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Mann mit Sitzfleisch für Heiligen Stuhl gesucht

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12.02.2013

Papst-Nachfolge Mann mit Sitzfleisch für Heiligen Stuhl gesucht

Die Debatte über den Nachfolger von Papst Benedikt XVI. ist voll entbrannt.

Berlin – Mit seiner Rücktrittsankündigung hat Papst Benedikt XVI. ein donnerndes Ausrufezeichen gesetzt – doch schon jetzt debattieren Gläubige weltweit vor allem über eine Frage: Wer wird sein Nachfolger? Hinter den Mauern des Vatikans, unter Katholiken aller Nationalitäten und selbst ernannten Auguren wurde am Dienstag eifrig spekuliert: Wird es wieder ein Europäer oder doch der seit langem fällige Papst aus der Dritten Welt? Ein konservativer Hardliner wie Joseph Ratzinger oder ein junger Reformer? Ein Pontifex schwarzer oder weißer Hautfarbe? Namen gibt es zuhauf, deutsche Kirchenfürsten formulierten vorab schon einmal ihre Ansprüche.

Ein weiterer Übergangspapst scheint unwahrscheinlich, deshalb wird besonders über das Alter möglicher „Papabile“ diskutiert. Kardinal Joachim Meisner sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, der neue Pontifex solle von vitaler Gesundheit und „nicht älter als 70“ sein. Ideal wäre eine Mischung aus den beiden Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI.. Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki wünscht sich indes einen „nicht zu jungen Papst“: Ein Kirchenoberhaupt zwischen Mitte 60 und Anfang 70 sei ja nicht verkehrt, sagte der jüngste deutsche Kardinal (56 Jahre) im RBB-Inforadio.

Liste der „Papabile“ wächst täglich

Am 28. Februar um 20.00 Uhr endet das Pontifikat von Benedikt XVI. Binnen 15 bis 20 Tagen tagt dann das Konklave, bis weißer Rauch aus der Sixtinischen Kapelle steigt. Wer die benötigten zwei Drittel aller 117 wahlberechtigten Kardinäle unter 80 Jahren hinter sich bringen kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen. Experten zufolge kristallisieren sich aber einige Favoriten heraus:

– Marc Ouellet (68): Der weltläufige Kurienkardinal stammt aus dem kanadischen Quebec und wäre der erste Papst aus Übersee. Sein Vorteil: In den letzten Jahren gingen alle Bischofsernennungen über seinen und des Papstes Schreibtisch. Ouellet gilt als geistiger Schüler Ratzingers, strenger Verteidiger der Glaubenslehre und der katholischen Identität. Eine Erneuerung der katholischen Kirche wäre unter seinem Pontifikat eher nicht zu erwarten.

– Peter Kodwo Appiah Turkson (64): Der ghanaische Kurienkardinal ist nicht nur bestens vernetzt, unter den aussichtsreichen Kandidaten wäre der dunkelhäutige Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden auch der jüngste. Für sein Engagement in der Dritten Welt wurde Turkson mit internationalen Ehrungen bedacht. Er steht für eine Erneuerung der katholischen Kirche – was ihn aber nicht daran hindert, Kondome gegen Aids-Epidemie in Afrika zu ächten.

– Angelo Scola (71): Nach zwei Ausländern wünschen sich Italiens – freilich untereinander gespaltene – Kirchenfürsten wieder einen Landsmann auf dem Heiligen Stuhl. Der von Benedikt ernannte Mailänder Erzbischof liegt intellektuell auf einer Linie mit dem Deutschen, ist einer seiner engsten Vertrauten. Auf dem Höhepunkt der „Vatileaks“-Affäre suchte der Papst bei ihm Zuflucht vor der Medienwelt. Scola setzt sich für einen besseren Dialog mit der islamischen Welt und Unterstützung der Christen im Nahen Osten ein.

– Jorge Mario Bergoglio (76): Der jesuitische Erzbischof von Buenos Aires galt schon 2005 als aussichtsreicher Bewerber um die Nachfolge von Johannes Paul II. und soll damals nach übereinstimmenden Medienberichten immerhin 40 Stimmen im Konklave erhalten haben. Allerdings ist Bergoglio seitdem gealtert, auch wenn ihm zugute kommt, dass er Reformer und Traditionalisten gleichermaßen vertritt.

– Als aussichtsreiche Kandidaten werden auch der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn (68) und der argentinische Kurienkardinal Leonardo Sandri (69) gehandelt. Der häufig genannte nigerianische Kardinal Francis Arinze dürfte mit 80 Jahren zu alt sein.

Der Berliner Kirchenhistoriker Ralf Lützelschwab erklärte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd, worauf es bei der Kür von Benedikts Nachfolger ankommen dürfte: „Es geht um Kommunikatoren. Ich denke, es wird ein Papst, der über tragfähige und gut ausgebaute Netzwerke verfügt.“ Auch er nannte Ouellet und Turkson als heißeste Kandidaten. Dass erstmals ein Afrikaner zum Pontifex Maximus berufen wird, hält Lützelschwab für relativ unwahrscheinlich. „Eher wird es ein Südamerikaner.“ Tatsächlich lebt heute in Lateinamerika die Hälfte der katholischen Weltbevölkerung, rund 556 Millionen Menschen – bislang schlug sich das im Konklave jedoch nie nieder.

„Kein neuer Gorbatschow“

Egal wer es am Ende wird, für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz sind die Prioritäten klar: „Wichtig wird es sein, dass der nächste Heilige Vater seinen Dienst in Kontinuität zu seinen beiden Vorgängern sieht“, sagte Erzbischof Robert Zollitsch der „Welt“. Der Ratspräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, wünscht sich vom künftigen Papst „neue Anstöße auch für das Gespräch mit der Kirche der Reformation“.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken erwartet wiederum, dass der Pontifex die Entwicklungen in westlichen Ländern ebenso berücksichtigt wie in afrikanischen oder asiatischen Ländern. Und beim Zentralrat der Muslime in Deutschland hofft man, dass Benedikts Nachfolger dessen begonnenen interreligiösen Dialog und „versöhnlichen Kurs entschlossen weiter führt“.

Dass dem scheidenden Papst ein Systemveränderer nachfolgt, hält der Tübinger Theologe Hans Küng für unwahrscheinlich. Das Konklave, habe noch nie ermöglicht, dass sich jemand „zu einem neuen Gorbatschow entwickeln“ könne, sagte er dem Südwestrundfunk. Was Fragen wie Verhütung, Schwangerschaftsabbrüche oder die Beteiligung von Frauen innerhalb der katholischen Kirche angeht, rechnet auch Lützelschwab nicht mit einer plötzlichen Revolution: „Das werden ganz, ganz langsame kleine Schritte sein, da ist auch in nächster Zeit nichts Umstürzendes zu erwarten. Jeder Kandidat disqualifiziert sich selbst, wenn er da zu forsch vorprescht.“

Dass Benedikt dem künftigen Kirchenoberhaupt in dessen Pontifikat hineinredet, erwartet sein Bruder Georg Ratzinger nicht. „Wo er gebraucht wird, wird er bereitstehen“, sagte er dem britischen Rundfunksender BBC. „Aber er wird sich nicht in die Angelegenheiten seines Nachfolgers einmischen.“

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