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Staatsanwalt fordert Höchststrafe für Morde auf Parkplatz

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26.01.2012

Prozesse Staatsanwalt fordert Höchststrafe für Morde auf Parkplatz

Angeklagter soll lebenslang ins Gefängnis – Mordlust als Tatmotiv vermutet.

Stuttgart – Für die sogenannten Parkplatzmorde hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert. Zudem solle das Stuttgarter Landgericht die besondere Schwere der Tat feststellen und Sicherungsverwahrung anordnen. Der 57-jährige Angeklagte habe “ohne jeden Anlass und aus Freude an der Vernichtung eines Menschenlebens” gehandelt, sagte Oberstaatsanwalt Albrecht Braun am Donnerstag in seinem Plädoyer. Das Urteil soll am Mittwoch (1. Februar) verkündet werden.

Der Verteidiger des Tatverdächtigen forderte, zumindest auf die Sicherungsverwahrung und die Feststellung der Tatschwere zu verzichten, sollte sein Mandant verurteilt werden. Ein konkretes Strafmaß nannte er nicht. Dem Angeklagten werden zweifacher Mord, versuchter Mord und Körperverletzung vorgeworfen. Zum Prozessauftakt äußerte er sich dazu nicht. Ein Polizist hatte ausgesagt, bei einer Befragung nach der Festnahme habe der Verdächtige die Tat abgestritten.

Der Mann soll am 8. Mai 2010 auf einem Parkplatz in der Nähe des baden-württembergischen Magstadt (Landkreis Böblingen) einen ihm unbekannten 30-Jährigen durch einen Kopfschuss mit einer Sportpistole getötet haben. Laut Anklage hat er auch am 2. Juli 2010 auf dem Autobahnparkplatz an der A 5 bei Mörfelden-Walldorf in Hessen einen 70-Jährigen mit derselben Waffe von hinten in den Kopf geschossen.

Zudem soll der Angeklagte am 6. Juni 2010 versucht haben, einen 62-jährigen Belgier in Freudenstadt umzubringen. Dazu habe er ihn mit einem Messer bedroht und aufgefordert, im Auto von einem gut besuchten Marktplatz wegzufahren.

Die Fahnder kamen dem Tatverdächtigen auf die Spur, als sich der Belgier nach dem Anschlag in Freudenstadt an die Behörden wandte. An Zigarettenstummeln wurden DNA-Spuren des 57-Jährigen gefunden, die mit Material vom Tatort in Magstadt übereinstimmten. Bilder eines schwarzen Fahrzeugs mit Esslinger Kennzeichen führten schließlich zum mutmaßlichen Täter.

Zu Beginn des Prozesses war der Staatsanwalt noch von einem Motiv der Rache ausgegangen. Der Angeklagte habe sich vor einigen Jahren mit dem HI-Virus infiziert und die Parkplätze würden als Treffpunkte für Homosexuelle gelten. Nun nimmt Braun Mordlust als Motiv an. “Anders sind die Taten des Angeklagten letztlich nicht zu erklären.”

Der Täter sei “heimtückisch” und “kaltblütig” vorgegangen, sagte der Staatsanwalt. “Die Opfer waren völlig arglos.” Sie seien auch willkürlich ausgewählt worden. Der Angeklagte habe “verächtlich agiert, tabulos und ohne Schranken”. Mit Blick auf die geforderte Sicherungsverwahrung führte Braun an: “Welcher Täter, wenn nicht der Angeklagte, ist für die Allgemeinheit gefährlich?”

Der Verteidiger des Angeklagten hielt dem entgegen, bis zum Ende des Prozesses seien “etliche Fragen offen” geblieben. “Haben wir es mit einem Täter zu tun oder mit mehreren? Was war das Motiv?” Bei der Bedrohung des Belgiers sei unklar, ob der Täter ihn überhaupt habe töten wollen. “Der Fall passt ganz und gar nicht in alles andere hinein.”

Der Angeklagte überraschte mit einem Schlusswort, nachdem er sich während des gesamten Prozesses nicht selbst zu Wort gemeldet hatte. Am Donnerstag sagte er, es würde ihm leidtun, sollte jemand annehmen, “ich sei der Grund für seinen Kummer, Sorge und Leid”. Wenn Homosexuelle ihre Neigung “in obskuren Subkulturen ausleben müssen, dann sind nicht diese Menschen pervers, sondern die Umwelt, in der sie leben müssen”.

Die Anwältin einer Nebenklägerin kritisierte, der Angeklagte habe im Prozess durch sein Schweigen nicht zur Aufklärung des Falles beigetragen. Die Angehörigen wollten die Tat verstehen, nun aber blieben sie ratlos und verzweifelt zurück. Die Anwältin vertritt die Witwe eines Opfers.

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