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Deutsche fürchten soziale Ungerechtigkeit

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14.02.2013

Studie Deutsche fürchten soziale Ungerechtigkeit

Bürger werten gleiche Chancen wichtiger als Verteilungsgerechtigkeit.

Berlin – Die Deutschen stellen ihrem eigenen Land hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit ein schlechtes Zeugnis aus: Mit 69 Prozent halten mehr als zwei Drittel der Deutschen die Verteilung von Vermögen und Einkommen im Land für ungerecht. Das ist eines der Ergebnisse einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Demnach empfinden nur 15 Prozent der Befragten die Situation als gerecht, 14 Prozent konnten sich nicht entscheiden.

64 Prozent sind der Studie zufolge der Meinung, die soziale Gerechtigkeit habe in den vergangenen drei bis vier Jahren abgenommen. Lediglich sieben Prozent sehen eine positive Entwicklung. Die Einschätzung einer ungerechten Verteilung im Land ist jedoch nicht wirklich neu, wie die Geschäftsführerin des IfD Allensbach, Renate Köcher in Berlin sagte. Der Anteil von etwa 70 Prozent, die dieser Meinung sind, habe sich innerhalb der vergangenen 15 Jahre nicht groß geändert.

Als besonders wichtig für die soziale Gerechtigkeit werten die Deutschen die Möglichkeit, vom Lohn leben zu können sowie gleiche Bildungschancen für Kinder. „Für 90 Prozent der Befragten ist das Ziel, allen Kindern gleiche Bildungschancen zu geben, ausschlaggebend für soziale Gerechtigkeit“, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr.

Denn insgesamt hat der Studie zufolge die Verteilung von Einkommen und Vermögen gar nicht den höchsten Stellenwert für die soziale Gerechtigkeit bei den Deutschen. So stuft die Mehrheit der Befragten die Chancengleichheit – wie etwa in der Bildung – höher ein als andere Facetten von Gerechtigkeit. „Chancengerechtigkeit hat für die Bürger mit Abstand den größten Stellenwert, gefolgt von Familien- und Leistungsgerechtigkeit“, sagte Köcher. Erst anschließend folgen noch die Generationengerechtigkeit und schlussendlich die Verteilungsgerechtigkeit.

Größte Bringschuld beim Staat

Die größte Bringschuld, die Gerechtigkeitslücke zu schließen, sehen die Deutschen beim Staat. 65 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Politik am meisten dazu beitragen kann, dass es gerecht zugeht. Weit abgeschlagen folgen die Wirtschaft mit 32 Prozent, die Bürger selbst mit 28 Prozent und die Gewerkschaften mit 21 Prozent.

Konkret wünschen sich die Deutschen vom Staat etwa Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Vorbereitung von Schülern auf das Berufsleben oder bei den Studienbedingungen. Darüber hinaus halten es die Befragten für wichtig, dass Arbeit zu einem deutlich höheren Einkommen führt als staatliche Unterstützung bei Arbeitslosen. Auch müsse es gleiche Löhne für die gleiche Leistung und die flächendeckende Einführung von Mindestlöhnen geben.

Doch obwohl der Staat durch Steuern und Sozialausgaben schon erhebliche Summen umverteilt, sind mit 64 Prozent die meisten Deutschen der Meinung, dass die Politik eher dazu beiträgt, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich größer werden.

Die Spitzenkandidaten der Grünen für den Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, bezeichnete die Ergebnisse als „beschämende Realität“. „Unsere Gesellschaft driftet auseinander, die Armen werden ärmer, die Reichen reicher“, sagte sie. Der öffentlichen Hand fehle dabei das Geld, um wirksam gegenzusteuern. „Marode Schulen, fehlende Kitaplätze und geschlossene Bibliotheken verstärken die soziale Schieflage.“ Sie forderte daher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), den Weg frei für einen gesetzlichen Mindestlohn zu machen, „eine armutsfeste Grundsicherung und Investitionen in mehr und bessere Kitas sowie Ganztagsschulen.“

Das IfD Allensbach befragte für die Studie „Was ist Gerecht?“ im Dezember 2012 und Januar 2013 insgesamt mehr als 3.000 Bürger.

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