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„Ich bin keiner, der vor Verantwortung wegläuft

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22.02.2013

Cromme „Ich bin keiner, der vor Verantwortung wegläuft“

Gerhard Cromme feiert am Montag seinen 70. Geburtstag.

Essen – Gerhard Cromme feiert am Montag seinen 70. Geburtstag. Doch vom Ruhestand ist der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens und ThyssenKrupp weit entfernt. In einem Alter, in dem andere längst ihre Pension genießen, gehört der groß gewachsene Manager noch immer zu den mächtigsten Strippenziehern in Deutschland. Schon bald könnte sogar noch ein neuer Posten auf ihn warten: Gilt er doch als designierter Nachfolger des 99-jährigen Berthold Beitz an der Spitze der mächtigen Krupp-Stiftung.

„Ich bin keiner, der vor Verantwortung wegläuft. Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Berufsleben“, sagte Cromme kürzlich in einem „Spiegel“-Interview. Tatsächlich hat der promovierte Jurist und Volkswirt in den vergangenen Jahrzehnten die Entwicklung der deutschen Stahlindustrie geprägt wie kein anderer.

Als Chef von Krupp-Stahl löste er 1987 mit den Plänen zur Schließung des traditionsreichen Krupp-Hüttenwerks in Duisburg-Rheinhausen einen der härtesten Arbeitskämpfe in der Geschichte der Bundesrepublik aus.

Als Krupp-Konzernchef schrieb er nur knapp fünf Jahre später Industriegeschichte mit der „ersten feindlichen Übernahme an der Ruhr“, bei der sich der Essener Traditionskonzern den Konkurrenten Hoesch einverleibte. Und Cromme war es auch, der die Weichen für die Fusion des Essener Stahlriesen mit dem Erzrivalen Thyssen zur heutigen ThyssenKrupp AG stellte.

„Die größte Teflonpfanne der Republik“

Doch beschränkt sich der Einfluss des Managers bei weitem nicht auf die Stahlszene. Als langjähriger Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex drückte er den Standards für gute Unternehmensführung in Deutschland seinen Stempel auf. Und bei Siemens sorgte er als Aufsichtsratsvorsitzender mit eiserner Hand für die Aufarbeitung des milliardenschweren Korruptionsskandals.

Allerdings hat Crommes glänzende Bilanz zuletzt einige Kratzer erhalten. ThyssenKrupp kämpft mit Milliardenverlusten, Kartellskandalen und Korruptionsvorwürfen. Ursache aller Probleme scheint eine völlig aus dem Ruder gelaufene Führungskultur im Konzern gewesen zu sein. Wer aber soll für solche Entwicklungen Verantwortung tragen, wenn nicht Cromme als Chefkontrolleur und „Erschaffer“ des Unternehmens?

Bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung häuften sich denn auch die Rücktritts-Aufforderungen an Cromme. Ein Aktionär beschimpfte den Manager sogar als „größte Teflonpfanne der Republik“, weil er keinerlei Verantwortung für die Fehlentwicklungen in Essen übernehmen wolle. Auch unter den Siemens-Aktionären wuchs zuletzt angesichts der durchwachsenen Bilanz des Technologiekonzerns die Kritik am Aufsichtsratsvorsitzenden.

Doch Cromme scheint der Unmut kalt zu lassen. „Was mich selbst betrifft, habe ich in meinem Leben nur das getan, was ich für richtig gehalten habe. Ich habe nie darauf geachtet, ob es dafür Applaus oder Pfiffe gibt“, sagte er kürzlich.

Seinen Geburtstag wird der Vater von vier erwachsenen Töchtern im Kreise seiner Familie im Ausland verbringen.

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