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Hotline für Muslime besonders gefragt

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20.02.2013

Seelsorge Hotline für Muslime besonders gefragt

Mehr als 4.000 Anrufe beim Seelsorgetelefon pro Jahr.

Berlin – Immer mehr in Deutschland lebende Islam-Anhänger suchen Rat beim muslimischen Seelsorgetelefon. Im vergangenen Jahr seien 4.500 Anrufe gezählt worden, sagte der Geschäftsführer Imran Sagir am Mittwoch in Berlin. Für 2013 rechnet er mit weit mehr als 5.000 Anrufern. Die Hotline ist die erste ihrer Art in Deutschland. Selbst die Verantwortlichen sind überrascht darüber, dass es unter den Muslimen so viele neue Probleme gibt.

Seit Bestehen des Angebots im Mai 2009 kontaktierten mehr als 12.100 Menschen telefonisch die Seelsorger. Darunter waren 70 Prozent Frauen. Fast 70 Prozent der Ratsuchenden sind laut Statistik zwischen 20 und 39 Jahre alt gewesen. Die meisten plagten Sorgen mit dem Partner oder der Familie. Andere beschäftigten sich mit dem Sinn des Lebens oder mit körperlichen Beeinträchtigungen wie Krankheit. Neun Prozent thematisierten Einsamkeit.

Die Berater sind täglich von 8.00 bis 24.00 Uhr zu erreichen. Ab März wird das Angebot wegen großer Nachfrage rund um die Uhr geschaltet. 73 Ehrenamtliche kümmern sich um die Hilfesuchenden, die in allen Fällen anonym bleiben. Die meisten seien in den alten Bundesländern zu Hause. 30 bis 40 Prozent der Anrufer kämen aus dem Berliner Raum, sagte der Geschäftsführer.

Hotline auf Türkisch

Das Seelsorgetelefon versteht sich als „Dienst für Menschen in seelischen und psychosozialen Not- und Krisensituationen“. Nur in zehn Prozent der Telefonate würden religiöse Themen angesprochen. „Wenn ein Anrufer es wünscht, sprechen wir auch ein Gebet. Das ist aber in seltenen Fällen der Fall“, unterstrich Sagir. Die Seelsorge wird den Angaben zufolge grundsätzlich auf Deutsch angeboten. Dienstags werden die Gespräche auch auf Türkisch geführt. Nach Absprache können die Anrufer ihre Sorgen auch auf Arabisch, Marokkanisch oder Englisch loswerden.

Der Ausbilder der Ehrenamtlichen, Edouard Marry, sagte, wie beim Start der katholischen Telefonseelsorgen vor vier Jahrzehnten zeige sich jetzt bei Muslimen, „dass reine Glaubensbezeugnisse nicht bei allen Problemen helfen“. Bei vielen Sorgen seien die Imame überfordert, weshalb Hilfe wie das Seelsorgetelefon nötig sei. Seit Bestehen dieses Angebots seien viele neue Probleme der in Deutschland lebenden Muslime bekannt geworden, die „wir vorher nicht kannten“, erklärte Marry. Dafür müssten jetzt Gegenmittel entwickelt werden.

Die frühere Bundestagsvizepräsidentin Rita Süssmuth (CDU) bezeichnete das Seelsorgetelefon bei einem Besuch am Mittwoch als „zentralen Türöffner, damit sich Menschen kulturell näherkommen“. Das Miteinander der Kulturen sei eine wesentliche Aufgabe des 21. Jahrhunderts. Seit den Terroranschlägen 2001 in den USA werde der Begriff Muslim maßgeblich mit Terror oder fundamentalistischem Glauben verbunden, sagte Süssmuth. Die große Mehrheit der Muslime lebe aber keineswegs fundamentalistisch. Deshalb sei viel Aufklärungsarbeit notwendig.

(Muslimische Seelsorgetelefon: 030/443509821)

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