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03.03.2015

Studie Einfluss der Gewerkschaften in Deutschland steigt

Zahl der berufstätigen Mitglieder gestiegen.

Berlin – Der Einfluss der Gewerkschaften ist in Deutschland deutlich gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die am am kommenden Mittwoch veröffentlicht wird, und über die die „Süddeutsche Zeitung“ (Dienstagsausgabe) berichtet.

Darin spreche das IW von einem „Comeback der Gewerkschaften“. Es sei ihnen in den vergangenen Jahren gelungen, „aus dem politischen Abseits herauszutreten, in das sie sich mit ihrer Opposition gegen die Agenda 2010 selbst hineinmanövriert hatten“.

Die Forscher werteten die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (Allbus) aus, in der alle zwei Jahre mehr als 3.000 Menschen in Deutschland zu ihren Einstellungen und Verhaltensweisen befragt werden.

Ein Comeback stellten sie laut SZ aus zwei Gründen fest: Erstens sei die Zahl ihrer berufstätigen Mitglieder gestiegen. Vor neun Jahren waren nur noch 18 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Mitglied in einer Gewerkschaft; bis 2012 stieg dieser Wert auf 20,6 Prozent.

Die IW-Forscher arbeiteten mit der Allbus-Umfrage von 2012, da die Daten der mittlerweile neuesten Erhebung von 2014 erst in einigen Wochen vorliegen werden. Inzwischen dürfte der Organisationsgrad weiter leicht gestiegen sein.

Mindestens bei sechs der acht DGB-Gewerkschaften wachse die Zahl der berufstätigen Mitglieder: IG Metall, Verdi, IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE), Erziehung und Wissenschaft (GEW), Gewerkschaft der Polizei (GdP) und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Nur IG Bau und Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) machen dazu keine Angaben, schreibt die SZ.

Auch der zweite große Gewerkschafts-Dachverband, der Beamtenbund, verzeichne seit Jahren steigende Mitgliederzahlen; ebenso Organisationen, die keinem Dachverband angehören, wie der Marburger Bund.

Der zweite Grund für ein Comeback, den die IW-Forscher anführen, war die Finanzkrise vor sechs Jahren. Davor hatten sich vor allem die DGB-Gewerkschaften mit den Parteien und besonders mit der SPD überworfen, weil sie die Reformen am Arbeitsmarkt ablehnten. In der Einigung auf Konjunkturprogramme fanden beide Seiten während der Krise wieder zueinander.

Es folgte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns, der vor allem ein DGB-Projekt war. „Das Zusammenrücken hat sich vor allem für die Gewerkschaften gelohnt“, schreiben die Autoren der Studie.

Aus der Perspektive der Wirtschaft mag das wenig erfreulich sein; langfristig ist sich das IW jedoch alles andere als sicher, dass das Hoch der Gewerkschaften anhält. Lesch und seine Kollegen diagnostizieren nämlich auch deren Mängel: Frauen arbeiten demnach häufiger in wachsenden Branchen (Gesundheit, Erziehung, Soziales), träten aber immer noch seltener in Gewerkschaften ein als Männer. Jüngere träten seltener ein, als es die Älteren taten.

„Ohne das Erschließen neuer Berufsgruppen“ könnten die Gewerkschaften jedoch nicht repräsentativ sein, schreiben die Autoren. „Ohne einen solchen Nachweis werden sie aber von den Parteien auf Dauer immer weniger als Sprachrohr der gesamten Arbeitnehmerschaft wahrgenommen.“

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