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Streit über Integrationsstudie

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02.03.2012

Radikalisierungstendenzen Streit über Integrationsstudie

Zentralrat der Muslime: Diskriminierung begünstigt Extremismus.

Berlin – Die vom Innenministerum in Auftrag gegebene Studie, derzufolge fast jeder vierte junge Muslim hierzulande ohne deutschen Pass jede Integration verweigert, sorgt weiter für Wirbel. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, zeigte sich nach der Veröffentlichung der Integrationsstudie besorgt über Radikalisierungstendenzen unter jungen Muslimen in Deutschland. „Die Studie bestätigt unsere Erkenntnisse: Diskriminierung begünstigt Extremismus. Wenn dann noch fanatisierte Religionsvorstellungen dazu kommen, kann das bei einigen Jugendlichen wie ein Brandbeschleuniger wirken“, sagte Mayzek „Bild.de„. Jetzt sei die Politik gefragt, Muslime noch stärker als bisher in der Präventionsarbeit zu unterstützen.

Der Studie zufolge sind fast die Hälfte der nichtdeutschen Muslime nicht willig, sich zu integrieren. Knapp ein Viertel der Muslime mit deutschem Pass zeige diese Tendenz ebenfalls. Dies geht aus Befragungen im Auftrag des Innenministeriums hervor. Minister Hans-Peter Friedrich (CSU) nannte die Zahl Unwilliger „überraschend hoch“ und zeigte sich besorgt.

Der Hannoveraner Kriminologe Christian Pfeiffer hält eine „pauschale Angstmache“ vor Muslimen für unberechtigt. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ reagierte Pfeiffer verärgert auf die Studie des Bundesinnenministeriums und kritisierte sie als nicht repräsentativ. „Wenn wir den Muslimen bereits als Grundschüler die Hand reichen, landen sie auch nicht in der Ecke der Frustrierten, wo sie sich hinter der Religion verschanzen“, sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, wirft Bundesinnenminister Friedrich populistische Stimmungsmache vor. „Es geht nicht, dass hier junge Muslime unter Generalverdacht gestellt werden. Das ist purer Populismus“, sagte Kolat der „Passauer Neuen Presse“. Er erwartet eine Klarstellung des Bundesinnenministers. Offenbar sollte wenige Tage nach der Trauerfeier für die Opfer der Nazi-Morde vom Rassismus in Deutschland abgelenkt werden, mutmaßt Kolat. Friedrich wolle offenbar von den Versäumnissen beim Kampf gegen den Rechtsextremismus ablenken.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinden zweifelt an den Ergebnissen der Studie über „Lebenswelten junger Muslime in Deutschland“. „Die neue Studie wirkt diffus, oberflächlich und wenig seriös“, urteilte Kolat und forderte: „Wenn die Bundesregierung beklagt, dass sich junge Muslime mit der Integration schwertun, dann soll sie den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch die Einführung des Doppelpasses erleichtern.“

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