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Sprachlos vor Entsetzen nach Ärztemord

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09.03.2012

Weilerbach Sprachlos vor Entsetzen nach Ärztemord

Das pfälzische Dorf Weilerbach trauert um die zwei am Montag ermordeten Ärzte.

Weilerbach – Nur das Knarzen einer Treppendiele und das zurückhaltende Husten älterer Menschen durchbricht gelegentlich die Stille. Anders als sonst wabern keine Gesprächsfetzen durch den Raum, niemand plaudert leise mit seinem Nebenmann. Dabei zwängen sich weit mehr als tausend Menschen in die evangelische Kirche im pfälzischen Weilerbach, etliche stehen, manche sogar vor der Tür. Es ist, als habe ein ganzes Dorf seine Sprache verloren.

Jemand aus ihrer Mitte, ein 78-jähriger Rentner, war am Montag aus heiterem Himmel in die Hausarztpraxis im Ort gegangen und hatte vor den Augen der Patienten zwei seiner behandelnden Ärzte erschossen. Obwohl das Personal noch alles versuchte, die beiden 48 und 63 Jahre alten Mediziner zu retten, starben sie am Tatort. Der Todesschütze nahm sich nach der Tat in seinem Haus das Leben.

Angesichts dieser schrecklichen Ereignisse fällt es auch den Pastoren Dorothee Wüst und Uwe Laux schwer, die richtigen Worte für ihre Gedenkandacht zu finden. „Wir durchleben Tage, in denen es keinen Alltag gibt. Durch unsere Normalität ist ein Riss gegangen“, spricht Laux in die riesige Dorfkirche hinein. Regungslose Gesichter schauen ihn an, Manche tupfen sich vorsichtig eine Träne aus den Augenwinkeln.

Das Unerklärliche erklären können die beiden Geistlichen in diesen Tagen auch nicht. Und so sprechen sie die Fragen aus, die seit Montag nicht mehr aus den Köpfen der Weilerbacher verschwinden wollen: „Wie konnte das bei uns passieren?“, „Hätten wir etwas merken müssen?“, „Warum mussten diejenigen sterben, die anderen geholfen haben?“, „Warum hat Gott das zugelassen?“

Es sind Grundfeste der Menschen, die der Amoklauf erschüttert hat. So auch bei Theo Riesbeck, ein gestandener Mann und bekennender Katholik: „Diese Sache geht für mich an die Grenze des Glaubens“, sagt er mit nachdenklicher Stimme. Der ältere der beiden ermordeten Ärzte hat ihm vor einigen Jahren im Kampf gegen den Krebs geholfen. „Es wird hier“, sagt er und holt tief Luft um die hochschießenden Tränen zu unterdrücken, „einige Zeit vergehen, bis das Dorf das versteht.“

Mit Antworten geht Riesbeck an diesem Abend nicht aus der Kirche, aber darauf hatte er auch nicht gehofft. „Das geht nach so einer Tat gar nicht“, sagt er und blickt in den Himmel. Aber die Gemeinschaft des Dorfes hat dem 65-Jährigen gut getan. Darin hatte auch Pastorin Wüst ihre Hoffnung gesetzt: „Einige von uns stehen in diesen Tagen am Rande des Abgrunds, aber sie sind nicht alleine.“

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