellamtschef Andreas Mundt sieht eine weitere Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel und warnt vor möglichen negativen Folgen für die ...

Studie Kunden fühlen sich von Versicherungen schlecht behandelt

Aus Sicht vieler Kunden zeigen Versicherungen im Schadensfall zu wenig Mitgefühl. Das geht aus einer Studie des Marktforschungsinstituts Forsa hervor, über ...

Studie Großinvestoren wollen stärker mitreden

Die Ansprüche großer Anleger an die Unternehmen, in die sie investieren, sind gestiegen. Das sorgt für Überraschungen bei Hauptversammlungen und fordert ...

ICE-Strecke Berlin-München Fast zwei Drittel verspätet

Fast Zwei Drittel aller Züge auf der am 10. Dezember eröffneten Neubaustrecke zwischen München und Berlin waren in den ersten Tagen verspätet. Das geht aus ...

AOK-Chef Finanzlage der Krankenkassen sehr gut

Der Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, rechnet nicht mit einem Kassensterben in Deutschland. "Alle Krankenkassenarten konnten ihre ...

Studie Mindestlohn senkt Lohnabstand im Osten

Der gesetzliche Mindestlohn hat nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zu einem geringeren Lohnabstand in Ostdeutschland geführt. ...

Lauda Niki-Pleite wird für Steuerzahler teuer

Der Luftfahrtgründer und früherer Formel-1-Weltmeister Niki Lauda rechnet nicht damit, dass die Bundesregierung viel von dem an Air Berlin ausgezahlten ...

Ifo-Chef Fuest Beim Bitcoin dringend über Regulierung nachdenken

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, drängt angesichts des Booms des Bitcoins auf eine intensivere Beobachtung und stärkere Kontrolle der ...

BER-Aufsichtsratschef Neuer Starttermin kann gehalten werden

Der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), Rainer Bretschneider, geht davon aus, dass der neue Starttermin für den Flughafen ...

Bericht Bahn hat neue ICE-Strecke offenbar zu wenig getestet

Die Probleme auf der neuen Bahnstrecke München-–Berlin sind offenbar auf eine verfrühte Inbetriebnahme der Route zurückzuführen. Das berichtet das ...

Berichte Air-Berlin-Tochter Niki meldet Insolvenz an

Die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki hat Insolvenz angemeldet. Das berichteten mehrere Medien am Mittwochabend unter Berufung auf eine Gerichtssprecherin. ...

Berlin-München Weiterer ICE bleibt liegen

Am Montag ist erneut ein ICE auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Berlin und München liegen geblieben. Der ICE-Sprinter 1009, der kurz nach ...

Blaue Umweltplakette FDP attackiert VW-Chef Müller

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer hält die Forderung von VW-Chef Matthias Müller nach der Einführung einer blauen Umweltplakette für verfehlt. "Herr Müller ...

Studie Viele arbeiteten unter Mindestlohn

Mehr Menschen als bislang bekannt arbeiteten in den vergangenen Jahren unterhalb des Mindestlohns. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für ...

Studie Gewicht von Elektroautos nicht entscheidend für Reichweite

Forscher sind in einer neuen Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gewicht bei Elektrofahrzeugen keine entscheidende Rolle für die Reichweite spielt. ...

Bericht Stuttgart-21-Abbruch wäre teurer als Finalisierung

Ein Abbruch des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 wäre wohl inzwischen teurer, als es zu Ende zu bauen. Das berichtet das "Handelsblatt" ...

Studie Strom wird vor allem bei Hartz-IV-Empfängern abgestellt

Der Strom wird in Deutschland vor allem bei Menschen abgestellt, die von Hartz IV leben, und bei Geringverdienern, die verschuldet sind. Das zeigt eine ...

Bericht Stuttgart 21 verzögert sich bis Ende 2024

Die Deutsche Bahn rechnet beim Projekt Stuttgart 21 offenbar mit einer weiteren Verzögerung und Fertigstellung bis Ende 2024. Das hätten neue externe ...

DIHK-Umfrage Weihnachtsgeschäft wird so gut wie nie

Das Weihnachtsgeschäft wird offenbar für den Einzelhandel so gut wie noch nie. Das berichtet die "Saarbrücker Zeitung" (Dienstagsausgabe) unter Berufung ...

Rossmann-Gründer Schlecker-Urteil ist eine große Überraschung

Dirk Roßmann, Gründer der Drogeriemarktkette Rossmann, zeigt sich von dem Urteil im Schlecker-Prozess erstaunt. "Das Urteil ist für uns eine große ...

Landgericht Stuttgart Zwei Jahre auf Bewährung für Anton Schlecker

Das Landgericht Stuttgart hat eine zweijährige Bewährungsstrafe gegen den Gründer der Schlecker-Drogeriemärkte, Anton Schlecker, verhängt. Seine beiden ...

Verdi-Chef Bsirske Löhne im öffentlichen Dienst müssen steigen

Verdi-Chef Frank Bsirske pocht vor der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes auf eine deutlichere Lohnsteigerung als bei den vergangenen Runden. "Wir haben ...

Wegen Brexit Bankenaufsicht zieht nach Paris um

Nach dem Brexit wird die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) nach Paris verlegt - die Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) nach Amsterdam. Bisher ...

Kretschmer Siemens-Gründer würden sich im Grab umdrehen

Sachsens designierter Ministerpräsident Michael Kretschmer greift Siemens scharf für den geplanten Stellenabbau im Freistaat an. "Die Siemens-Gründer ...

Högl Merkel muss Siemens zur Chefinnensache machen

Eva Högl (SPD), Fraktionsvize im Bundestag und Direktkandidatin des Wahlkreises Berlin-Mitte, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, den ...

Krämer IG-Metall-Arbeitszeit-Forderung „völlig weltfremd“

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer wirft der IG Metall im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie Realitätsverlust vor. "Die Vorstellungen der IG ...

Umfrage Viele Deutsche horten Bargeld zu Hause

Viele Deutsche horten laut einer Umfrage Bargeld zu Hause. 53,3 Prozent der Befragten gaben in einer Emnid-Befragung im Auftrag der Postbank an, bis zu 300 ...

Bericht Renten steigen 2018 voraussichtlich um gut drei Prozent

Die gesetzlichen Renten in Deutschland werden im kommenden Jahr voraussichtlich um gut drei Prozent steigen. Zum 1. Juli 2018 werde ein Rentenplus von 3,09 ...