Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Panorama - newsburger.de

Konfessionslosigkeit im Osten wegen SED-Politik

© dapd

14.01.2012

Religion Konfessionslosigkeit im Osten wegen SED-Politik

In Sachsen ist nur etwa jeder Fünfte kirchlich gebunden.

Leipzig – Die repressive SED-Politik gegenüber Christen ist nach Einschätzung der Religionssoziologin Monika Wohlrab-Sahr eine Ursache für die geringe kirchliche Bindung in Sachsen und den anderen neuen Bundesländern. “Die Politik der SED hat langfristig bewirkt, dass heute rund 80 Prozent der Sachsen konfessionslos sind”, sagte Wohlrab-Sahr der Nachrichtenagentur dapd.

Ein Teil der Bevölkerung in den neuen Bundesländern habe sich den sogenannten “wissenschaftlichen Atheismus der DDR zu eigen gemacht, auch ohne das politische Programm des Kommunismus.”

Die Wissenschaftlerin sagte, mithilfe des “kulturkämpferischen” Begriffs Wissenschaft habe die SED den christlichen Glauben abgewertet. Jedoch habe die DDR-Führung auch an die “religionskritische” Tradition des mitteldeutschen Raumes anschließen können. Sie verwies darauf, dass dort im 19. Jahrhundert etwa Freidenkerverbände entstanden seien, die auch in der Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie stark verankert waren.

Eine Folge der relativ hohen Konfessionslosigkeit ist aus Sicht der Soziologin, die an der Universität Leipzig lehrt, dass in Sachsen die “Erregungsschwelle relativ niedrig ist, sobald sich die Kirche in öffentliche Belange einmischt”. Gläubige würden bisweilen als “mittelalterlich und unaufgeklärt” bezeichnet. Dieser zum Teil “aggressive Atheismus” sei ein “Erbe der DDR-Zeit”.

Wohlrab-Sahr sagte weiter, nur das Erzgebirge habe aufgrund seiner “lebendigeren religiösen Tradition” dem DDR-Atheismus weitgehend widerstehen können. Allerdings vermittle es auch eine “konservative Kirchlichkeit”, die an den Rändern “islam- und homosexuellenfeindlich” sei und das Klima der sächsischen evangelischen Kirche beeinflusse.

Dort bleibe ein Milieu von traditionsbewussten Älteren zurück, die die von der Kirche gepflegte Hochkultur und klassische Musik anspreche. Weil junge, oft männliche Erwachsene zunehmend aus der Kirche austräten und längst nicht mehr alle Kirchenmitglieder ihre Kinder taufen ließen, werde die Kirche weiter überaltern.

In Sachsen ist nur etwa jeder Fünfte kirchlich gebunden.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dapd / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/soziologin-erklart-konfessionslosigkeit-im-osten-mit-sed-politik-34063.html

Weitere Nachrichten

Aiman Mazyek - Zentralrat der Muslime 2015

© Christliches Medienmagazin pro / CC BY 2.0

Zentralrat der Muslime Mazyek nach eigenen Angaben auf „ISIS-Todesliste“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, wird nach eigenen Angaben von der Terrororganisation "Islamischer Staat" gejagt - und eine ...

Wohnungsanzeigen

© über dts Nachrichtenagentur

Studie Ausländer werden bei Wohnungssuche benachteiligt

Menschen mit ausländischen Namen werden laut einer Studie bei der Wohnungssuche in Deutschland benachteiligt. Der Untersuchung des "Spiegels" und des ...

Polizist

© über dts Nachrichtenagentur

Verhaltensökonom Risiko von Terroranschlägen wird überschätzt

Angesichts der Angst vieler Deutscher vor Terroranschlägen im Urlaub rät der Verhaltensökonom Horst Müller-Peters von der Technischen Hochschule Köln zu ...

Weitere Schlagzeilen