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Hauptbahnhof Köln - Empfangshalle bei Nacht

© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

29.04.2016

Sexuelle Übergriffe von Köln Polizei war politische Brisanz der Ereignisse schon am 1. Januar klar

Behörde verzichtete an jenem Tag auf eine Pressemitteilung.

Köln – Die politische Brisanz der sexuellen Massenübergriffe in der Silvesternacht war der Polizei Köln schon am Mittag des Neujahrstages bekannt. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstagausgabe) berichtet, verzichtete die Behörde wegen des „sensiblen Themas rund um die Flüchtlings-Thematik“ an jenem Tag auf eine Pressemitteilung und schob diese erst am 2. Januar um 17 Uhr nach. Man habe den Ermittlern Zeit geben wollen, „die Anzeigen zu sichten und mögliche Täterhinweise filtern zu können“, erklärte die ehemalige Leiterin der Polizei-Pressestelle dazu in einer internen E-Mail vom 8. Januar.

Die Mail ist eines von mehreren tausend vertraulichen Dokumenten rund um die Silvesternacht, die der „Kölner Stadt-Anzeiger“ in den vergangenen Tagen ausgewertet hat – darunter polizeiliche Einsatzprotokolle, Ministeriumsakten, interner Schriftverkehr und Einsatzberichte von Stadt und Bundespolizei.

Deutlich wird aus den Unterlagen die hektische Atmosphäre, die in den Wochen danach in den Behörden herrschte. So war das NRW-Innenministerium darum bemüht, die Berichterstattung über ein vom Land finanziertes Resozialisierungsprojekt für junge Straftäter aus Nordafrika in Köln möglichst klein zu halten.

Auch die Kölner Stadtspitze fürchtete offenbar früh eine Verknüpfung der Silvesterereignisse mit der aktuellen Flüchtlingsdebatte. In einem Gedächtnisprotokoll erinnert sich die ehemalige Polizei-Pressechefin an ein Krisengespräch am 5. Januar, an dem außer ihr unter anderem der ehemalige Polizeipräsident Wolfgang Albers und Oberbürgermeisterin Henriette Reker teilnahmen. Reker habe unbedingt wissen wollen, ob Täter aus Kölner Flüchtlingsheimen beteiligt waren, schreibt die hochrangige Polizistin. „Sie müsse vorsichtig mit dem Thema Flüchtlinge in Köln umgehen“, heißt es in dem Bericht weiter.

Unterdessen kritisierte die Algerische Botschaft am 14. Januar gegenüber dem Auswärtigen Amt in Berlin, dass sie keine Informationen über eine mutmaßliche Beteiligung algerischer Täter erhalten habe. Die Botschaft habe ein „beleidigendes Pamphlet“ erhalten, dessen anonymer Verfasser eine öffentliche Entschuldigung für das Verhalten der „nordafrikanischen Bürger“ fordert.

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