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Klartext mit Steinbrück

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27.02.2013

SPD Klartext mit Steinbrück

SPD-Kanzlerkandidat stellt sich im Dialog den Fragen der Brandenburger.

Potsdam – Peer Steinbrück (SPD) ist bekanntermaßen ein Mann der klaren Worte. Kurz und knapp richtete er sich auch an die etwa 250 Bürger in Potsdam, die am Dienstagabend seinetwegen gekommen waren. „Sie alle kennen Veranstaltungen von Parteien, die ihnen eigentlich stinken“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat. Auf die sonst üblichen „Frontalunterrichtsreden“ wolle er daher verzichten. „Heute machen wir es anders“, sagte der 66-Jährige. Er wolle sich den Fragen stellen, die den Anwesenden in dem Hotelsaal „unter den Nägeln brennen“.

Der Abend in Brandenburg war der Auftakt von Steinbrücks Wahlkampf-Länderreise, die ihn in den kommenden Monaten durch ganz Deutschland führen soll. Ein zentraler Punkt dieser Besuche wird nach den Abgaben der SPD jeweils eine „Town-Hall“-Veranstaltung sein, also eine Bürgerrunde, bei dem der SPD-Kanzlerkandidat den Bürgern Rede und Antwort stehen soll. Für die Premiere in Brandenburg hatte die SPD über ihre Landesgeschäftsstellen Bürger aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen eingeladen.

Zwei Spielregeln gelten allerdings, wie Steinbrück sagte. Zum einen sei keine Frage dumm. „Es gibt allenfalls dumme Antworten von mir – und die versuche ich zu vermeiden.“ Und falls er „schlicht und einfach nicht Bescheid“ wisse, wolle er das sagen. „Ehe sie von mir Geschwafel hören oder irgendwelche langatmigen Sätze, die verstecken sollen, dass ich davon nichts verstehe“, sagte der Kanzlerkandidat. Diese Fragen würden aber im Nachhinein beantwortet werden.

Eine Einschränkung kam auch von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). „Fragen zum Flugwesen nehme ich hingehen“, sagte er mit Blick auf den immer noch nicht fertiggestellten Hauptstadtflughafen und sorgte für Erheiterung unter den Anwesenden.

Klare Kante bei den Antworten

Die Themen, mit denen die Bürger Steinbrück konfrontierten, waren dann auch breit gestreut. Es ging um das Rentenalter, den Mindestlohn, die Energiewende, Rüstungsexporte, das NPD-Verbot oder etwa den Länderfinanzausgleich oder die Finanztransaktionssteuer.

Steinbrück antwortete stets unverkrampft, locker und sprach seine Diskussionspartner auch mal mit Du an, sofern diese sich als Genossen geoutet hatten. Handzahm gab sich Steinbrück in der Beantwortung allerdings nicht. So mancher hatte sich vielleicht eine entgegenkommendere Antwort von dem Sozialdemokraten gewünscht – doch der zeigte klare Kante.

Einem zukünftigen Rentner, der sich Sorgen um seine Altersbezüge und das Renteneintrittsalter machte, sagte Steinbrück etwa deutlich, dass er von der Rente mit 67 nicht abrücken werde. Ein Potsdamer Gastronom musste sich sagen lassen, dass Steinbrück „nicht im Traum“ daran denke, weitere Vergünstigungen – was die Mehrwertsteuer angehe – an die Gastronomie zu geben. Der SPD-Politiker blieb es seinen Gesprächspartnern aber nie schuldig, seine Positionen detailreich und ausgiebig zu erläutern.

Typisch bissig

Zur Hochform lief er etwa beim Thema der Europäischen Union auf, für die er eindringlich warb und dafür vom Publikum langen Applaus erntete.

Und auch an diesem Abend ließ sich Steinbrück zum einen oder anderen bissigen Kommentar hinreißen. So sagte er etwa mit Blick auf den Wahlausgang in Italien, er sei zu einem „gewissen Grad entsetzt“, dass „zwei Clowns“ gewonnen hätten. „Ein beruflich tätiger Clown, der auch nicht beleidigt ist, wenn man ihn so nennt“, sagte er mit Blick auf den populistischen Chef der „5-Sterne“-Bewegung und Komiker, Beppe Grillo. „Und ein anderer, der definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub ist“, giftete er gegen den ehemaligen Regierungschef Silvio Berlusconi.

Zum Schluss merkte Steinbrück noch an, er hoffe, seinen Gesprächspartnern habe diese „eher dialogische Veranstaltung sehr viel besser gefallen, als wenn er ihnen „jetzt 60 Minuten einen vom Pferd“ erzählt hätte.

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