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Münchener S-Bahn

© DB AG / Hans-Joachim Kirsche

20.09.2012

Studie Steuermittel-Verschwendung im Regionalverkehr

„Wir brauchen mehr Ausschreibungen mit gebrauchten Fahrzeugen.“

Berlin – Die Bundesländer und Verkehrsverbünde in Deutschland geben nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ (Donnerstag) zu viel Geld für neue Züge im Regionalverkehr aus und verschwenden dadurch pro Jahr Steuermittel in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bahnberatungsunternehmens SCI, die der Zeitung vorab vorliegt.

„Wir gehen davon aus, dass bei den aktuell laufenden Ausschreibungen rund eine halbe Milliarde Euro zu viel in neue Züge investiert wird“, sagte SCI-Chefin Maria Leenen der „Welt“. Eine Folge der in vielen Fällen nicht notwendigen Investitionen in neue Fahrzeuge würden Probleme bei der Finanzierung künftiger Flotten sein. SCI weist den Vorwurf anhand einer klaren Rechnung nach: Um das derzeit vergleichsweise hohe Niveau der deutsche Regionalzugflotte halten zu können, müsste in den kommenden Jahren jeweils eine Milliarde Euro per anno in neue Fahrzeuge investiert werden. „Tatsächlich sind es aber jedes Jahr schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro“, sagte Maria Leenen.

Grundlage der Einschätzung sind die Ausschreibungsunterlagen der Länder und Verbünde sowie die Praxis in den zurückliegenden Jahren. Basis ihrer Zahlen ist die Kalkulation, dass man 30 Milliarden Euro aufwenden müsste, um die gesamte deutsche Regiobahnflotte auf einen Schlag zu modernisieren und ein Zug eine durchschnittliche Lebensdauer von 30 Jahren hat.

Laut SCI hat Deutschland im Regionalverkehr im europäischen Vergleich die jüngste Flotte und damit die modernsten Züge im Einsatz. Rund 16 Jahre alt ist ein Regio-Zug im Durchschnitt hierzulande, in Frankreich sind es über 21 Jahre, in der als Schienenparadies hochgelobten Schweiz sogar 23 Jahre. In Deutschland achten die Bundesländer und die Verkehrsverbünde genau darauf, dass immer nur das Neueste und Beste auf die Schiene kommt, aber was lange sinnvoll war, ist inzwischen ein Problem.

„Die Länder und Verbünde optimieren allesamt ausschließlich in ihrem Bereich und lassen dabei die Gesamtsituation des Schienenmarktes außer Acht. Die Folge ist, dass viel mehr neuwertige Fahrzeuge auf dem Markt sind als nötig“, sagte Maria Leenen. „Wenn sich die derzeitige Entwicklung so fortsetzt, haben wir in den kommenden fünf Jahren ein Durchschnittsalter der Regiozugflotte von rund acht Jahren“, prophezeit Frank Sennhenn, Chef der Bahn-Tochter DB Regio, im Gespräch mit der „Welt“. Für Bahnbetreiber wird das Regiogeschäft in Deutschland damit zunehmend unattraktiv, denn allein in 15 Jahren Fahrzeuge abschreiben zu müssen, die eigentlich eine deutlich längere Lebensdauer haben, ist bereits eine große Herausforderung.

„Das Grundproblem ist, dass niemand weiß, was mit den Fahrzeugen im zweiten Lebenszyklus geschehen soll“, so Sennhenn. Für Züge gibt es praktisch keinen Gebrauchtmarkt. Das bereitet nicht nur den Bahnen Kopfzerbrechen, sondern auch Leasinggesellschaften, die Züge bereitstellen, und den Banken, die das Geld dafür geben sollen. „Es wird immer schwieriger, das regionale Bahngeschäft zu finanzieren“, so Sennhenn.

In der Branchen werden nun Reformen angemahnt: „Wir brauchen mehr Ausschreibungen mit gebrauchten Fahrzeugen“, so DB-Regio-Chef Sennhenn. SCI-Chefin Leenen schlägt Standard-Zugflotten vor. Bahnen könnten dann leichter als bislang auf anderen Netzen eingesetzt werden. „Und eine bessere zeitliche Abstimmungen bei den Ausschreibungen der Länder und Verbünde würde das Problem ebenfalls lindern“, so Leenen.

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