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Verteidigung will Prozess platzen lassen

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27.02.2013

Sal. Oppenheim Verteidigung will Prozess platzen lassen

Ehemalige Führungsriege der Bank steht wegen Untreue vor Gericht.

Köln – Der Prozess gegen die einstige Führungsriege der Privatbank Sal. Oppenheim vor dem Kölner Landgericht hat mit einem Paukenschlag begonnen. Die Verteidiger der Angeklagten wollen das Mammutverfahren gleich zu Beginn platzen lassen.

Zum Prozessauftakt am Mittwoch rügten die Verteidiger aller Angeklagten, dass Verfahren sei dem falschen Gericht zugeteilt worden. Schlimmer noch: Die Staatsanwaltschaft habe durch den unzureichenden Geschäftsverteilungsplan des Gerichts die Möglichkeit gehabt zu beeinflussen, welche Strafkammer den Mammutprozess verhandele.

Die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker hob daraufhin die nächsten zwei Verhandlungstermine auf, um in Ruhe über den Antrag beraten zu können. Erst am Donnerstag kommender Woche soll weiterverhandelt werden. Gibt das Gericht dem Antrag statt, wäre der Prozess geplatzt. Das Verfahren müsste vor einer anderen Kammer völlig neu aufgerollt werden. Das könnte Monate dauern.

Auf der Anklagebank im Saal 210 des Kölner Landgerichts sitzen die ehemaligen persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich-Carl Janssen und Dieter Pfundt sowie ihr früherer Geschäftspartner, der Bauunternehmer und Vermögensberater Josef Esch.

Die Staatsanwaltschaft warf ihnen bei der Anklageverlesung Untreue im besonders schweren Fall zum Nachteil der einst größten unabhängigen Privatbank Europas beziehungsweise Beihilfe dazu vor. Insgesamt sollen die Angeklagten die Bank um mehr als 140 Millionen Euro geschädigt haben. Bei einer Verurteilung drohen Haftstrafen bis zu zehn Jahren.

78 Verhandlungstage bis zum Jahresende angesetzt

Über acht Millionen Euro Schaden sollen der Privatbank laut Oberstaatsanwalt Gunnar Greier allein dadurch entstanden sein, dass die Führungsspitze eine vom Geldinstitut aufwendig renovierte Villa im Kölner Nobelviertel Marienburg viel zu günstig an die Mutter eines Angeklagten vermietete.

In einem anderen Fall soll die Bank dagegen auf Veranlassung der Führungsriege viel zu hohe Mieten bezahlt haben: für eine Kölner Büroimmobilie im Besitz einer Grundstücksgesellschaft, an der drei der Angeschuldigten beteiligt waren. Den Schaden beziffern die Ermittler hier auf rund 59 Millionen Euro.

Nach einem ähnlichen Muster sollen die Banker außerdem in Frankfurt am Main den Kauf überteuerter Anteile an einer Grundstücksgesellschaft durch die Bank eingefädelt haben. Der Schaden für Sal. Oppenheim betrug hier laut Staatsanwaltschaft rund 76 Millionen Euro.

Für den Prozess sind zunächst 78 Verhandlungstage bis zum Jahresende terminiert. Doch könnte er noch länger dauern. Die Staatsanwaltschaft beantragte zum Prozessauftakt die vorübergehende Aussetzung des Verfahrens, damit eine weitere Anklage in den Prozess einbezogen werden könne. Dabei geht es um riskante Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz und den Arcandor-Konzern, mit denen die Angeklagten die Bank um dreistellige Millionenbeträge geschädigt haben sollen.

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