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Rüstungskonzerne müssen Einbußen hinnehmen

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18.02.2013

Schweden Rüstungskonzerne müssen Einbußen hinnehmen

Friedensforschungsinstitut SIPRI veröffentlicht Jahresbericht.

Stockholm – Erstmals seit 1995 sind die Waffenverkäufe der 100 größten Rüstungskonzerne der Welt wieder zurückgegangen. Das geht aus dem neuesten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes (SIPRI) hervor, der am Montag veröffentlicht wurde. Gründe für den Trend sind demnach unter anderem Sparprogramme der Regierungen und der Abzug von Truppen aus Krisengebietem. Laut der jährlichen SIPRI-Erhebung mussten die Waffenfirmen 2011 im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 410 Milliarden Dollar hinnehmen.

Trotz des deutlichen Rückgangs stecke der Waffenhandel aber nicht in einer Krise, sagte SIPRI- Analystin Susan Jackson der Nachrichtenagentur dapd. „Wir gehen hier von einem kurzfristigen Trend aus, der sich maximal ein paar Jahre halten wird“, sagte Jackson. Der Verkauf von Waffen und militärnahen Diensten sei laut der Erhebung von 2002 bis 2011 um 51 Prozent angestiegen.

Großkunde Libyen fiel weg

Für den Rückgang von 2010 auf 2011 nennt SIPRI mehrere mögliche Gründe. Zum einen hätten Sparprogramme in Nordamerika und Westeuropa direkt oder indirekt zu weniger Rüstungsausgaben geführt. Zudem wurden Waffenbestellungen häufiger aufgeschoben. Hinzu kämen auch einmalige Effekte wie der Abzug von Truppen aus dem Irak und aus Afghanistan. Auch das Waffenembargo gegen den traditionellen Großkunden Libyen habe die Umsätze die Rüstungsindustrie gedrückt, heißt es in dem Bericht.

Doch die Rüstungsindustrie schläft nicht. Schon seit 2002 ist sie laut SIPRI dabei, neue Absatzbereiche zu erschließen. Rüstungsunternehmen versuchten sich unter anderem auf Nischen zu spezialisieren, ihre Kernproduktion zu verkleinern und ihr Geschäft auf Märkte in verwandten Branchen auszuweiten. Zudem gibt es laut SIPRI wegen der Stagnation auf den westlichen Märkten verstärke Bemühungen, Waffen an Südamerika, den Nahen Osten und Asien zu verkaufen.

Vortasten auf dem Markt für Cybersicherheit

„Ein deutlicher Trend ist bei den größten Waffenunternehmen auch der Cyber-Sicherheitsmarkt“, sagte Jackson. Vor allem die Rüstungsunternehmen der Top 100 würden ihren Fokus immer stärker auf die elektronische Kriegsführung richten. „Der Schutz vor Angriffen etwa im Internet wird zunehmend als Frage der nationalen Sicherheit betrachtet“, sagte die SIPRI-Analystin. In diesem Bereich würden westliche Nationen unverändert viel Geld ausgeben.

Zudem ermöglicht diese Diversifizierung vielen Rüstungsunternehmen den umsatzmäßig vielversprechenden Eintritt in benachbarte, zivile Märkte. Zu den wichtigen Unternehmen zählen in diesem Bereich der US-Konzern Raytheon, die britische Firma BAE Systems und das europäische Unternehmen EADS Cassidian. Bei der elektronischen Kriegsführung gehe es um den Schutz von Daten und Netzwerken vor Fremdzugriffen. Unter anderem werden Simulationsdienste für Cyberangriffe sowie IT-Fortbildungs- und Beratungsdienste sowie operative Betriebsdienste angeboten.

Lockheed Martin an der Spitze

Die von SPIRI zusammengestellten Top 100 der weltweiten Waffenunternehmen wurden auch 2011 von nordamerikanischen und westeuropäischen Waffenproduzenten angeführt.

An der Spitze liegt die US-Firma Lockheed Martin, gefolgt von Boeing und der britischen BAE. Die deutsch-französisch-spanische EADS liegt auf Platz sieben. Rheinmetall folgt auf Platz 26. Einen deutlichen Gewinnzuwachs von 48 Prozent konnte auf Platz 49 der deutsche Konzern ThyssenKrupp erzielen. „Da spielte die Auslieferung eines U-Bootes an Portugal und eines an Indonesien eine wichtige Rolle“, sagte Jackson.

Seit dem Jahr 1990 veröffentlicht SIPRI Erhebungen zum internationalen Waffenhandel. Lediglich China ist als großer Akteur nicht inbegriffen, weil das Land grundsätzlich keine Daten zur Verfügung stellt.

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