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Sarko mit dem Rücken zur Wand

© AP, dapd

23.04.2012

Wahl in Frankreich Sarko mit dem Rücken zur Wand

Vor der Stichwahl kämpft der Amtsinhaber noch stärker um die rechten Wähler.

Paris – Endzeitstimmung im Élysée-Palast: Nicolas Sarkozy will zwar verbissen weiterkämpfen, schon am Montag warf er sich den Wähler am rechten Rand in die Arme. „Ich habe Sie gehört, ich werde die Lehren ziehen“, sagte er bei seinem ersten Auftritt nach der Wahlnacht. Doch selbst in den eigenen Reihen glauben sie kaum noch an den Sieg. „Die erhoffte Dynamik ist verpufft“, sagt einer seiner Anhänger. Zu niederschmetternd sind die jüngsten Umfragewerte: Sechs bis zehn Punkte sehen sie François Hollande, den sozialistischen Herausforderer für die Stichwahl am 6. Mai, in Führung.

Die Zahlen sind auf den ersten Blick verblüffend. Denn das rechte Lager zusammengerechnet holte am Sonntag mehr Stimmen als das linke, 46,9 Prozent gegenüber 43,8 Prozent. Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National fuhr mit fast 18 Prozent sogar ein historisches Ergebnis ein.

Doch daraus kann Sarkozy vermutlich nicht genug Kapital schlagen. Die Le-Pen-Wähler wollen sich nur zu knapp 60 Prozent auf die Seite des konservativen Amtsinhabers schlagen. Denn mit ihrer Wahl protestierten viele von ihnen gegen Sarkozy, von dem sie sich verraten fühlen. „Dabei hat er schon vor der ersten Runde getönt, es gebe zu viele Immigranten, und sie seien Schuld an den Problemen“, sagt Henrik Uterwedde vom Deutsch-Französischen Institut. „Seine Strategie ist gescheitert.“

Und Marine Le Pen wird alles tun, damit Sarkozy vor die Wand fährt. „Der Kampf hat gerade erst begonnen“, keifte sie nach ihrem Triumph. Sie hofft auf das Implodieren von Sarkozys UMP-Partei, um sich selbst als rechte Kraft zu etablieren.

Hollande gab sich nach seinem Erstrundensieg nur verhalten optimistisch. Er sei „der Bestplatzierte für die Präsidentschaft“, sagte er zwar. Doch fürchtet er, zu viel Siegessicherheit halte seine Wähler von den Urnen fern. Und am Montag sagte er, er wolle „die Rechtsextremen nicht verführen“, doch nimmt er sie zugleich in den Arm, wenn er sagt, er wolle der Präsident „für alle Franzosen“ sein und „auf die Wut der Zahlreichen antworten, die die Wahl aufgezeigt hat“.

Sarkozy hat schon klar gemacht, wie er den Élysée-Palast noch verteidigen will: Er setzt ganz auf rechte Themen: Innere Sicherheit und Einwanderung. Und er wird weiter den Versuch unternehmen, sich als den einzig verlässlichen Kapitän darzustellen, der mit seiner Erfahrung das Land durch die Krise steuern kann. „Es wird darum gehen, wer die Verantwortung für unser Leben übernehmen wird und die Franzosen in den kommenden fünf Jahren verteidigen wird“, tönt er.

Seinen in Regierungsämtern unerfahrenen Kontrahenten will er in gleich drei TV-Duellen bloßstellen. „Er ist ein riesiger Kämpfer, das muss man anerkennen“, sagt Frankreich-Fachmann Uterwedde.

Hollande hat Sarkozy aber schon eine Absage erteilt, er will sich nur ein Mal vor laufenden Kameras duellieren. „Jetzt steht er natürlich als Drückeberger da“, sagt Norbert Wagner von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Paris. Doch kommt Sarkozys Ruf auch einer Verzweiflungstat gleich. „In drei Runden könnte es ihm ebenso passieren, über das Ziel hinauszuschießen“, sagt Wagner. Dazu hatte sich Ségolène Royal hinreißen lassen, als sie vor fünf Jahren Sarkozy in die Enge treiben wollte. Damals konnte Sarkozy souverän aus einer Position der Stärke die Attacken parieren. Denn damals lag er weit vor Royal. Diesmal ist die Rolle umgekehrt: Sarkozy muss attackieren, und Hollande kann parieren.

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