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Thilo Sarrazin

© Deutsche Bundesbank

22.05.2012

Thilo Sarrazin Euro-Thesen treffen auf geteiltes Echo

„An Wirtschaft und Währung hängt die europäische Aussöhnung.“

Berlin – Der ehemalige Bundesbank-Vorstand und SPD-Politiker Thilo Sarrazin stößt mit seinem Buch „Europa braucht den Euro nicht“ bei Fachleuten auf ein geteiltes Echo.

In der „Bild-Zeitung“ (Dienstagausgabe) kritisierte der Historiker Paul Nolte, Sarrazin spiele mit dem Feuer. „An Wirtschaft und Währung hängt die europäische Aussöhnung. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass es wieder Kriege gibt, wenn Europa zerfällt“, sagte Nolte.

Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, Lars Feld, wies Sarrazins Kritik an den Euro-Rettungsschirmen zurück. „Die Rettungsschirme beruhigen die Finanzmärkte und helfen den Schuldenstaaten, die notwendigen Reformen auf den Weg zu bringen“, sagte Feld der „Bild-Zeitung“. „Ohne Rettungsschirme wäre die Situation viel schlimmer.“ Dann hätte die Europäischen Zentralbank den Schuldenstaaten noch mehr Geld bereitstellen müssen.

Unterstützung erhielt Sarrazin dagegen vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Vorstandsmitglied Wim Kösters betonte, es sei eine Legende, dass der deutsche Außenhandel besonders von der Währungsunion profitiert habe. „Seit der Euro-Einführung 1999 ist der Außenhandel Deutschlands vor allem mit Nicht-Euro-Staaten aus Asien und Südamerika stark gestiegen. Dagegen ist der Handelsanteil mit Euro-Staaten leicht zurückgegangen“, sagte Kösters der „Bild-Zeitung“.

Der RWI-Vorstand unterstütze zugleich Sarrazins These, dass die Euro-Aufnahme Griechenlands ein Fehler gewesen sei. „Die damalige Bundesregierung hat 2001 wider besseren Wissens die Aufnahme der Griechen in den Euro unterstützt. Der Regierung Schröder war nämlich bekannt, dass die griechische Regierung viele Konjunktur- und Wachstumsdaten geschönt hatte, um besser dazustehen“, erklärte Kösters.

Der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter gab Sarrazin recht, dass der Euro für die Demokratieentwicklung in Europa nicht notwendig sei. „Eine Währung hat nichts mit Demokratie zu tun. Es gab auch Jahrzehnte vor der Euro-Einführung stabile Demokratien in Europa“, sagte Oberreuter der Zeitung. Zugleich habe es auch weit vor der Euro-Einführung eine Demokratie-Welle gegeben, beispielsweise in Osteuropa.

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