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20.09.2011

Studie: Europa investiert zu wenig in IKT

Berlin – Sollte Europa es schaffen, seine Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) bis 2020 auf das Niveau der USA anzuheben, könnten die europäischen Volkswirtschaften um zusätzliche fünf Prozent wachsen. Das hat das Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics in einer Studie errechnet, die im Auftrag des US-Telekomkonzerns AT&T erstellt wurde und die der Tageszeitung „Die Welt“ exklusiv vorliegt. Um dieses Wachstum zu erreichen, müsste Europa jedoch einen Trend umkehren. Denn im internationalen Vergleich, so die Forscher, fällt Europa weiter zurück.

Die Oxford-Forscher haben den Zusammenhang der IKT-Investitionen mit der Produktivitätssteigerung untersucht. Demnach könnten Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologie die Produktivität um etwa ein Drittel stärker anheben als andere Investitionen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut bezeichnet diesen Unterschied als „IKT-Dividende“. Die Studie hat die Entwicklung in den vergangenen zwei Dekaden untersucht. Seit 1991 ist demnach Europa hinter die USA zurückgefallen, die bei IKT-Investitionen weltweit führend sind. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt geben die USA etwa ein Drittel mehr für IKT-Investitionen aus als Europa.

Diese Unterschiede im Investitionsverhalten haben sich der Studie zufolge bereits auf die Entwicklung der Produktivität ausgewirkt. Während in den USA den Angaben zufolge das Produktivitätswachstum zwischen 2000 und 2010 um jährlich zwei Prozent zulegte, war in Europa das Wachstum nur halb so groß. Allerdings gibt es auch in Europa große Unterschiede. So schafften es die skandinavischen Länder und Großbritannien, ihre Arbeitsproduktivität in den vergangenen 15 Jahren um 1,7 bis zwei Prozent zu steigern. Diese Länder investierten auch am stärksten in IKT. Italien und Spanien hingegen haben sich bei den Investitionen besonders zurückgehalten, ihre Produktivität stieg nur um 0,3 und 0,8 Prozent.

„Unternehmen in Europa würden von höheren Investitionen in IKT profitieren“, sagte Adrian Cooper, Chef des Forschungsinstituts Oxford Economics. Allerdings müssten die Regierungen „die Regulierungsbestimmungen ständig anhand der fortschreitenden technologischen Entwicklungen anpassen, um den maximalen Ertrag auf EU-Ebene gewährleisten zu können“, sagte Cooper. Europäische Regierungen müssten IKT effektiver in der Wirtschaftsplanung berücksichtigen, heißt es in der Studie.

Die Autoren sprechen sich unter anderem für eine Harmonisierung von Datenschutzgesetzen in Europa aus. „Das Patchwork nationaler Regeln zum Datenschutz und zur Datensicherheit kann Unternehmen davon abhalten, die notwendigen IKT-Investitionen vorzunehmen, insbesondere über Landesgrenzen hinweg“, heißt es in der Untersuchung. Die Europäische Kommission hat die Notwendigkeit bereits erkannt und eine „Digitale Agenda“ auf den Weg gebracht, in der es auch darum geht, einen gemeinsamen digitalen Markt und gemeinsame technische Standards zu schaffen.

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