Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Wirtschaft - newsburger.de

Schreibtisch

© über dts Nachrichtenagentur

25.10.2019

Studie Jeder elfte Beschäftigte wurde im Job sexuell belästigt

Manche Betroffenen seien Opfer mehrerer Täter gewesen.

Berlin – Jeder elfte Beschäftigte in Deutschland (neun Prozent) hat in den vergangenen drei Jahren sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. Das ergab eine Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, über welche die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagsausgaben) berichten.

Frauen seien demnach mit einem Anteil von 13 Prozent mehr als doppelt so häufig betroffen gewesen wie Männer (fünf Prozent). Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Belästigungen sei von Dritten ausgegangen, zum Beispiel von Kunden oder Patienten. Bei 43 Prozent der belästigenden Personen habe es sich um Kollegen gehandelt, bei 19 Prozent seien es Vorgesetzte oder betrieblich höhergestellte Personen gewesen, heißt es in der Studie. Manche Betroffenen seien Opfer mehrerer Täter gewesen.

„Sexuelle Belästigung im Job ist ein gravierendes Problem und kann für die Betroffenen schwerwiegende Folgen haben“, sagte Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle, den Zeitungen. Es liege im Interesse der Unternehmen einzugreifen, damit sexuelle Belästigung verhindert wird – beispielsweise, indem sie feste Ansprechpersonen benennen und verpflichtende Schulungen für Führungskräfte anbieten würden.

Wenn Kunden Arbeitnehmer belästigten, müssten Arbeitgeber sofort einschreiten, um ihre Beschäftigten zu schützen – „das kann bis zu einem Lokal- oder Hausverbot führen und darf beispielsweise im Gastronomiebereich oder Einzelhandel nicht als „Berufsrisiko“ bagatellisiert und ignoriert werden“, so Franke weiter. Im Gesundheitsbereich könne als Schutzmaßnahme auch eine Beendigung des Behandlungsvertrages in Betracht kommen.

Auf die Frage, welche konkreten Belästigungen die Betroffenen erlebt hätten, hätten 62 Prozent der Befragten in der Studie verbale Belästigungen genannt: Sexualisierte Kommentare, Sprüche oder Witze. 44 Prozent fühlten sich durch unerwünschte Blicke oder Gesten belästigt, auch anzügliches Pfeifen hätten viele als übergriffig empfunden. Knapp drei von zehn Betroffenen (28 Prozent) hätten sich von unangemessen intimen oder sexualisierten Fragen bedrängt gefühlt, heißt es in der Studie weiter.

Ähnlich viele (26 Prozent) hätten über unerwünschte Berührungen oder körperliche Annäherungen geklagt. Jeder Fünfte (22 Prozent) habe von unangemessenen Einladungen zu privaten Treffen berichtet. Daneben hätten Betroffene auch Fälle genannt, wo Kollegen oder Kunden ihnen sexualisierte Bilder, Texte oder Filme aufgedrängt hätten oder anzügliche Mails oder Textnachrichten geschickt hätten.

Immerhin elf Prozent der Betroffenen hätten über Begegnungen geklagt, bei denen sie zu sexuellen Handlungen aufgefordert worden seien, in Einzelfällen sei es auch zu Erpressung oder körperlicher Nötigung gekommen, heißt es in der Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle, über welche die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten.

Bei den meisten Belästigungen handelte es sich laut der Studie nicht um einmalige Vorfälle – acht von zehn Befragten hatten mehr als eine solche Situation erlebt, mancher war in den letzten drei Jahren sogar regelmäßig sexualisierten Attacken ausgesetzt – mit mehr als 30 Fällen. 82 Prozent der Betroffenen hätten ausschließlich oder überwiegend Männer als Täter angegeben.

Die Mehrheit der Betroffenen habe zudem angegeben, sich unmittelbar nach der Belästigung verbal zur Wehr gesetzt zu haben (66 Prozent). Mit etwas zeitlichem Abstand hätten sich vier von zehn Betroffenen an Dritte gewandt, davon am häufigsten an Kollegen (47 Prozent), Vorgesetzte (36 Prozent), Freunde oder Familie (15 Prozent) oder auch an Beratungsstellen und therapeutische Einrichtungen (elf Prozent), heißt es in der Studie weiter. Die wenigsten hätten dagegen das Arbeitsrecht genutzt.

Laut der Studie gibt es mehrere Gründe dafür, dass sich so wenige Betroffene arbeitsrechtlich wehren: der Versuch, das Problem selbst zu lösen, das fehlende Wissen über Arbeitnehmerrechte, aber auch die Angst vor unzureichender Anonymität und negativen Folgen für das weitere Berufsleben.

Besonders hilflos fühlten sich Mitarbeiter, die von ihren Vorgesetzten belästigt werden, die noch in der Ausbildung seien oder noch keinen sicheren Vertrag hätten, heißt es in der Studie, über welche die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten.

