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Schicksal entscheidet sich am Wochenende

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17.02.2012

Griechenland Schicksal entscheidet sich am Wochenende

Merkel optimistischer als Schäuble – Spekulationen um Insolvenz.

Berlin – Das Schicksal Griechenlands hängt am seidenen Faden: Wenige Tage vor der Entscheidung der Euro-Finanzminister über das neue Rettungspaket sind nach Einschätzung des deutschen Ressortchefs Wolfgang Schäuble (CDU) noch einige Fragen offen. Derzeit sei es noch zu früh zu sagen, wie die Entscheidung ausfallen werde, sagte sein Sprecher am Freitag in Berlin.

Dagegen bemühte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um Optimismus. Sie sei nach einem Telefonat mit dem griechischen Ministerpräsidenten Lukas Papademos und dem italienischen Regierungschef Mario Monti zuversichtlich, dass die Finanzminister am Montag in Brüssel eine Lösung für ausstehende Fragen fänden, teilte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, mit.

An den Details werde voraussichtlich noch bis Sonntagnacht gearbeitet, sagte der Sprecher des Finanzministeriums weiter. Es müsse sichergestellt werden, “dass wir ein Programm abschließen mit der gebotenen Länge, Dauer und Nachhaltigkeit”. Er wies zugleich Spekulationen zurück, es gebe bereits Planspiele für eine Insolvenz Griechenlands. “Wir arbeiten daran, dass Griechenland langfristig stabilisiert wird. Wir arbeiten daran seit 2010 rund um die Uhr.”

Auch ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, eine ungeordnete Insolvenz Griechenlands sei nicht im deutschen Interesse. Die Regierung habe vielmehr ein Interesse am Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Voraussetzung sei jedoch, dass Griechenland die Reformen und Sparmaßnahmen einhalte.

Seibert sagte, es gebe innerhalb der Regierung keine Differenzen in der Strategie zur Rettung Griechenlands: “Die Bundeskanzlerin und der Bundesfinanzminister ziehen an einem Strang, sie verfolgen das gleiche Ziel. Und dieses Ziel heißt, Griechenland auf einen Weg der Stabilität und der Wettbewerbsfähigkeit zurückzuhelfen und damit die Eurozone als Ganzes zu sichern.”

Doch ein Sprecher des Außenministeriums verlangte “Respekt und Mäßigung” in der Debatte. Es habe auch in der deutschen Öffentlichkeit Verschärfungen gegeben, die die Lösung der Sachfragen schwieriger machen könnten. Es liege Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) jedoch fern, “eine Mahnung an die Kabinettskollegen zu richten”.

Der Ökonom Gustav Horn sprach sich strikt gegen eine Insolvenz Griechenlands aus. “Eine Staatsinsolvenz ist immer ein tiefer Einschnitt, der in den betroffenen Ländern zu Wohlstandsvernichtung und oft zu Chaos führt”, erklärte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf. In einer Währungsunion sei von den Konsequenzen nicht nur das insolvente Land selber betroffen, sondern auch seine Währungspartner.

Dagegen sprach sich der Präsident des Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts, Hans-Werner Sinn, für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone aus und schlug vor, das Land bei der Wiedereinführung der Drachme zu unterstützen. “Die Umstellung wird allerdings Turbulenzen mit sich bringen. Die 130 Milliarden Euro sollte man als Übergangshilfe gewähren, vor allem zur Rekapitalisierung der Banken”, sagte Sinn dem “Wall Street Journal Deutschland”.

Allerdings sieht auch der Ifo-Chef eine Gefahr: “Das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone existiert.” Es werde aber von denen maßlos übertrieben, die Euro-Staatsanleihen in den Büchern hätten. “Es heißt: Wenn ihr Deutschen euer Portemonnaie nicht aufmacht, geht die Welt unter. Nichts geht unter, nur ein paar Vermögensportfolios.”

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