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Sicherheitskräften Untätigkeit vorgeworfen

© AP, dapd

02.02.2012

Ausschreitungen Sicherheitskräften Untätigkeit vorgeworfen

Fußballfans konnten Messer und Knüppel ins Stadion schmuggeln – Viele erstickten in engem Korridor.

Kairo/Berlin – Erstochen, erschlagen, erstickt – Ägypten trauert um die 74 Toten des Blutbads im Stadion von Port Said. Doch einen Tag nach der schlimmsten Katastrophe bei einem Fußballspiel seit 16 Jahren mischte sich am Donnerstag in die Trauer zunehmend Wut. Zuschauer, Sportler und Politiker warfen den Sicherheitskräften Untätigkeit und Versagen vor. “Diese Tragödie ist ein Ergebnis vorsätzlicher Zurückhaltung von Soldaten und Polizisten”, sagte der Abgeordnete der Muslimbruderschaft, Essam el Erian.

Nach dem Spiel zwischen der Heimmannschaft Port Said und dem Kairoer Klub Al-Ahly hatten am Mittwochabend Anhänger des siegreichen Port Said das Feld gestürmt und mit Messern, Knüppeln und Steinen bewaffnet regelrecht Jagd auf Spieler, Betreuer und Fans von Al-Ahly gemacht. Viele der Toten seien erstochen worden oder erstickten in einem schmalen Korridor am Stadionausgang. Für viele Fans erwies sich der einzige Ausgang als Falle, da am anderen Ende des Korridors die Türen verschlossen waren. 248 Menschen wurden verletzt.

Der Augenzeuge Ahmed Ghaffar berichtete auf Twitter, dass Menschen “übereinandergestapelt” versuchten, das Stadion durch Korridore zu verlassen. “Wir hatten die Wahl zwischen dem Tod, der uns von hinten verfolgte und geschlossenen Türen”. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, dass die schwarzgekleideten Sicherheitskräfte meist untätig umherstanden.

Der frühere ägyptische Nationalspieler Hany Ramzy geht von einer vorbereiteten Aktion aus. “”Das war vorher geplant. Das Stadion war voll, es war ein wichtiges Spiel. Es war ein guter Anlass, etwas Schlimmes zu tun”, sagte der ehemalige Bundesliga-Profi der Nachrichtenagentur dapd. Er wisse nicht, wer für die schlimmen Ausschreitungen verantwortlich gewesen sei. “Ich weiß nur: Es hatte auf keinen Fall etwas mit Fußball zu tun.”

Ein Fanklub von Al-Ahly warf Sicherheitskräften und Fans von Port Said vor, sich für die Rolle der Kairoer “Ultras” während der Revolution, die im vergangenen Jahr zum Sturz von Präsident Husni Mubarak führte, rächen zu wollen. “Sie wollen uns dafür bestrafen, dass wir an der Revolution gegen die Unterdrückung teilgenommen haben”, hieß es in einer Erklärung. Viele Sprechchöre der Revolutionäre vom Tahrir-Platz waren Schmähchören von Fußballfans gegen die Polizei entlehnt.

Die Rivalität zwischen den beiden Fußballteams hat lange Tradition. Laut Muslimbruderschaft hinderten Sicherheitskräfte die Fans nicht daran, mit Messern und Knüppeln bewaffnet ins Stadium zu gehen. Die Aktivistengruppe “6. April” warf den Sicherheitskräften in einer schriftlichen Erklärung vor, sich mitschuldig gemacht zu haben: “Ist es logisch, dass eine Truppe, die in der Lage war, eine Parlamentswahl in neun Provinzen zu sichern, nicht in der Lage ist, ein Fußballspiel zu sichern, bei dem Scharmützel zwischen den Fans zu erwarten sind?”

FIFA-Präsident Joseph Blatter fordert schnelle Aufklärung. In einem Brief an den Präsidenten des ägyptischen Fußball-Verbandes (EFA) schrieb Blatter, dass er “weitere Neuigkeiten die Hintergründe der Tat betreffend erwarte”. Es sei ein schwarzer Tag für den Fußball, erklärte Blatter weiter: “Wir müssen sicherstellen, dass so etwas nie wieder passiert.”

Als erste Konsequenz löste Ministerpräsident Kamal el Gansuri den Vorstand des Ägyptischen Fußballverbands auf. Die Mitglieder des Gremiums sollten von der Staatsanwaltschaft verhört werden, sagte der Regierungschef während einer Krisensitzung des Parlaments. Zudem hätten der Gouverneur der Provinz Port Said und der Polizeichef der Region ihren Rücktritt erklärt.

Drei Spieler von Al-Ahly erklärten unter dem Eindruck der Katastrophe ihren Rücktritt vom Sport. Mohamed Aboutrika, Emad Moteab und Mohamed Barakat kündigten an, nicht mehr Fußball spielen zu wollen, nachdem sie Zeugen der Ausschreitungen geworden waren.

Traurig und schockiert reagierte Fußball-Profi Mohamed Zidan nach den Fan-Ausschreitungen mit 74 Toten in seiner Heimatstadt. “Die Nachrichten und Bilder schockieren mich, sie machen mich sehr betroffen. Al-Masri ist mein Heimatverein, für den ich lange gespielt habe, auch in diesem Stadion. Es ist schrecklich”, sagte Zidan am Donnerstag.

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