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Bundeswehr-Soldaten

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01.03.2015

Studie Bundeswehr kann Rekruten nicht langfristig binden

„Die Studie zeigt, dass die Konstruktion dieses freiwilligen Wehrdienstes falsch ist.“

Berlin – Erstmals seit Aussetzung der Wehrpflicht ist es der Bundeswehr 2014 gelungen, mehr als 10.000 freiwillig Wehrdienstleistende zu rekrutieren: Laut einer Studie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr gelang es allerdings nicht in ausreichendem Maß, die freiwillig Wehrdienstleistenden langfristig an die Bundeswehr zu binden, berichtet die „Welt am Sonntag“. Nur jeder fünfte Rekrut will sich demnach nach Ende des Dienstes als Zeitsoldat bewerben.

Der Forschungsbericht zeigt auf, dass sich zwei Drittel der freiwillig Wehrdienstleistenden vom Dienst in ihren Einheiten intellektuell und körperlich unterfordert fühlen. „Diese Unterforderung betrifft Befragte aller Bildungsschichten, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß“, heißt es der Zeitung zufolge in der im April 2014 fertig gestellten Studie, die erst jetzt veröffentlicht wurde.

Den schlechtesten Wert erhält demnach die „Sinnhaftigkeit des Dienstes“, mit dem nur 31 Prozent zufrieden sind. Auch mit dem täglichen Dienstablauf sind nur 36 Prozent der Wehrdienstleistenden, die kurz vor dem Ende ihrer Dienstzeit befragt wurden, glücklich.

Sogar ein Viertel derjenigen, die im Rückblick mit ihrer Zeit bei der Bundeswehr zufrieden waren, gab an, sich persönlich nicht weiterentwickelt zu haben. Und jeder Dritte sagt, er habe „nichts Nützliches gelernt“.

Eine Vorgängerstudie aus dem Jahr 2013 hatte belegt, dass diejenigen, die sich für den Wehrdienst entscheiden, anfangs meist hoch motiviert und leistungsbereit sind. Die jungen Frauen und Männer wollten sich „bei der Bundeswehr aktiv einbringen. Teamwork und Kameradschaft, fordernde Tätigkeiten, Verantwortungsübernahme, die eigenen Grenzen erfahren und etwas Neues erleben“ seien als Motiv für den Wehrdienst angegeben worden, schreiben die Wissenschaftler laut „Welt am Sonntag“. Die Erwartungen hätten in der Retroperspektive allerdings „nicht vollumfänglich“ erfüllt werden können.

Mit der Bezahlung sind hingegen mehr als 83 Prozent aller Freiwilligen eher oder sehr zufrieden. Auch die Rahmenbedingungen wie Unterkunft, Verpflegung und die Entfernung zum Heimatort bewerten die Soldaten als gut.

„Attraktivitätssteigernde Maßnahmen, die auf diese Aspekte einwirken sollen, versprechen somit keine deutlichen Zusatzerfolge“, schreiben die Autoren der Studie. Die in dieser Woche vom Bundestag verabschiedeten Gesetze zur Attraktivitätssteigerung der Bundeswehr zielen also an den Wehrdienstleitungen vorbei.

„Die Studie zeigt, dass die Konstruktion dieses freiwilligen Wehrdienstes falsch ist“, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschuss im Bundestag, Hans-Peter Bartels (SPD), der „Welt am Sonntag“. „Es gibt nur feste Dienstposten für 5.000 Rekruten. Alle, die darüber hinaus kommen, müssen sich wie das fünfte Rad am Wagen fühlen.“

Diese Rekruten müssten in Einheiten dienen, in denen es keine originäre Aufgabe für sie gebe. „Das hat den Effekt, dass man junge Menschen verprellt, die eigentlich großes Interesse an der Bundeswehr haben“, sagte Bartels. Das Verteidigungsministerium müsse nachsteuern und „das Personalstrukturmodell überarbeiten“. Sinnvoll wären beispielsweise Wechseldienstposten für Wehrdienstleistende und Zeitsoldaten.

Die Autoren der Studie schlagen eine aufwändigere Planung und eine individuellere Betreuung der Wehrdienstleitenden vor. Das Personalstrukturmodell für den freiwilligen Wehrdienst sieht derzeit einen festen Anteil von 5.000 Rekruten vor. Darüber hinaus können bis zu 7.500 weitere Wehrdienstleistende verpflichtet werden.

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