Für die Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle wurden insgesamt 1.531 Personen befragt, die in den vergangenen drei Jahren in einem Arbeitsverhältnis beschäftigt waren, darunter auch Auszubildende, Praktikanten und Selbständige. Dazu wurden Interviews mit Betroffenen geführt sowie Rechtsfälle ausgewertet.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
WhatsApp Xing

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/studie-jeder-elfte-beschaeftigte-wurde-im-job-sexuell-belaestigt-118798.html

Weitere Meldungen

Jobcenter in Halle

© über dts Nachrichtenagentur

Vor Hartz-IV-Urteil Kommunen offen für Lockerung der Sanktionen

Die Kommunen zeigen sich vor dem Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts am kommenden Dienstag offen für eine Lockerung der Sanktionsregelungen. "So ...

US-Flagge

© über dts Nachrichtenagentur

Arbeitsministerium US-Arbeitslosenquote steigt im Oktober leicht an

Die Arbeitslosenrate in den USA ist im Oktober auf einen Wert von 3,6 Prozent leicht gestiegen. Das teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag in ...

Senioren und Jugendliche

© über dts Nachrichtenagentur

Grundrente Arbeitgeberchef fürchtet Milliardenlast für Jüngere

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat die Große Koalition vor einer milliardenschweren Zusatzbelastung für jüngere Generationen durch die geplante ...

Bundesagentur für Arbeit Arbeitslosenzahl stagniert im Oktober

Die offizielle Zahl der Arbeitslosen in Deutschland stagniert. Im Oktober 2019 waren in der Bundesrepublik 2,204 Millionen Personen arbeitslos gemeldet und ...

Statistisches Bundesamt Erwerbstätigenzahl steigt weiter

Die Zahl der Erwerbstätigen steigt weiter an. Im September 2019 waren nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) rund 45,3 ...

Bericht 370.000 Personen fallen aus Arbeitslosenstatistik

Die Zahl der Arbeitslosen im weiteren Sinne ist nach Angaben der Bundesregierung um rund 370.000 Personen höher als in der offiziellen Arbeitslosenzahl ...

Tarifkonflikt UFO will Streiks auf Lufthansa-Tochterunternehmen ausweiten

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO will ihre für Sonntag geplanten Streiks auch auf weitere Lufthansa-Tochterunternehmen ausweiten. Zusätzlich zu dem schon ...

Bericht Mehr als jeder zweite Arbeitslose hat keinen Berufsabschluss

Mehr als jeder zweite Arbeitslose in Deutschland (52,6 Prozent) hat keinen Berufsabschuss. Von den durchschnittlich knapp 802.000 ...

Arbeitsniederlegungen UFO kündigt Streik bei Lufthansa an

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat angekündigt, die Deutsche Lufthansa am kommenden Sonntag zwischen 6 und 11 Uhr an den Stationen Frankfurt und München ...

Abflauende Konjunktur BA warnt vor steigender Arbeitslosigkeit bei Flüchtlingen

Die Flüchtlinge in Deutschland bekommen die sich abflauende Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt zu spüren. Im September hätten 31.562 "Personen mit ...

Streit um Grundrente DGB fordert Große Koalition zur Einigung auf

Vor einem erneuten Treffen der Großen Koalition zur Grundrente an diesem Freitag fordern die Gewerkschaften eine Einigung in dem festgefahrenen Streit. ...

Studie Migranten mit guten Deutschkenntnissen haben hohe Jobchancen

Migranten mit sehr guten Deutschkenntnissen haben am deutschen Arbeitsmarkt gleiche oder teils sogar bessere Chancen auf gute Jobs und hohe Gehälter wie ...

Studie Gehälter dürften 2020 um 2,9 Prozent steigen

Obwohl sich die Konjunktur in Deutschland zuletzt eingetrübt hat, verspricht 2020 ein gutes Lohn-Jahr für qualifizierte Arbeitnehmer zu werden. Im ...

IG-Metall-Chef Hofmann Arbeitgeber jammern auf hohem Niveau

Der IG-Metall-Chef hat den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie vorgeworfen, Tarifverträge schlechtzureden. "Betrachten die Arbeitgeber es als ...

Konjunktureinbruch Bayerns Arbeitgeber geben IG Metall Mitschuld

Bayerns Arbeitgeber machen die IG Metall mitverantwortlich für die großen Konjunkturprobleme in zahlreichen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. ...

Bundesagentur für Arbeit Kein genereller Mangel an Erziehern

Bei Erziehern gibt es nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Deutschland keinen generellen Fachkräftemangel. Das geht aus einer Aufstellung ...

Studie Klimaschutz keine Gefahr für Arbeitsmarkt

Ein ambitionierter Klimaschutz ist laut einer aktuellen Studie keine Bedrohung für den deutschen Arbeitsmarkt. Zwar würden manche Jobs wegfallen, vor allem ...

Bericht Opel beantragt Kurzarbeit für Stammwerk in Rüsselsheim

Der Autobauer Opel streicht laut eines Zeitungsberichts in Rüsselsheim vorübergehend die Spätschicht. Management und Betriebsrat hätten sich darauf ...

Bundesagentur für Arbeit Arbeitslosenzahl im September gesunken

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland geht weiter zurück. Im September 2019 waren 2,234 Millionen Personen arbeitslos gemeldet und damit 22.000 weniger ...

