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Peer Steinbrück

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13.09.2013

"Stinkefinger"-Geste Wissenschaftler sehen Steinbrück-Pose gelassen

Ausgang der Bundestagswahl wird die Petitesse wohl kaum beeinflussen.

Berlin – Gleich mehrere Politikwissenschaftler sehen die umstrittene „Mittelfinger-Geste„, mit der sich SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für die „SZ“ hat ablichten lassen, gelassen.

Werner Patzelt nannte die Geste für die Interview-Situation angemessen. „Wenn er kommentieren soll, was er davon hält, dass viele sozusagen mit dem Stinkefinger auf ihn gezeigt haben, dann ist der Mittelfinger der entsprechenden Hand durchaus ein für diesen Zweck adäquates Ausdrucksmittel“, sagt Patzelt dem Deutschlandfunk.

Steinbrück zeige nicht dem Wähler den ausgestreckten Mittelfinger, sondern antworte nonverbal auf eine Frage so, wie es das Interviewformat vorsah. Deshalb sei die Reaktion der FDP, „teils Etepetete und andernteils aus erkenntlichen Wahlkampfgründen an den Haaren herbeigezogen“, so Patzelt weiter.

Der Politikprofessor weist außerdem Vermutungen, Steinbrück sei für den Beruf des Bundeskanzlers zu „dünnhäutig“ zurück: „Das glaube ich nicht, denn in dem Job gibt es professionelle Anforderungen, mit denen wird er professionell fertig, was er auch als Finanzminister gezeigt hat.“

Einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl wird die Petitesse nach Ansicht der Wissenschaftler wohl kaum haben: „Für eine Wahlentscheidung ist die Geste schon deshalb bedeutungslos, weil sie keine Äußerung über einen konkreten politischen Sachverhalt oder einen politischen Wert an sich ist. Außerdem: Wem Steinbrück sympathisch war, dem wird er dadurch nicht unsympathisch werden“, sagte der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer von der Freien Universität Berlin „Handelsblatt-Online„.

Steinbrücks Zeigefinger könne nur bei denen, die selbst Opfer einer solchen Geste geworden seien, auf Ablehnung stoßen, ist Neugebauer überzeugt. „Ansonsten ist das eine übliche und nicht an soziale Herkunft oder Bildung gebundene Geste im Kontext nonverbaler Kommunikation“, betonte er. „Wer sich im Wahlkampf aus Politikerkreisen dazu negativ äußert, sollte sich fragen, ob er oder sie sich nicht als Moralapostel oder gar als Heuchler darstellt.“

Der Potsdamer Parteienforscher Jürgen Dittberner sagte „Handelsblatt-Online“: „Steinbrück ist, wie wir Berliner sagen, schon `ne Nummer. Aber so empfindlich sind die deutschen Wähler auch nicht, dass sie sich durch seine Eskapaden abschrecken lassen.“ Ob sie ihn deswegen attraktiv fänden, stehe auf einem anderen Blatt.

Dessen ungeachtet erwartet Dittberner keinen rot-grünen Wahlsieg. „Da sie bei der SPD rechnen können, werden sie wohl innerlich nicht mehr an einen rot-grünen Wahlsieg glauben“, sagte der Experte. Selbst wenn die Zahlen stimmen würden, habe wohl kaum ein führender SPD-Funktionär Lust, „sich auf ein quälendes und langes Bündnis mit den Grünen einzulassen“. Und Rot-Rot-Grün sei in der SPD noch zu sehr umstritten.

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