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Ski-Wunderkind und Kamera-Genie mit sonnigem Gemüt

© dapd

20.01.2012

Willy Bogner Ski-Wunderkind und Kamera-Genie mit sonnigem Gemüt

Willy Bogner wird 70.

München – Nur eines würde Willy Bogner rückblickend in seinem Leben gerne ändern wollen: den zweiten Durchgang im Slalom von Squaw Valley. Seinen 70. Geburtstag feiert der ehemalige Ski-Rennläufer und heutige Münchner Film- und Modeunternehmer am Montag “in einer Hütte in der Schweiz mit meiner Frau Sonia, der Familie und engen Freunden”, wie Bogner erzählt. Doch der Slalom-Wettbewerb bei den Olympischen Winterspielen 1960 lässt ihn auch nach mehr als 50 Jahren nicht los. “Das Rennen ist mir noch immer sehr präsent”, sagt Bogner.

Mit einer Sekunde Vorsprung war der damals 18-Jährige als Erster in den zweiten Lauf gestartet. Doch nach wenigen Sekunden war der Traum vom olympischen Gold schon vorbei. “Ich würde den zweiten Durchgang gerne noch einmal besser besichtigen”, sagt Bogner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Er lächelt.

Seinem sonnigen Gemüt hat er seine großen Erfolge als Sportler, Filmemacher und Unternehmer zu verdanken. Das Schöne am Älterwerden sei, sagt Bogner, “dass man dankbarer wird und merkt: Ich habe schon Riesenglück in meinem Leben gehabt.”

Bereits mit 17 Jahren gewann Bogner, der am 23. Januar 1942 in München als Jüngstes von drei Kindern auf die Welt kam, eines der schwersten Ski-Rennen der Welt, die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen. Bogner vergleicht den Überraschungssieg mit dem ersten Erfolg von Boris Becker in Wimbledon, auch ihm gelang als 17-Jähriger ein sporthistorischer Triumph. “Es kam so überraschend, so unverhofft, als Bub bei einem Klassiker zu gewinnen”, sagt Bogner. “Da müssen ziemlich viele gute Momente zusammenkommen.”

Bogner hatte viele gute Momente in seinem Leben. Schon während der Olympischen Spiele in Squaw Valley spazierte er mit der Kamera in der Hand durch das Athletendorf . Auf Wunsch von Harry Valrien gab er ihm sein Material weiter – Journalisten durften das Gelände nicht betreten. Seine bisweilen ausgefallenen Ideen haben ihn zu einem der besten Kameraleute der Welt für Skiszenen gemacht. Auch die “James Bond”-Produzenten wurden auf den jungen Mann aus Deutschland aufmerksam und arbeiteten viermal mit ihm zusammen. Legendär sind die Bilder aus der Bobbahn im Schweizer Mürren, als Bogner sich auf Skiern an den Bob anhängte und so das Bond-Double spektakulär filmen konnte.

Wie er denn bremsen wolle, fragten ihn die Kollegen, als er ihnen von seinem Ansinnen berichtete. Bogner wusste sich zu helfen, indem er einen Ausgang aus der Eisrinne bauen ließ. Es war seine Improvisationskunst, sein Streben nach Innovation, die ihn von den übrigen Kameraleuten abhob. Und nicht zu vergessen die Verbindung von skifahrerischem Können mit dem filmischen Talent. “Im Geheimdienst Ihrer Majestät” war 1969 sein erster Bond-Streifen. Bei seinem letzten 1985, “Im Angesichts des Todes” durfte er sogar das Drehbuch für die Ski-Stuntszenen schreiben und Regie führen. “Das war ein wichtiger Beitrag”, sagt Bogner.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Das stilisierte “B” an den Reißverschlüssen, das Markenzeichen seines Modeunternehmens, hätte nicht besser präsentiert werden können. In die Modefirma seines Vaters, die seit 80 Jahren besteht, stieg er 1972 ein. Sie gilt als “Dior der Sportmode”, weil sie Farbe, Glamour und Chic in die Skiklamotten brachte. Bogner verkauft mittlerweile in 35 Ländern und zahlt 732 Mitarbeitern ein festes Gehalt. An die Übergabe an einen Nachfolger denkt der 70-Jährige noch nicht. Es stehen wichtige Entscheidungen im asiatischen Markt an. “Es läuft gerade ziemlich gut”, sagt Bogner. “Und Veränderungen sind auch mit einem Risiko verbunden.”

Das hat er selbst erfahren. Zum Beispiel bei dem Lawinenunglück 1964, als seine damalige Freundin Barbara Henneberger ums Leben kam. Oder als er die Olympischen Winterspiele 2018 nach München und Garmisch-Partenkirchen holen wollte. Bogner war Chef der Bewerbungsgesellschaft, bevor er aus gesundheitlichen Gründen seine Aufgabe abgeben musste. Er würde diesen Job wieder machen, weil er an die Region und die Stärke von München glaubt, wie er bekennt. “Aber nicht mehr so halbherzig.” Die Politik und der Sport müssten sich diesmal an den Kosten beteiligen. Bogner sagt: “Olympische Spiele lassen einen das ganze Leben nicht mehr los.”

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