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06.04.2010

Spionage-Netzwerk aus China knackt Computer des Dalai Lama

Ottawa – Ein in China angesiedeltes Spionagenetzwerk hat nach Angaben nordamerikanischer Experten Computer mehrerer Staaten und Organisationen geknackt. Vor allem sensible Informationen aus Indien, der Vereinten Nationen sowie der Email-Verkehr des Büros des Dalai Lama seien ausspioniert worden, teilten kanadische und US-Forscher mit.

Die Hacker hätten sich mit Hilfe von Internetdiensten wie Twitter, Google Groups und Yahoo Mail Zugang zu Computern in Indien, der Vereinten Nationen und anderen Ländern verschafft, teilten die Forscher der Universität von Toronto in ihrem Bericht „Schatten in den Wolken“ weiter mit. Opfer der massiven Cyber-Attacken wurden demnach vor allem die indische Regierung und ihre Sicherheitsorgane. Doch griffen die Hacker auch die persönlichen, finanziellen und geschäftlichen Informationen von normalen Bürgern ab. Betroffen waren laut dem Bericht insgesamt 31 Länder.

„Das waren gezielte und wohldurchdachte Angriffe“, sagte einer der führenden Wissenschaftler, Greg Walton, auf einer Pressekonferenz. Nach seinen Angaben konnten die Attacken bis zu Servern in Chengdu in der südchinesischen Provinz Sichuan und dem benachbarten Chongqing zurückverfolgt werden. Die eigentlichen Autoren aber wurden nicht identifiziert. In Chengdu sitzt das technische Aufklärungsbüro des chinesischen Militärs, Chongqing soll eine Hochburg der Internetkriminalität sein.

Die Art der Attacken wiesen darauf hin, dass es „eine Verlagerung gibt von der bisher üblichen kriminellen und industriellen Spionage hin zu einer möglichen politischen Spionage“, sagte Walton. Zwar wisse er nicht, ob hinter diesen Attacken Peking oder andere Regierungen stünden. Doch sei er in jedem Fall davon überzeugt, „dass es inzwischen einen Markt für derartige Informationen gibt“. Walton sagte, die Behörden in Peking seien informiert worden und hätten Ermittlungen zugesagt.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Jiang Yu, wies den Bericht über massive Cyper-Attacken aus China unterdessen zurück. Er wisse nicht, auf welcher Grundlage die Vorwürfe basierten oder welche Motive dahinter stünden, sagte er in Peking. Das Ausspionieren fremder Computer sei ein internationales Problem und könne auch nur durch „gemeinsame Anstrengungen“ bekämpft werden.

Dieselbe Gruppe Wissenschaftler hatte bereits vor einem Jahr eine Cyber-Spionagewelle aus China – „Ghostnet“ (Geisternetz) – aufgedeckt. Von den damaligen Angriffen, die vor allem auf Exil-Tibeter abzielten, waren Computer von Regierungsbehörden und Privatleuten in 103 Ländern betroffen. Nach Angaben der Forscher ist der jetzige Spionagering, dem sie den Namen „Shadownet“ (Schattennetz) gaben, viel mächtiger als sein Vorgänger.

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