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Schünemann kündigt Konsequenzen an

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04.04.2012

Mordfall Lena Schünemann kündigt Konsequenzen an

Pfeiffer: Polizei hat „Chance verpennt“.

Berlin – Die folgenschwere Ermittlungspanne im Mordfall Lena erhitzt die Gemüter. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann kündigte Konsequenzen an. „Dass das nicht ohne Folgen bleiben kann, ist für mich klar“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. Der Kriminologe Christian Pfeiffer warf der Polizei bei den Ermittlungen gegen den 18-jährigen mutmaßlichen Täter mehrere Versäumnisse vor. Leisere Töne schlug dagegen der Emdener Bürgermeister Bernd Bornemann (SPD) an.

Die Frage, ob der Mord an der Elfjährigen hätte verhindert werden können, treibe ihn um, sagte Schünemann. Man sei es den Angehörigen schuldig, diese zu beantworten. Die polizeiinternen Ermittlungen müssten jetzt schonungslos geführt werden.

Pfeiffer sprach von einer „verpennten Chance“, als sich der 18-Jährige „sichtlich unter Leidensdruck“ selbst wegen pädophiler Neigungen angezeigt hatte. Obwohl die Polizei einen Präventivauftrag habe, sei die Anzeige lediglich an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Auch sei es versäumt worden, einen Zusammenhang zur versuchten Vergewaltigung einer Joggerin zu prüfen.

Der zweite Fehler sei dann die unterlassene Durchsuchung der Wohnung des jungen Mannes gewesen, obwohl im Dezember ein Durchsuchungsbeschluss erlassen worden war. „Denkbar ist, dass es schlicht ein einzelner Beamter ist, der hier versagt hat“, sagt er. Es seien aber auch strukturelle Schwächen in der Dienststelle denkbar. Der Kriminologe sah aber auch die Staatsanwaltschaft in der Pflicht. Diese hätte nachfragen müssen, warum die Hausdurchsuchung noch nicht erfolgt war, sagte er.

Nachdenklicher äußerte sich der Emdener Bürgermeister. Der Fall zeige, wie nahe die Dinge manchmal beieinander lägen. „Zunächst wurde darüber sehr hart geurteilt, dass die Polizei zu viel macht. Jetzt stellt sich heraus, die Polizei hat an anderer Stelle möglicherweise zu wenig gemacht“, sagte Bornemann. Natürlich müssten eventuelle Versäumnisse jetzt aufgeklärt werden. Der Mordkommission „Parkhaus“ sprach der Bürgermeister jedoch seine Hochachtung aus.

Dem zu Unrecht des Mordes an Lena verdächtigten 17-Jährigen sicherte der SPD-Politiker Unterstützung zu. Es gebe viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung von Menschen, die dem jungen Mann helfen wollten, „und das ist das, was wir als Stadt im Moment auch als unsere Aufgabe wahrnehmen“, sagte er. Am Freitag nach Ostern werde es eine große Veranstaltung geben, um gegen die Vorverurteilungen in dem Fall ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, „wir sind nicht so“.

Die Polizei hatte am Dienstag Ermittlungsfehler eingeräumt. Der mutmaßliche Mörder des Mädchens hatte sich bereits im November 2011 selbst bei der Polizei angezeigt, da er pädophile Neigungen habe. Ein wenig später erlassener Durchsuchungsbeschluss wurde aber nicht vollstreckt.

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