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15.06.2010

Studie Kluft zwischen arm und reich wächst weiter

Berlin – Die Kluft zwischen arm und reich in Deutschland wächst offenbar weiter. Mit diesem Befund befeuert eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die Debatte um das Sparpaket der Bundesregierung aufs Neue. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Dienstagausgabe. Der besorgniserregende Trend werde durch die Bundesregierung verschärft, die mit ihrem Sparpaket hohe Einkommen verschone und niedrige Einkommen belaste, kritisieren die Ökonomen.

Die Studie, die am heutigen Dienstag veröffentlicht werden soll und sich auf den Zeitraum 2000 bis 2009 bezieht, stellt eine deutliche Polarisierung der Einkommen im letzten Jahrzehnt fest. „Auf der einen Seite steigt die Zahl der Menschen, die im Luxus leben, und auf der anderen Seite die Zahl derjenigen, die mit niedrigem Einkommen auskommen müssen oder sogar arm sind“, schreiben die DIW-Forscher. Dieser Trend löse bei der Mittelschicht starke Ängste aus. Es entstehe eine „Statuspanik“ derjenigen, die fürchten, aus der Mittel- in die Unterschicht abzusteigen.

Nach Ansicht von IG-Metall-Chef Berthold Huber machen die Ergebnisse der DIW-Studie deutlich, „wie die falsche Politik der vergangenen Jahre das soziale Gleichgewicht in Deutschland aus der Balance gebracht hat“. Mit dem unsozialen Sparpaket der Bundesregierung werden „den Menschen die Milliarden-Rechnung präsentiert, während die Verursacher Milliardengewinne in ihren Bilanzen ausweisen und die Spekulation geht munter weiter“, kritiserte Huber.

Die DIW-Autoren stellen fest, dass in den letzten Jahren immer mehr Menschen in die Schicht derer rutschten, die nur niedrige Einkommen erzielen konnten. Zu dieser Gruppe gehört, wer weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Bei einem Paar mit zwei Kindern unter vierzehn Jahren entspricht dies einem monatlichen Netto-Einkommen inklusive Kindergeld und anderen staatlichen Leistungen von 1800 Euro. Im Jahr 2000 hätten noch 18 Prozent zu dieser Gruppe gehört; im Jahr 2009 sei der Anteil auf fast 22 Prozent gestiegen, stellt die Studie fest.

Gleichzeitig sei auch die Gruppe der Wohlhabenden, die mehr als 150 Prozent des mittleren Einkommens ausgeben können, gewachsen. Im Jahr 2000 gehörten 16 Prozent zu dieser Gruppe; im Jahr 2008 waren es dann 19 Prozent. Zwar sei die Gruppe der Wohlhabenden im Krisenjahr 2009 erstmals leicht geschrumpft. Trotzdem stiegen die Einkommen in diesem Segment auch im Jahr 2009 weiter an. Damit sei der Vorsprung der Gutverdiener vor den anderen erneut gewachsen. „Die Einkommensschere zwischen niedrigen und hohen Einkommen hat sich in Deutschland weit geöffnet“, bilanziert die Studie. Die Reicheren seien „nicht nur immer mehr, sondern im Durchschnitt auch immer reicher geworden“.

Parallel dazu seien die Ärmeren „nicht nur immer mehr, sondern auch immer ärmer“ geworden. Diese Entwicklung an den Rändern der Einkommensverteilung bedeute, dass die Mittelschicht schrumpft. Die mittlere Einkommensgruppe sei, so stellt die DIW-Studie fest, der Verlierer des letzten Jahrzehnts. Diese Entwicklung sei auch für die Stabilität der Gesellschaft bedrohlich: „Gerade bei den mittleren Schichten, deren Status sich auf Einkommen und nicht auf Besitz gründet, besteht eine große Sensibilität für Entwicklungen, die diesen Status bedrohen.“

Möglich sei, dass sich Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass ausbreiten, weil Angehörige der verunsicherten Mittelschicht Schuldige für die Entwicklungen suchten. Das Sparpaket der Bundesregierung beurteilen die Wissenschaftler deshalb sehr kritisch. Der DIW-Ökonom Jan Goebel hält es für unangemessen, „dass die bisherigen konkreten Vorschläge des Sparpakets eigentlich nur die unteren Einkommensbereiche betreffen.“ Es stelle sich die Frage, warum eigentlich die Menschen mit den hohen Einkommen keinen Sparbeitrag leisten sollten.

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© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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