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Römischer Frieden

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27.02.2012

Lazio Rom Römischer Frieden

Wenn bei Lazio nichts mehr geht, geht immer noch Klose.

Rom – Dank Miroslav Klose herrscht vorübergehend wieder römischer Frieden. Ein Treffer des Deutschen führte Lazio am Sonntagabend zu einem 1:0-Sieg über den AC Florenz und hielt den Tabellenvierten in Reichweite des Champions-League-Traums. Mit nunmehr zwölf Toren und fünf Assists erwies sich Klose fast für die Hälfte der 39 Ligatreffer verantwortlich. „Er beißt wieder zu und trägt Lazio auf seinem lädierten Rücken“, schwärmte der „Corriere dello Sport“. „Lazio ist Klose“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“. „Er verlängerte die Anstellung des Trainers.“ Coach Edoardo Reja kommentierte den Erfolg lapidar: „Es ist an der Zeit, das Kriegsbeil zu begraben.“

Eine besonnene Woche käme Lazio freilich gelegen, denn am kommenden Sonntag steht das Stadtderby an. Zumindest liegt eine ähnlich groteske Woche des Wahnsinns fern, wie sie Klub-Patron Claudio Lotito jüngst provoziert hatte. Nach einem hitzigen Disput mit Reja über den unglücklichen Januar-Transfermarkt reichte der Trainer seine schriftliche Kündigung ein. Lotito bewegte ihn jedoch zum Weitermachen, kontaktierte en passant allerdings zwei andere Übungsleiter. Schließlich lud er Gianfranco Zola aus London zu Gesprächen nach Rom ein. In einem Hotel einigten sich die Parteien inklusive Sportdirektor Igli Tare auf eine sofortige Zusammenarbeit, wurden anschließend von Reja aber eiskalt ausgekontert.

Der 66-Jährige zog die Kündigung nonchalant zurück, auch weil die Mannschaft geschlossen hinter ihm stünde. Zähneknirschend bestätigte man den Coach und der verdutzte Zola flog flugs wieder zurück nach London. Die abstruse Führungs-Scharade nutzte immerhin dem ältesten Serie-A-Trainer als Image-Kampagne. Obwohl Reja aus einer insgesamt durchschnittlichen Elf in bisher zwei Jahren imposante Resultate herauskitzelte, gewannen die Tifosi dem knochigen 66-Jährigen wenig Charme ab.

Selbstdarstellungen samt Küchenlatein-Sentenzen

Das sporadische Auflehnen gegen den Präsidenten ließ ihn neben Klose mittlerweile jedoch zum Liebling der Kurve avancieren. Denn beim harten Kern der Fans gilt Lotito seit langem als persona non grata und erhält regelmäßig unappetitliche Fanchöre. Die Bewegung „Befreie Lazio!“ nennt dessen Führung eine Bankrott-Erklärung, die die lange Klubhistorie ruinieren würde. Für erhöhte Sympathiewerte engagiert sich Lotito in seinen oft unerträglichen Selbstdarstellungen samt Küchenlatein-Sentenzen freilich wenig.

Dem Besitzer einer Kette von Reinigungs-Unternehmen muss man hingegen zugutehalten, dass Lazio überhaupt noch atmet. Er übernahm 2004 mit einer Kapitalinfusion, als die Römer mit 110 Millionen Euro Steuerschulden vor dem Aus standen, und sagte bei Amtsantritt: „Ich habe Lazio bei der Beerdigung übernommen und ins irreversible Koma geführt. Ich hoffe, dass der Verein es demnächst ins Wachkoma schafft.“ Anhand drastischer Einsparungen bei Gehältern und Transferkosten brachte er Lazio gar wieder zum reibungslosen Laufen.

Der ständigen Kritiken müde, deklarierte er sich trotzdem selbst kürzlich zum „schlechtesten Präsidenten der 112-jährigen Vereinsgeschichte“. Darin fanden Tifosi und Lotito zum ersten Mal seit acht Jahren einen Konsens. Nach dem Erfolg gegen Florenz antwortete das Gros der Laziali auf die Trainerfrage Zola oder Reja: „Egal, Hauptsache Lotito geht bald.“

Derartige Fan-Hoffnungen winkt Lotito indes stur ab. Bis zum Derby verkommen führungspolitische Problematiken jedoch zunächst einmal zu Marginalien. Denn für viele Anhänger besitzen Erfolge im römischen Stadtduell tatsächlich mehr Wertigkeit als der restliche Saisonverlauf. Im Hinspiel hatte sich Miroslav Klose mit dem Siegtor in der Nachspielzeit frühzeitig ein Denkmal gesetzt. Auch am Sonntag vertraut man wieder auf die in diesem Jahr gesetzmäßige Universal-Lösung: Wenn bei Lazio nichts mehr geht, geht irgendwie immer noch Klose.

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