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01.11.2015

Sterbehilfe Müntefering warnt vor „geschäftsmäßigem Sterben“

„Zeit haben, zuhören, reden, Handhalten, Leiden lindern.“

Berlin – Wenige Tage vor der Entscheidung des Bundestages über die Sterbehilfe hat der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering ein Verbot des „geschäftsmäßigen Sterbens“ gefordert. „Eine Klarheit muss geschaffen werden: Wir wollen in Deutschland kein geschäftsmäßiges Sterben in Vereinen oder wie immer“, sagte Müntefering der „Welt am Sonntag“.

Der SPD-Politiker war 2007 als Bundesarbeitsminister und Vizekanzler zurückgetreten, um seine an Krebs erkrankte Ehefrau zu begleiten; Ankepetra Müntefering starb im Jahr 2008.

Müntefering beklagte einen „Missbrauch“ des Begriffs Sterbehilfe. Wer von „aktiver Sterbehilfe“ rede, meine in Wahrheit eine „ärztlich assistierte Beihilfe zur Selbsttötung“, sagte er. Dies aber sei ein falscher Weg. Menschen beim Sterben zu helfen, bedeute vielmehr: „Zeit haben, zuhören, reden, Handhalten, Leiden lindern.“ Viele Menschen täten das vorbildlich – Familien, aber auch die Aktiven in der Hospiz- und Palliativbewegung.

Müntefering kritisierte den Gesetzentwurf, den die Abgeordneten Peter Hintze (CDU), Carola Reimann, Karl Lauterbach und Burkhard Lischka (alle SPD) vorlegen wollen. Müntefering befürchtet Szenarien, wonach sich kranke Menschen von Angehörigen bedrängt sehen, ihr Leben zu verkürzen – und in eine solche Entscheidung deshalb einwilligen. „Lebensmüdigkeit kann auch wachsen, wenn man sich nicht mehr erwünscht und gebraucht fühlt.“

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