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„Italien hat eine amtierende Regierung

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28.02.2013

Napolitano „Italien hat eine amtierende Regierung“

Italiens Staatspräsident Napolitano rühmt Gauck und rüffelt Steinbrück.

Berlin – Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano versucht, die internationalen Sorgen über die Unregierbarkeit seines Landes zu zerstreuen. Zwar sei das Wahlergebnis kompliziert, räumte Napolitano am Donnerstag nach einem Gespräch mit Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin ein. Italien habe derzeit aber eine amtierende Regierung, die auch den EU-Gipfel Mitte März bestreiten werde. Das sei die Regierung von Mario Monti. Es gebe kein Italien ohne Kompass, versicherte der Staatspräsident.

Napolitano und Gauck beschworen zugleich die Freundschaft beider Länder und deren Verankerung in Europa. Der Bundespräsident sprach von tiefen und vertrauensvollen Beziehungen ungeachtet gelegentlicher Differenzen in aktuellen Fragen. Gauck würdigte den 87-Jährigen als einen Mann, der beständig an der Weiterentwicklung der deutsch-italienischen Verhältnisses gearbeitet habe. Napolitano, dessen siebenjährige Amtszeit im Frühjahr endet, entgegnete, Gauck zeichne ein hohes Maß an Humanität aus. Er könne sich keinen besseren Abschluss einer Abschiedstour vorstellen als den Besuch in Deutschland.

Gauck äußerte die Hoffnung, dass er und Napolitano noch gemeinsam das toskanische Dorf Sant’Anna di Stazzema besuchen werden, in dem die SS am 12. August 1944 mehr als 500 Menschen umbrachte. Napolitano berichtete, er habe Gauck den Brief eines Überlebenden des Massakers überbracht. Dieser sei heute ein großer Freund Deutschlands.

Kein Treffen mit Steinbrück

Gauck hatte Napolitano bereits am Dienstagabend in München mit militärischen Ehren empfangen. Nach dem Empfang besuchten Gauck und Napolitano ein Festkonzert anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten Giuseppe Verdi. Nach dem Treffen am Donnerstag im Schloss Bellevue stand noch ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Terminplan von Napolitano.

Ein Treffen mit Peer Steinbrück war am Mittwochabend ebenfalls geplant, wurde von italienischer Seite wegen despektierlicher Äußerungen des SPD-Kanzlerkandidaten abgesagt. Steinbrück hatte am Dienstagabend über den Wahlausgang in Italien unter Anspielung auf den Komiker Beppe Grillo und Silvio Berlusconi gesagt: „Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben.“

„Manches kommentiert sich von selbst“

Napolitano verteidigte am Donnerstag die Absage des Gesprächs mit Steinbrück und rüffelte den SPD-Politiker. Er hätte sich gern mit Steinbrück getroffen. Das sei aber nach der Äußerung Steinbrücks nicht mehr möglich gewesen, sagte Napolitano. Jeder könne denken, was er wolle, sagte der italienische Staatspräsident. Etwas anderes sei aber, wenn das Ergebnis freier Wahlen in einem befreundeten Land so kommentiert werde. Man sollte dann seine Worte ausgewogener wählen, sagte Napolitano.

Gauck fügte hinzu: „So ist es.“ Er wolle aber Äußerung von Regierungsmitgliedern nicht kommentieren. „Manches kommentiert sich auch von selbst“, fügte der Bundespräsident hinzu.

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