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Thilo Sarrazin

© über dts Nachrichtenagentur

13.01.2013

"BER-Debakel" Sarrazin kritisiert Anfangsfehler

„Die entscheidenden Fehler passieren am Anfang.“

Berlin – Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) sieht in Anfangsfehlern den Grund für das aktuelle Chaos um den Berliner Großflughafen BER. „Die entscheidenden Fehler passieren am Anfang“, sagte Sarrazin in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Focus“. „Der neue Flughafen ist von vorneherein zu klein und zu wenig in den Details geplant worden.“ Daraus ergäben sich fast zwangsläufig Folgefehler.

Das sei wie bei einem Einfamilienhaus, so Sarrazin: „Wenn Sie zwei Kinderzimmer einplanen, beim Bau ein drittes Kind bekommen und ein zusätzliches Bad einziehen, wird das für den Architekten verwirrend und für Sie teuer. Das hätten Sie besser vorher überlegt.“

Sarrazin sagte, als er 2002 Berliner Finanzsenator geworden sei, hätten weder das Berliner Verkehrsressort noch das Finanzministerium über einen Vertreter im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft verfügt. „Das hätte ich gerne geändert. Denn das Verkehrsressort ist fachlich betroffen, und das Finanzministerium muss zahlen“, so Sarrazin.

„Aber Klaus Wowereit wollte es so lassen, wie er es von der Vorgängerregierung übernommen hatte.“ Schließlich habe auch der Ministerpräsident von Brandenburg im Aufsichtsrat gesessen. Deshalb sei Wowereit selbst in den Aufsichtsrat eingezogen. „Diese Entscheidung habe ich selbstverständlich akzeptiert“, so Sarrazin. „Denn Wowereit war der Chef, und ich hatte genug anderes zu tun.“

Auf die Frage, warum die Hauptstadt so anfällig für Pleiten sei, sagte der frühere Bundesbank-Vorstand: „Die einst ruhmreiche preußische Verwaltung im Westteil der Stadt ist regelrecht verfettet. Das hat sich zwar inzwischen wieder verbessert. Aber es wirkt immer noch nach.“

Auch die politische Klasse Berlins habe ihren eigenen Erfolg danach bemessen, „wie viel Geld sie damals in Bonn abholen konnte und nicht an dem, was sie selbst konkret in der Stadt bewirkt hat“. Leider sei dieses Politikverständnis noch immer verbreitet.

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