Bericht Weniger Hartz-IV-Bezieher in Weiterbildungsmaßnahmen

Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger, die an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Das geht aus ...

Studie Elektromobilität kostet bis 2030 rund 125.000 Jobs

Der Umstieg auf die Elektromobilität wird nach Einschätzung von Experten schon bis 2030 deutlich mehr als Hunderttausend Arbeitsplätze kosten. Nach ...

Bundesagentur für Arbeit Neue BA-Vorständin will Reform des Kurzarbeitergeldes

Die neue Vorständin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Christiane Schönefeld, fordert eine Reform des Kurzarbeitergeldes. "Eine Reform des ...

Arbeitsministerium Vier von zehn Beschäftigten leiden unter Stress und Arbeitsdruck

Vier von zehn Arbeitnehmern in Deutschland klagen über wachsende Belastung im Beruf. "Insgesamt berichten 38 Prozent der abhängig Beschäftigten, dass ...

Grundrenten-Streit DGB-Chef pocht auf rasche Einigung

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, verlangt eine rasche Koalitionseinigung im Streit um die Grundrente. "Es ist gut, ...

Continental Personalchefin will Mitarbeiterzahl stabil halten

Continental hat ein drastisches Sparprogramm ausgearbeitet: Bis zu 20.000 Arbeitsplätze des Zulieferers sind vom Wandel in der Automobilbranche betroffen, ...

Verdi Neuer Gewerkschafts-Chef pocht auf höheren Mindestlohn

Der neue Verdi-Chef Frank Werneke geht davon aus, dass seine Forderung nach einer deutlichen Erhöhung des Mindestlohns umsetzbar ist. Bezogen auf eine ...

Arbeitsmarkt IG Metall rechnet mit Anstieg von Kurzarbeit in Autoindustrie

Wegen der Mobilitätswende und der schwachen Weltkonjunktur erwartet die Gewerkschaft IG Metall spürbare Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt. "Wir rechnen ...

Bundeskongress Frank Werneke neuer Verdi-Chef

Frank Werneke ist zum neuen Verdi-Chef gewählt. Der 52-Jährige erhielt am Dienstag auf dem Bundeskongress der Gewerkschaft in Leipzig 92,7 Prozent der ...

Bericht Sachsen-Anhalts Lehrer sind immer länger krank

Die Lehrer in Sachsen-Anhalts Schulen häufen immer mehr Fehltage durch Krankmeldungen auf. Das belegen Zahlen der Barmer Ersatzkasse, über welche die ...

Umfrage Arbeitsklima fast genauso oft Kündigungsgrund wie Gehalt

Fachkräfte nennen das Arbeitsklima fast genauso oft als Kündigungsgrund wie das Gehalt. Das geht aus einer Umfrage des Jobportals Stepstone unter 22.000 ...

Osram-Übernahme Personal für Prüfung durch Wirtschaftsministerium

Im Kampf gegen eine Übernahme durch den österreichischen Chipkonzern AMS hoffen Arbeitnehmervertreter von Osram auf staatliche Unterstützung. Wie der ...

Altersarmut Verdi-Chef will massive Anhebung des Rentenbeitrags

Der scheidende Chef der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, hält eine massive Anhebung des Rentenbeitrags auf etwa 26 Prozent für unerlässlich, um ...

Rentenlücke zwischen Männern und Frauen VdK will Konsequenzen

Angesichts der deutlichen Lücke zwischen den Renten von Männern und Frauen fordert der Sozialverband VdK Deutschland eine bessere Vereinbarkeit von Familie ...

Schlechte Arbeitsbedingungen Arbeitgeber gegen Heil-Pläne für Paketbranche

Die Arbeitgeber laufen Sturm gegen die Gesetzespläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) für die Paketbranche, die an diesem Mittwoch vom ...

DGB Immer mehr Leiharbeiter werden von Betrieben übernommen

Leiharbeiter werden nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zunehmend von Betrieben in reguläre Beschäftigung übernommen. Der Rückgang ...

IG BCE Kein Grund für „Nullrunde“ bei Tarifverhandlungen

Die Chemiegewerkschaft IG BCE hat die Arbeitgeber davor gewarnt, auf eine Nullrunde in den anstehenden Tarifverhandlungen zu bestehen: "Ein leichter ...

Studie Frauen bekommen ein Viertel weniger Rente als ihre Partner

Am Ende ihres Erwerbslebens bekommen Frauen im Durchschnitt 26 Prozent weniger Rente als Männer. Das ergibt sich aus einer bisher unveröffentlichten Studie ...

Eurostat Quote der offenen Stellen in der EU leicht gestiegen

Die Quote der offenen Stellen in der EU ist im zweiten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht gestiegen. Sie lag bei 2,3 Prozent, nach 2,2 ...

Konjunkturabschwächung Designierter Verdi-Chef fordert Konjunkturprogramm

Der designierte neue Verdi-Chef Frank Werneke hat angesichts der schwächelnden Konjunktur ein milliardenschweres Investitionsprogramm gefordert. "Wir ...