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Schadenersatzforderung gegen Vater „lachhaft

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06.05.2012

Amoklauf von Winnenden Schadenersatzforderung gegen Vater „lachhaft“

Prozess muss nach Aufhebung des Urteils teilweise neu aufgerollt werden.

München – Der Vater des 17-jährigen Amokläufers von Winnenden hat die Schadenersatzforderung der Stadt von 15 Millionen Euro als „lachhaft“ kritisiert. „Ich weiß nicht, was die meinen, wie viel Geld ich habe. Was die Stadt Winnenden da macht, ist lachhaft, einfach unvorstellbar“, zitiert das Magazin „Focus“ in einer Vorabmeldung Jörg K. Er fügte hinzu: „Jeder logisch denkende Mensch weiß, dass ich das nicht zahlen kann.“

Die Stadt hatte die Forderung mit einer rechtlichen Verpflichtung begründet. Im Einzelnen geht es um ihre Ausgaben für den Umbau der Albertville-Realschule, die provisorische Containerschule sowie die Kosten für Notfallseelsorger und Psychologen. Verhandelt wird mit den Versicherungen der Eltern von Tim K., der am 11. März 2009 insgesamt 15 Menschen und sich selbst mit der Waffe seines Vaters erschossen hatte.

Auch Opfer und Hinterbliebene wollen Schadenersatz von dem Vater auf der Grundlage des Urteils des Stuttgarter Landgerichts. Dieses hatte Jörg K. im Februar 2011 wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt, vor allem weil er gegen die waffenrechtlichen Aufbewahrungspflichten verstoßen hatte.

Seine Anwälte legten Revision gegen das Urteil ein. Vor einer Woche hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe daraufhin das Urteil wegen eines Verfahrensfehlers aufgehoben, aber den Schuldspruch bestätigt. Der BGH beanstandete, dass die Stuttgarter Strafkammer einer Familientherapeutin ein Aussageverweigerungsrecht als Zeugin zugebilligt hatte.

„Schlechter kann es für mich nicht ausgehen“

Jörg K. sagte dem „Focus“ zufolge über seine Erwartungen: „Schlechter kann es für mich nicht ausgehen.“ Nicht nachvollziehen kann er den Vorwurf, der neue Prozess sei ein weiterer Schlag für die Angehörigen der Opfer. „Es wird ja nur noch das verhandelt, was bislang nicht besprochen wurde“, sagte er dem Magazin. Die Tat werde „keine direkte Rolle“ mehr spielen. „Was da passiert ist, weiß man ja“, sagte er.

Hoffnungen setzt der Vater dem Bericht zufolge vor allem auf die richterliche Befragung der Ärzte und Therapeuten, die seinen Sohn 2008 in einer psychiatrischen Klinik untersucht hatten. In ihrem Abschlussbericht schlossen sie aus, dass von Tim eine Gefahr ausgehe. „Die haben nichts gemerkt“, sagte der Vater. „Aber der Bericht kam in der Verhandlung gar nicht zur Sprache.“ Er meinte: „Vielleicht kommt jetzt die Wahrheit über die Vorgänge in der Klinik heraus.“

Der Verteidiger hatte in dem Prozess betont, die Eltern seien über die Tötungsfantasien ihres Sohnes nicht informiert worden. Ihnen sei von der psychiatrischen Klinik in Weinsberg (Landkreis Heilbronn) lediglich empfohlen worden, dass ihr Sohn an weiteren Gesprächen teilnehmen und mehr Kontakt zu Menschen haben solle.

Jörg K. will bei seinem Sohn bis zuletzt keine alarmierenden Auffälligkeiten bemerkt haben. Seine Erklärung dafür: Wenn ein Mensch den Entschluss fasse, sich umzubringen, sei er plötzlich aufgeschlossener. „Da denkt man: Dem geht es besser, dem geht es gut, obwohl genau das Gegenteil zutrifft“, zitiert der „Focus“ ihn. Auch vor dem Suizid des Torhüters Robert Enke habe „keiner geahnt, dass er sich vor einen Zug werfen würde“.

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