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Sarkozy und Hollande buhlen um Protestwähler

© AP, dapd

23.04.2012

Wahl in Frankreich Sarkozy und Hollande buhlen um Protestwähler

Sozialist in Umfragen zehn Punkte vor dem Amtsinhaber.

Paris – Im Zweikampf um die französische Präsidentschaft umwerben Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und der favorisierte François Hollande die vielen Wähler der Rechtspopulistin Marine Le Pen. „Sie leiden unter der Krise. Ich habe ihre Botschaft verstanden“, sagte Sarkozy am Montagmorgen vor seinem Hauptquartier in Paris. Der Konservative war in der ersten Runde der Wahl am Sonntag 1,5 Punkte hinter Hollande gelandet. Laut Umfragen liegt er für die Stichwahl am 6. Mai mit bis zu zehn Punkten hinter dem Herausforderer.

Auch Hollande wandte sich bei seinem ersten Auftritt im bretonischen Quimper den Protestwählern von Rechtsaußen zu. Nachdem er Sarkozy für das „Wut-Votum“ verantwortlich gemacht hatte, sagte er nun: „Ich will sie hören, die Arbeiter, die Rentner, die nicht mehr können; die Bauern, die um ihre Existenz kämpfen. Wir werden uns alle gemeinsam erheben.“ Zugleich stellte er sich gegen die fremdenfeindlichen Parolen Marine Le Pens, die am Sonntag fast 18 Prozent der Stimmen erreicht hatte. „Ich mache keinen Unterschied bei der Hautfarbe, bei der Herkunft oder dem Lebensweg“, sagte der Sozialist vor seinen Anhängern im strömenden Regen.

Über Sarkozy machte sich Hollande lustig. Der Amtsinhaber sei „der einzige, der noch von sich überzeugt ist. Er glaubt sogar, seine Amtszeit war ein Erfolg“. Gestützt auf die guten Umfragen gab er sich siegessicher. „Niemand wird uns jetzt noch stoppen“, sagte er. Und versprach, sich bei seiner Wahl besonders für die Jugend einzusetzen. Außerdem kündigte er an, dann alle sechs Monate Rechenschaft über seine Amtszeit abzugeben.

Für Hollande spricht neben dem knappen Vorsprung vom Sonntag, dass die linken Kandidaten schon zu seiner Wahl aufgerufen haben, während Marine Le Pen Sarkozy die Unterstützung noch verweigert. Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt dessen ungeachtet weiter auf Sarkozy. Sie werde ihn weiter unterstützen, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Die Regierungschefin werde gleichwohl „mit jedem gewählten Präsidenten hervorragend zusammenarbeiten“.

Um seinen Rückstand noch aufzuholen, hat Sarkozy Hollande zu drei TV-Duellen aufgefordert. Doch der lehnte das am Montag kategorisch ab. Nie habe es mehr als ein Duell gegeben, sagte er, auch nicht vor der letzten, als sich Sarkozy gegen die Sozialistin Ségolène Royal durchsetzte. Es werde auch diesmal nur eine Debatte geben. „Was er mir vorwerfen wird, das weiß ich schon“, sagte Hollande. Etwa, dass sein Programm die Märkte verunsichere. „Aber das einzige Risiko für Frankreich ist es, ihn zu behalten.“

Der Amtsinhaber wollte am Abend in Saint-Cyr im Loire-Tal seinen Endrundenwahlkampf starten. Zudem kündigte er eine große Versammlung „für die ehrliche Arbeit“ am 1. Mai an. Das Datum ist eigentlich ein linker Feiertag. Auch Hollande will täglich mehrere Wahlkampfveranstaltungen abhalten.

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