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Jakob Augstein

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05.01.2013

Antisemitismus-Vorwürfe Streit zwischen Augstein und SWC geht weiter

Angebot zur gegenseitigen Verständigung abgelehnt.

Berlin – Das Simon Wiesenthal Center (SWC) hat ein Angebot Jakob Augsteins und der Zeitschrift „Spiegel“ zur gegenseitigen Verständigung abgelehnt. Solange Augstein sich nicht „bei den deutschen Lesern und dem jüdischen Volk“ für seine „antisemitischen Verleumdungen“ in seiner „Spiegel Online“-Kolumne entschuldige, werde es zu keinem Austausch kommen, sagte Rabbi Abraham Cooper vom SWC der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.).

Die Menschenrechtsorganisation hatte Augstein wegen Israel-kritischer Texte auf eine „Top Ten“-Liste gesetzt, mit der auf antisemitische und antiisraelische Beleidigungen im Jahr 2012 aufmerksam gemacht werden soll. Als Gewährsmann für die Einstufung Augsteins auf Rang neun wurde der Journalist Henryk M. Broder genannt, der Augstein zuvor als „lupenreinen Antisemiten“ bezeichnet hatte

Im Gespräch mit der F.A.S. legte Broder noch einmal nach. Das „Lupenreine an Augsteins Antisemitismus“ sei „die absolute Eins-zu-Eins-Übertragung von allem, was früher über die Juden gesagt wurde, auf Israel“. Augstein entspreche dem modernen Typus des Antisemiten, welcher der eigentlich relevante sei. „Mich interessiert nicht der letzte Holocaust“, sagt Broder, „sondern der mögliche nächste, dem mit Texten wie denen von Augstein der Weg geebnet wird.“

Ein Antisemit könne sich seiner „Krankheit“ zwar nicht bewusst sein. Von Augstein würde er aber doch „eine gewisse Form der Einsicht erwarten“. Das bedeute nicht, dass Augstein künftig „die Schnauze“ halten solle. Er, Broder, werde ihm aber „gelegentlich eins auf die Schnauze geben“.

Augstein weißt Vorwürfe zurück

Augstein wies den Vorwurf zurück, er übe einseitig Kritik an Israel. Dass Israel von seinen Nachbarn bedroht werde, sei offensichtlich und das habe er auch so geschrieben, sagte er der F.A.S. Abgesehen davon schreibe er nicht für ein islamisches, sondern für ein westliches Publikum. Und zum westlichen Kulturkreis gehöre auch Israel. In der muslimischen Welt würde er mit Kritik gar nicht wahrgenommen werden.

Auf die Frage, was heute Antisemitismus sei, antwortete Augstein: „Es gibt den klaren, sichtbaren Antisemitismus der Neonazis – aber der gefährlichere ist der verborgene, der nur manchmal durchbricht: Neulich ist in Berlin eine Frau ins Taxi gestiegen und wollte in die Synagoge und der Fahrer hat gesagt, er könne den Weg nicht finden.“

Über Broder sagte Augstein, er sei zwar entzückend, lustig, reizend. „Das Problem ist nur: Er spinnt. Und in diesem Fall hat das Spinnen einen Grad erreicht, wo der Spaß aufhört“, sagte Augstein der F.A.S.

Der für Augsteins beanstandete Kolumnen auf „Spiegel online“ verantwortliche Mathias Müller von Blumencron sagte der F.A.S.: „Das Simon Wiesenthal Center ist eine hochangesehene Organisation im Kampf gegen den Antisemitismus. Umso mehr verwundert uns, dass unser Kolumnist Jakob Augstein auf einer Liste der führenden Antisemiten auftaucht.“

Augstein schreibe „streitbare Texte“, von denen sich einige auch kritisch mit der israelischen Politik beschäftigt hätten. „Ihn deshalb in eine Reihe mit führenden Juden-Hassern einzuordnen ist absurd.“

Augstein habe „die rote Linie“ überschritten

Rabbi Abraham Cooper vom SWC sieht das ganz anders. Augstein habe „die rote Linie“ überschritten, die durch die „drei Ds“ markiert werde: Doppelmoral, Dämonisierung, Delegitimierung.

Dass am SWC in Sachen Augstein nicht genügend recherchiert worden sei, wie Salomon Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte, wies Rabbi Cooper gegenüber der F.A.S. von sich.

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