Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Politik - newsburger.de

Karl Lauterbach

© über dts Nachrichtenagentur

13.04.2014

SPD Gesundheitsexperte will Kauf von Tamiflu stoppen

„Jetzt muss schnell gehandelt werden.“

Berlin – Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) will die Pflicht von Bund und Ländern, große Mengen teurer Grippemittel wie Tamiflu einzulagern, „so schnell wie möglich abschaffen“. Dies berichtet der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe.

Noch ist im nationalen Pandemieplan vorgesehen, dass diese Medikamente für 20 Prozent der Bevölkerung vorgehalten werden sollen, wofür schätzungsweise bereits ein dreistelliger Millionenbetrag ausgegeben wurde. Vorige Woche jedoch kam eine Auswertung wissenschaftlicher Studien durch die renommierte Cochrane Collaboration zu dem Ergebnis, dass die antiviralen Mittel weitgehend wirkungslos seien, zugleich jedoch gefährliche Nebenwirkungen haben könnten.

„Jetzt muss schnell gehandelt werden“, sagte Lauterbach dem Magazin. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass die hoch relevanten Ergebnisse der Cochrane-Untersuchung in die derzeitige Überarbeitung unseres Pandemieplans einfließen.“

Während der Schweinegrippe-Pandemie 2009 waren Experten noch davon ausgegangen, dass sich durch Tamiflu zumindest Lungenentzündungen und eine Infektionsausbreitung verhindern ließen. Später deckten Cochrane-Wissenschaftler zusammen mit dem „British Medical Journal“ auf, dass der Hersteller Roche etliche Studiendaten gar nicht veröffentlicht hatte.

Die neue Untersuchung, in die auch bislang zurückgehaltene Daten eingeflossen sind, zeigt nun, dass Tamiflu bei Grippekranken lediglich die Dauer der Symptome um knapp 17 Stunden verkürzt. Ob es Ansteckungen verhindern kann, ist fraglich; zudem können erhebliche Nebenwirkungen auftreten, darunter psychiatrische Symptome. In einer Stellungnahme widerspricht die Firma Roche der Cochrane-Gruppe, diese ziehe aufgrund klinischer Studien Rückschlüsse auf die Situation einer Pandemie.

Lauterbach im „Spiegel“: „Auch ich gehörte früher zu den Befürwortern der Einlagerung, aber ich habe meine Meinung geändert. Jetzt müssen wir verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. Pharmafirmen müssen gezwungen werden, alle Studienergebnisse sofort zu veröffentlichen.“

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/spd-gesundheitsexperte-lauterbach-will-kauf-von-tamiflu-stoppen-70536.html

Weitere Nachrichten

Mahmur Flüchtlingsanlage

© homeros / 123RF Lizenzfreie Bilder

Ex-Lageso-Chef „Wir brauchen für jeden Flüchtling einen Lotsen“

Der ehemalige McKinsey-Berater und frühere Chef des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso), Sebastian Muschter, warnt vor einem Scheitern ...

NPD Kundgebung Wuerzburg

© Christian Horvat / CC BY-SA 3.0

NPD-Verbot Lammert begrüßt Bedeutung der Karlsruher Entscheidung

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die politische Bedeutung der Karlsruher NPD-Entscheidung hervorgehoben. "Ich begrüße, dass das ...

Barbara Hendricks Angela Merkel 2013

© Martin Rulsch / CC BY-SA 4.0

SPD Hendricks will Agrarsubventionen an Naturschutz koppeln

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat eine grundlegende Reform der bisherigen EU-Agrarsubventionen gefordert. Demnach sollen Landwirte künftig ...

Weitere Schlagzeilen