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Sonntag endet beim HSV endgültig die Ära Hoffmann

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13.01.2012

Mitgliederversammlung Sonntag endet beim HSV endgültig die Ära Hoffmann

Mitglieder sauer, Entlastung unsicher – Minus von 4,876 Millionen in der letzten Saison.

Hamburg – Acht Jahre und drei Monate lang prägte Bernd Hoffmann als Vorstandschef den Hamburger SV. Am Sonntag nun soll seine Ära endgültig enden. Dafür aber müssen die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung des Fußball-Bundesligisten seiner Entlastung zustimmen. Genau das aber ist unsicher. Zu tief sitzt noch der Ärger über den langjährigen Boss, seine gewagte Finanzpolitik, seine Alleingänge, die ständigen Trainerwechsel und den sportlichen Misserfolg.

Hoffmann schwieg bislang konsequent. Kein Wort in der Öffentlichkeit seit der Unterzeichnung seines Aufhebungsvertrages am 15. März 2011. Auch als immer neue Vorwürfe gegen Hoffmann und die ebenfalls abgelöste zweite Vorsitzende Katja Krauss erhoben wurden: Schweigen. Jetzt warten die über 70.000 Mitglieder des Traditionsklubs voller Spannung darauf, ob Hoffmann sich ihnen am Sonntag erklärt. Wahrscheinlich ist das nicht.

Bei den Vorwürfen geht es um eine Image-Beratung für Hoffmann auf Vereinskosten (89.000 Euro), Honorare an Spielerberater Roman Grill (30.000) und an Urs Siegenthaler (500.000), die beide als Sportchef im Gespräch waren. Es geht um Zahlungen an einen Spielerberater (70.000), obwohl der geplante Wechsel des Brasilianers Vagner Love nicht zustande kam, und um die Beschäftigung von zwei Hoffmann-Freunden als Sponsoring-Berater bzw. im Arena-Management.

Selbst privater Gebrauch von dienstlich erworbenen Flugmeilen wird von den Rechnungsprüfern diskutiert. Zu belangen ist Hoffmann offenbar aber nicht. Die Rechnungsprüfer empfehlen deshalb die Entlastung. All dieser vereinsinterne Zwist erinnert an das Motto von Bundespräsident Christian Wulff: Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig.

Als falsch hat sich vor allem die riskante Personalpolitik des Klubs herausgestellt. Ein Minus von 4,876 Millionen Euro weist das Geschäftsjahr 2010/2011 bei einem Gesamtumsatz von 145 Millionen Euro aus. Ohne das Investment des Milliardärs Klaus-Michael Kühne in Höhe von 8,5 Millionen Euro wäre es noch höher ausgefallen. „Nach unserem Amtsantritt wurde sehr schnell deutlich, dass wir finanziell vor ernsthaften Problemen für die neue Saison standen“, erklärt Hoffmanns Nachfolger Carl Jarchow, „unser Bundesliga-Etat war ausgerichtet auf das Erreichen mindestens der Europa League.“

Der eingeleitete Umbruch war deshalb vor der laufenden Saison unvermeidlich und könnte nun am Sonntag auch auf der Führungsebene komplettiert werden. Der für Mitgliederbelange zuständige Oliver Scheel ist das letzte Vorstandsmitglied aus der Hoffmann-Zeit. Er stellt sich zur Wahl, hat aber in dem in Hamburg populären Hockey-Olympiasieger Christian Blunck einen Gegenkandidaten.

46,767 Millionen Euro gab der Verein für die vergangene Spielzeit für den Personalaufwand Bundesliga aus. Diese Kosten wurden inzwischen um etwa acht Millionen reduziert. „Der Umbruch im sportlichen Bereich ist nicht ohne Risiko, aber leider unumgänglich“, erklärt Jarchow, „es liegen aber auch Chancen in diesem Prozess, und die Ergebnisse der letzten Wochen stimmen uns hoffnungsvoll.“

Dazu trägt vor allem die Verpflichtung von Trainer Thorsten Fink Mitte Oktober bei, unter dem der HSV in der Bundesliga noch ungeschlagen ist. Dem ehemaligen Meisterspieler aus München wird zugetraut, gemeinsam mit Sportchef Frank Arnesen eine neue HSV-Mannschaft aufzubauen, die mittelfristig wieder international angreift. „Unser Anspruch muss sein, mittelfristig wieder eine signifikante Rolle in Europa zu spielen“, fordert Aufsichtsrats-Chef Otto Rieckhoff.

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