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Schavan sollte zurücktreten

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08.02.2013

Umfrage Schavan sollte zurücktreten

Merkel will mit der Bildungsministerin „in Ruhe“ reden.

Berlin – Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sollte nach Ansicht der meisten Deutschen ihren Posten räumen. In einer neuen Umfrage des YouGov-Instituts im Auftrag von „Zeit online“ sprachen sich 59 Prozent für den Rücktritt der Ministerin aus, der am Dienstag der Doktortitel aberkannt worden war. 28 Prozent wollen Schavan im Amt behalten. Ihre politische Zukunft ist offen, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will „in Ruhe“ mit Schavan reden.

Schavan flog am Freitag von ihrer Südafrika-Reise zurück nach Deutschland, wo sie am Abend erwartet wurde. Merkel war am Nachmittag noch beim Brüsseler EU-Gipfel zugange. „Wenn beide zurückgekehrt sind – die Bundeskanzlerin und die Ministerin – dann wird es Gelegenheit geben, in Ruhe miteinander zu reden“, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter. Wann dies sein werde, könne er nicht sagen. Auch Schavans Sprecher Robin Mishra konnte nicht sagen, ob und wann sich Schavan öffentlich äußern möchte.

Weil Schavan in ihrer Dissertation 1980 „systematisch und vorsätzlich“ gedankliche Leistungen anderer als die ihrigen ausgegeben haben soll, hatte ihr der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf am Dienstag den Doktortitel aberkannt. Die 57-Jährige will dagegen gerichtlich vorgehen. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) rügte das Vorgehen der Uni. „Als Jurist schüttle bei einem solchen Verfahren nur den Kopf“, sagte der CDU-Politiker der „Welt“.

Gabriel nennt Schavan eine kluge und anständige Kollegin

Verständnisvoll äußerte sich SPD-Chef Sigmar Gabriel über die Ministerin. „Mir tut es für und um Frau Schavan leid“, sagte Gabriel am Freitag in Berlin. Sie sei eine ausgesprochen kluge „und aus meiner Sicht auch anständige Kollegin“. Auch sei sie nicht mit Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu vergleichen. „Der war ein Aufschneider“, sagte Gabriel. Das sei Schavan „wirklich nicht“.

Trotzdem habe sie eine Situation, „mit der sie jetzt klarkommen muss“. Er gehe aber davon aus, dass sie dies „auch in angemessener Weise“ machen werde. Es sei schwer vorstellbar, Promotionsfeiern als Wissenschaftsministerin zu eröffnen, „wenn man selbst in einer solchen Debatte ist“, sagte der SPD-Chef weiter.

Eine positive Nachricht erreichte Schavan aus Lübeck. Die dortige Universität will ihr trotz aller Vorwürfe immer noch die Ehrendoktorwürde verleihen. Die Auszeichnung sei schließlich kein akademischer Grad, sondern eine Anerkennung für persönliche Verdienste um die Wissenschaft, begründete das Präsidium der Universität am Freitag in der Hansestadt seine Entscheidung. Diese Verdienste träfen „für Frau Schavan in außergewöhnlicher Weise zu“.

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