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Russland Spannungsfeld zwischen Machtkalkül und Aufbruch

ARD zeigt zwei Dokumentationen im Programmschwerpunkt zur Präsidentschaftswahl.

Hamburg – „Rossija! Rossija!“, skandieren Wladimir Putins Anhänger unter dem Banner seiner Partei „Einiges Russland“. Der wichtigste Mann des Landes gibt mit der geballten Faust den Takt vor, ein Lächeln spielt um seine Lippen. Bald wird er wieder offiziell der Mächtigste in Russland sein, zum dritten Mal – so ist es vorgesehen für den 4. März, den Tag der Präsidentschaftswahl. Doch auf den Straßen in Moskau, St. Petersburg, Jekaterinburg werden andere Töne laut. „Rossija bes Putina!“ rufen sie, „Russland ohne Putin!“. Plötzlich fordern Tausende, was vorher in Russland kaum vorstellbar war.

Brechen in Russland neue Zeiten an? Dieser Frage nähert sich das Erste mit einem Programmschwerpunkt unter dem Titel „Russland – fünf Tage vor der Präsidentenwahl“ am Montag (27. Februar). Der Themenabend zeigt das Land im Spannungsfeld zwischen dem Machtkalkül des „Systems Putin“ und der Aufbruchsstimmung, die eine breite Mittelschicht auf die Straßen trägt.

Die Dokumentation „Ich, Putin – Ein Porträt“ liefert seltene Einblicke in das Selbstverständnis des russischen Staatsmannes. In verblüffend persönlichen Gesprächen mit Autor Hubert Seipel schildert Putin, wie er zu dem geworden ist, was er ist – „und warum wir ihn eigentlich nicht verstehen“, sagt Seipel. Klar ist: Putin ist sich seines Sieges bei der Wahl gewiss – dank der staatlichen Medien, seiner Kontrolle über die Wahlkommission und einer großen Zahl von Russen, die sich keinen anderen Staatschef vorstellen können als ihn.

Eine Protestbewegung, die sich nicht zurückdrehen lässt

Doch die Bilder der Dokumentation „Götterdämmerung im Kreml? Opposition gegen Putin“ sprechen eine andere Sprache. Ina Ruck und Georg Restle zeigen Familien der aufstrebenden Mittelschicht, Unternehmer, Künstler und Aktivisten, die ihren Protest gegen das „System Putin“ auf die Straße tragen. „Die Bewegung hat eine völlig neue Qualität“, sagt Ina Ruck, die seit Jahrzehnten in Russland lebt. „Das ist etwas, das sich nicht zurück drehen lässt.“

Wie geht es nach der Wahl weiter in Russland? Dass Putin Präsident wird, gilt als unbestritten. „Die Wahlkommission ist komplett kontrolliert“, sagt der ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn. Vorsorglich gefüllte Wahlurnen, wie in der Sendung zur Protestbewegung zu sehen, kann es also weiterhin geben. Der Protestbewegung fehlt zudem die klare politische Linie. Die Machtverhältnisse wandeln sich trotzdem. Hauptfigur der russischen Politik ist plötzlich nicht mehr Wladimir Putin, sondern die Bürger der russischen Mittelschicht.

Der Themenabend in der ARD beginnt um 22.45 Uhr mit der Dokumentation „Ich, Putin – ein Porträt“, gefolgt von der Sendung „Götterdämmerung im Kreml? Opposition gegen Putin“ um 23.30 Uhr.

23.02.2012 © dapd / newsburger.de

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