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„Schattenmann Neustädter im Rampenlicht

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10.02.2012

Borussia Mönchengladbach „Schattenmann“ Neustädter im Rampenlicht

Spitzenspiel am Samstag gegen seinen künftigen Klub – Gladbach wäre der einfache Weg gewesen.

Mönchengladbach – Der Zeitpunkt war im Grunde gut gewählt. Als Marco Reus in der Winterpause seinen Wechsel zu Borussia Dortmund bekannt gab, ging Roman Neustädters Abgang fast unter. Nach drei Jahren bei Borussia Mönchengladbach sucht der 23-Jährige eine neue Herausforderung bei Schalke 04. Zwar gibt diese Formalie dem Spitzenspiel am Samstag eine zusätzliche Brisanz. Doch nicht für Neustädter. “Es ist schon etwas anderes als das Spiel in der Hinrunde”, sagte Neustädter dem “kicker”. “Aber ein besonderes Spiel?” Etwas Besonderes sei lediglich, dass der Vierte gegen den Dritten spiele.

Doch Neustädter wird unter besonderer Beobachtung stehen. Wie bereits seit der Bekanntgabe seines Wechsels. Denn die Meinungen gehen bei dem Mittelfeldspieler auseinander. Kritiker sehen in dem 23-Jährigen einen laufstarken Mitläufer, der seit Monaten über seinem Limit spiele. Das Wort Torgefahr hat er zwar wirklich nicht erfunden, doch Trainer Lucien Favre schätzt an dem früheren U21-Nationalspieler vor allem dessen Zweikampfstärke und die Fähigkeit, in der Schaltzentrale des fünfmaligen Meisters das Spiel anzutreiben. Meist auffallend unauffällig verrichtet der “Schattenmann” seine effektive Arbeit.

“Es war nicht einfach zu verdauen”

“Das Mittelfeld ist der Motor”, weiß Neustädter. Und der gebürtige Ukrainer zieht die Fäden und leitet die blitzschnellen Konter der Borussia über Juan Arango, Mike Hanke oder Kumpel Reus mit ein. “Das war nicht einfach zu verdauen, aber wir müssen es akzeptieren”, hatte Favre immer wieder betont, nachdem der Abgang der beiden Leistungsträger bekannt geworden war. Und meinte trotz des ganzen Hypes um Reus damit vor allem auch Neustädter.

Doch warum wechselt der 23-Jährige dann überhaupt? Bei Reus war es irgendwie nachzuvollziehen. Rückkehr in die Heimat, da wo zugleich auch der Meister zuhause ist. Und Neustädter? Er hinterließ zumindest reichlich Raum für Spekulationen. Geldgeil sei er. Oder er glaube, nach dem Abgang seines Kumpels Reus breche die Mannschaft auseinander. So lauteten die Vorwürfe. “Wer mich kennt, weiß, dass das Geld nicht der Grund ist. Ich will mich als Fußballer weiterentwickeln”, sagte Neustädter der “Bild”. Das lässt zumindest die Frage offen, warum Neustädter glaubt, sich beim derzeitigen Dritten besser entwickeln zu können als beim Vierten.

Neustädter kein Lautsprecher

Und da muss man ein wenig hinter den Menschen Neustädter schauen. Ein Lautsprecher ist er nicht. Neustädter reflektiert viel. Sich selbst und auch sein Umfeld. Ein neues Tattoo auf dem rechten Arm sagt da schon alles. “Everybody dies, but not everybody lives – jeder stirbt, aber nicht jeder lebt!”, steht da geschrieben. “Für mich bedeutet das, dass man im Leben auch mal Risiken eingehen muss. In Gladbach zu bleiben, wäre der einfache Weg gewesen. Hier bin ich gesetzt. Ich suche jetzt aber eine neue Herausforderung.”

Die war seine Zeit bei der Borussia zunächst auch. Denn anfangs war der heutige Hauptdarsteller nur Statist. Zwei Kurzeinsätze, der angestrebte Stammplatz nach dem Wechsel von Mainz an den Niederrhein in weiter Ferne: Neustädter ging in sich und analysierte. Das Ergebnis: Er habe schlicht nicht gut trainiert und deshalb folgerichtig nicht gespielt. Seitdem der damalige Trainer Michael Frontzeck Neustädter Anfang 2011 in die erste Mannschaft beorderte, stand er immer in der Startelf.

Und überzeugte. Mit taktischem Verständnis. Mit einem enormen Laufaufwand. Und seiner Selbstkritik, dem Drang, sich immer weiter verbessern zu wollen. Das spülte ihn sogar kurzzeitig in den Dunstkreis der ukrainischen Nationalmannschaft. Doch der in Dnipropetrowsk geborene Neustädter hat noch keinen ukrainischen Pass, die Hoffnung auf die EM in der Heimat zerschlug sich vorerst. Diese Herausforderung muss noch warten.

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