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Schulleiterin kritisiert Katastrophen-Berichterstattung

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12.04.2012

Erfurt Schulleiterin kritisiert Katastrophen-Berichterstattung

Alt: Journalisten müssen nicht alle Infos verbreiten.

Erfurt – Einen sensibleren Umgang der Medien mit Opfern und Betroffenen von Katastrophen hat die Direktorin des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums, Christiane Alt, angemahnt. Journalisten müssten nicht immer alles, was sie erfahren, auch berichten, sagte Alt am Donnerstag in Erfurt bei einer Podiumsdiskussion der „Thüringer Allgemeinen“. Es sollte auch in der Berichterstattung in manchen Fällen Verzicht geübt werden.

Die branchenüblich notwendige Eile sei mit dem Ruhebedürfnis der Opfer und deren Angehörigen nicht kompatibel, sagte sie weiter. Sie sei beispielsweise noch am Tag des Amoklaufs an der Schule im Sekretariat von Medienvertretern nach Opferzahlen gefragt worden.

Kritisch äußerte sich Alt zudem zur oftmals prominenten Berichterstattung über die Täter. Es sei vielfach wissenschaftlich untersucht, dass dies Nachahmer animiere. Die Schule in der thüringischen Landeshauptstadt ringe seit Jahren darum, die Namen der Opfer im Gedächtnis zu behalten. Der Amoklauf im April 2002 müsse nicht über das Täterbild definiert werden, sagte sie.

Die Medienpädagogin Claudia Fischer verwies mit Blick auf Alts Kritik auf teilweise vorhandene Defizite in der Journalistenausbildung. Für Alt hingegen ist eine angemessene Berichterstattung vielmehr eine Frage des moralischen Kompasses des einzelnen Berichterstatters.

Der Redaktionsleiter des Zeitungsverlages Waiblingen, Frank Nipkau, beschrieb in diesem Zusammenhang den Kodex des Verlages, demzufolge unter anderem keine Opfer befragt und keine Opferbilder publiziert werden sollen. Die Veröffentlichung des Täterbildes nach dem Amoklauf im baden-württembergischen Winnenden 2009 halte er heute für einen Fehler.

Am 26. April jährt sich der Amoklauf an der Schule in der thüringischen Landeshauptstadt zum zehnten Mal. 2002 hatte ein Schüler 16 Menschen getötet und sich anschließend selbst erschossen. 2009 hatte in Winnenden ein 17-jähriger Amokläufer an einer Realschule und in einem Industriegebiet in Wendlingen 15 Menschen getötet und sich anschließend selbst erschossen.

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