Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Wirtschaft - newsburger.de

Prekariat

© über dts Nachrichtenagentur

26.08.2015

Studie Ungleichheit trotz Rekordbeschäftigung gewachsen

Der Sozialstaat habe die wachsende Ungleichheit nur zum Teil aufgefangen.

Berlin – Trotz der Rekordbeschäftigung ist in Deutschland die Zahl der Haushalte gestiegen, die nur ein geringes Einkommen erzielen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen, die der Berliner Zeitung vorliegt. Demnach stieg der Anteil der einkommensschwachen Haushalte seit der Wiedervereinigung von 30 Prozent auf zuletzt 35 Prozent.

Gewachsen ist auch die Zahl der einkommensstarken Haushalte. Deutlich zurückgegangen ist dagegen der Anteil der Haushalte mit einem mittleren Einkommen. Berücksichtigt wurden dabei alle Markteinkommen, zu denen Gehälter und Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit gehören sowie Kapitalerträge und private Unterhaltszahlungen.

Die Einkommensungleichheit habe in Deutschland stärker als in vielen anderen europäischen Ländern zugenommen, heißt es in der Studie. Der Sozialstaat habe die wachsende Ungleichheit nur zum Teil aufgefangen. So sei die „Unterschicht“ auch dann gewachsen, wenn man das verfügbare Einkommen inklusive Sozialtransfers betrachte.

Verantwortlich für die größere Ungleichheit seien die Ausweitung von Niedriglohn-Jobs sowie die ungleiche Arbeitszeit-Verteilung. Der Studie zufolge hatten Mitte der 1990er-Jahre noch 62 Prozent der Arbeitnehmer aus der unteren Schicht eine Vollzeit-Stelle. Zuletzt waren es nur noch 42 Prozent. Menschen aus unteren Einkommensschichten hätten in vielen Branchen oft nur noch Zugang zu Minijobs und kurzer Teilzeit, heißt es in der Studie. In der oberen Einkommensschicht hatten dagegen zuletzt immer noch 78 Prozent der Beschäftigten eine Vollzeit-Stelle, der Anteil hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert.

Wichtigstes Ziel der Beschäftigungspolitik müsse es sein, die Ungleichheit bei den Einkommen zu verringern, betonen die Studienautoren Gerhard Bosch und Thorsten Kalina. Dazu gehöre, Fehlanreize für Beschäftigte, nur kurz zu arbeiten, und für Unternehmen, nur Minijobs anzubieten, zu beseitigen.

Die Studie basiert auf Daten des sozio-ökonomischen Panels, das ist eine jährliche, repräsentative Befragung von rund 30.000 Bundesbürgern.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+ Xing

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/studie-ungleichheit-trotz-rekordbeschaeftigung-gewachsen-87746.html

Weitere Nachrichten

Kaiser’s Tengelmann AG

Kaiser’s Tengelmann AG © Okfm / CC BY-SA 3.0

Verbraucher Kartellamt erwartet nach Tengelmann-Verkauf steigende Preise

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, erwartet steigende Preise, nachdem Edeka nun Kaiser's Tengelmann übernimmt. "Die vier Handelsketten ...

E.ON Ruhrgas-Zentrale Essen

© Wiki05 / Public Domain

Sparprogramm "Phoenix" Eon-Chef kündigt Stellenabbau an – vor allem in Essen

Der Energiekonzern Eon will zahlreiche Arbeitsplätze in der Verwaltung abbauen. "Eon wird dezentraler. Das heißt, dass vor allem in der zentralen ...

Sigmar Gabriel SPD 2015

© A.Savin / CC BY-SA 3.0

Bürokratiekosten Gabriel will Unternehmen um 3,9 Milliarden Euro entlasten

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) plant, Unternehmen bei Bürokratiekosten um 3,9 Milliarden Euro pro Jahr zu entlasten. "Mit der Reform der ...

Weitere Schlagzeilen