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Schüler in Klassenraum

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21.10.2014

Studie Jüngere Erstklässler erhalten häufiger ADHS-Diagnose

Kinder werden zu oft zu früh eingeschult.

Berlin – Je jünger Kinder bei ihrer Einschulung sind, desto häufiger wird bei ihnen nach einer AOK-Untersuchung ADHS festgestellt. Das geht nach „Welt“-Informationen aus einer bislang unveröffentlichten Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Krankenkasse (WIdO) über die Verbreitung der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung hervor.

Demnach liegt die ADHS-Häufigkeit bei den jüngsten Kindern eines Schulanfänger-Jahrgangs bei 6,3 Prozent, bei den ältesten Mitschülern dagegen nur bei 5,4 Prozent. Damit haben die jüngeren Kinder ein höheres Risiko, dass der Kinderarzt bei ihnen ADHS diagnostiziert und womöglich auch Psychopharmaka verschreibt.

Je nach Bundesland und der jeweiligen Stichtagsregelung werden zum Teil schon Kinder eingeschult, die erst fünfeinhalb Jahre alt sind. Studienautor Helmut Schröder zeigte sich alarmiert und warnte vor vorschnellen Diagnosen. „Dabei wird in vielen Fällen der altersgerechte Entwicklungsstand zu wenig berücksichtigt“, sagte der stellvertretende WIdO-Geschäftsführer der „Welt“.

Wenn ein Kind im Schulunterricht andauernd aufstehe, herumlaufe und auf die Ermahnungen der Lehrer nicht reagiere, könne dies verschiedene Ursachen haben: „Es liegt entweder daran, dass das Kind noch besonders jung im Vergleich zu seinen Mitschülerinnen und Mitschülern ist und lediglich seinem üblichen altersgerechten Spieltrieb folgt. Oder es liegt daran, dass das Kind tatsächlich ADHS hat.“

Der AOK-Experte forderte mehr Sorgfalt bei der Entscheidung, ob Kinder zum gesetzlich vorgesehenen Zeitpunkt eingeschult werden oder ob eine Rückstellung um ein Jahr sinnvoll ist. „Ansonsten kann die Gefahr bestehen, dass jüngere Kinder unnötig zu ADHS-Patienten erklärt werden und dann unter anderem auch mit Psychopharmaka behandelt werden.“

Eltern, Ärzte, Erzieher und Lehrer müssten gemeinsam klären, ob das Kind schulreif sei oder ob es Hinweise auf eine Erkrankung gebe. „Damit wird vermieden, dass jüngere Schulkinder eines Jahrgangs nicht aufgrund ihres angemessenen Entwicklungsstandes als krank und damit zumeist auch als behandlungsbedürftig identifiziert werden.“

Nach der Untersuchung hat sich die ADHS-Häufigkeit bei den rund 3,5 Millionen AOK-versicherten Kindern im Alter zwischen drei und 17 Jahren in sieben Jahren verdoppelt: So erhielten im Jahr 2006 noch 2,3 Prozent der Kinder eine ADHS-Diagnose, im Jahr 2012 waren es dagegen schon 4,6 Prozent. Bei fast jedem zehnten Jungen zwischen neun und elf Jahren wird demnach ADHS diagnostiziert. Etwa 34 Prozent der Grundschüler mit ADHS-Diagnose erhalten der Untersuchung zufolge Psychopharmaka.

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