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Simuliertes Geiseldrama am Flughafen

© dapd

19.04.2012

Berlin Simuliertes Geiseldrama am Flughafen

600 Polizisten üben Befreiung.

Schönefeld/Berlin – Die Polizei simuliert den Ernstfall am künftigen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg: In der Boeing 737 von Air Berlin warten mehr als 80 Passagiere auf den Start in Richtung Wien. Das Boarding ist abgeschlossen. Die Stewardessen schließen die Gepäckfächer über den Sitzen. Alles sieht nach dem üblichen Ablauf vor dem Start einer Passagiermaschine aus. Bis ein Mann mit vorgehaltener Pistole in die Maschine eindringt und alle Insassen in Geiselhaft nimmt.

Bei der Übung drehe es sich darum, alle Geiseln unverletzt zu befreien und den Täter festzunehmen, sagt die Cottbuser Polizeisprecherin Ines Filohn am Donnerstag in Schönefeld. Dabei werden selbst die Statisten im Flugzeug, mehrheitlich Polizeischüler, auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Die Übung dauert von morgens bis abends. Die Komparsen werden in zwei Schichten eingesetzt. Sie dürfen die Maschine erst am Ende einer Schicht verlassen. Zumindest können sie sich in der Kabine frei bewegen.

Vom ersten Alarm bis zum Eintreffen des ersten Spezialeinsatzkommandos (SEK) dauert es zwei Stunden. Solange bräuchte die Polizei eben, um die Beamten zum Einsatzort zu bringen, sagt Polizeisprecher Lutz Miersch. Alleine die Fahrt zum Flughafen dauere eine Stunde. Die Hubschrauber der Landespolizei seien zu klein, um eine SEK-Einheit mit Ausrüstung zum Flughafen zu fliegen. Die Polizei könne allerdings in bestimmten Fällen einen großen Hubschrauber von der Bundeswehr anfordern, fügte Miersch hinzu.

Insgesamt sind rund 600 Beamte an dem Einsatz beteiligt. Zeitweise war die Autobahnabfahrt zum Flughafen durch Polizeifahrzeuge verstopft. Die SEK-Beamten üben den Fall mit voller Ausrüstung. Sie tragen schwarze Kleidung, schwere Schuhe und Rucksäcke. Sturmhauben, Sonnenbrillen und Schutzhelme mit schusssicherem Visier verdecken ihre Gesichter. Sie sind bewaffnet mit Pistolen und Maschinengewehren, allerdings ohne Munition. An der Fluggastbrücke beraten sie über die heikle Lage.

In dem Szenario will ein Vater sich wegen eines Sorgerechtsstreits mit seiner vierjährigen Tochter ins Ausland absetzen. Bei der Passkontrolle im Flughafen eskaliert die Situation: Der Mann entwendet einem Bundespolizisten die Pistole, schießt auf ihn und einen Kollegen. Beide brechen schwer verletzt zusammen. Anschließend verschanzt sich der Täter mit seiner Tochter in der Boeing. Das Mädchen wird von einer Polizistin gespielt.

Das Flugzeug wird von einem Fahrzeug zu einer anderen Position auf dem Rollfeld gezogen. Der Täter habe das verlangt, weil er sich in größerer Entfernung zum Terminal sicherer fühle, heißt es. Inzwischen versuchen Verhandlungsführer der Polizei, den Täter zur Aufgabe zu bewegen. Aber er verlangt das Auftanken der Maschine, weil er nach Kuba fliegen will.

Dann kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall im Flugzeug. Der Täter schießt auf eine Geisel. Der verletzte Fluggast kann schließlich von vier weiteren Geiseln nach draußen gebracht werden.

Zum Ende sollte dann die Befreiung der Geiseln durch SEK-Beamte, die die Maschine stürmen wollten, erfolgen. Über den Ausgang des Szenarios wollte Übungsleiter Michael Scharf nichts verraten. Von Schwachstellen könne noch keine Rede sein. Es werde allerdings mehr Zeit für die Übung gebraucht als vorgesehen, räumte er ein. Auch würde sich jetzt schon die Frage stellen, ob es sinnvoll sei, dass die Verhandlungsführer der Polizei von der Einsatzzentrale in Potsdam aus mit dem Täter kommuniziert statt direkt vor Ort. An der Übung seien auch 30 sogenannte Schiedsrichter beteiligt, die jeden Schritt analysierten. Mit den Ergebnissen ist erst in einigen Wochen zu rechnen.

Es dürfte einmalig sein, dass die Polizei die Gelegenheit zu solch einer Großübung kurz vor der Eröffnung eines internationalen Flughafens erhalte, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums, Rudi Sonntag. Während des Flugbetriebs sei eine Übung dieser Größenordnung undenkbar. Der Flughafen soll am 3. Juni den Betrieb aufnehmen. Die Probe des Ernstfalls diene der Polizei dazu, das Gelände des neuen Flughafens kennenzulernen und die Zusammenarbeit mit der Flughafenleitung und den Bodenverkehrsdiensten sowie das gemeinsame Vorgehen in der Notfalleinsatzzentrale zu üben, ergänzte Sonntag.

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