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Reederei rückt von Kapitän der „Costa Concordia ab

© AP, dapd

16.01.2012

Unfälle Reederei rückt von Kapitän der „Costa Concordia“ ab

Offenbar Menschliches Versagen schuld an Katastrophe – Noch 16 Menschen vermisst.

Rom – Die italienische Reederei Costa Crociere hat sich am Montag vom Verhalten des Kapitäns des vor der toskanischen Küste verunglückten Kreuzfahrtschiffes deutlich distanziert. Mit einem eigenmächtigen und nicht genehmigten Manöver sei der Schiffsführer Francesco Schettino vom Kurs abgewichen. Das Kentern der “Costa Concordia” mit etwa 4.200 Menschen an Bord sei somit auf menschliches Versagen zurückzuführen, sagte der Vorstandsvorsitzende Pier Luigi Foschi.

Bei der letzten Überprüfung der Technik und der Sicherheit des Schiffs im vergangenen Jahr habe es keine Beanstandungen gegeben, sagte Foschi. Die Routen der Schiffe des Unternehmens seien genau festgelegt, bei Abweichungen würden sofort Alarmsignale ertönen. Im Fall der “Costa Concordia” sei diese Route korrekt programmiert gewesen. “Die Tatsache, dass sie von diesem Kurs abwich, ist einzig auf ein Manöver des Kapitäns zurückzuführen”, hieß es weiter. Die Kreuzfahrtgesellschaft habe von diesem nicht autorisierten Manöver keine Kenntnis gehabt.

Die Hauptsorge des Unternehmens sei nun die Sicherheit und das Wohlergehen der Passagiere und der Besatzung sowie sicherzustellen, dass kein Treibstoff aus dem Schiff in die Gewässer vor der toskanischen Insel Giglio auslaufe, sagte Foschi. Costa Crociere werde dem Kapitän mit juristischer Hilfe beistehen. Von dessen Verhalten distanziere sich das Unternehmen aber ausdrücklich.

Augenzeugen berichteten, dass der Kapitän bereits vor dem Abschluss der Evakuierung des Schiffes an Land gesehen worden sei. Schettino sitzt seit Samstagabend in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Die “Costa Concordia” war Freitagnacht vor der toskanischen Küste auf einen Felsen gelaufen und gekentert. An Bord waren etwa 4.200 Menschen, darunter 566 Deutsche. Die Zahl der bei der Havarie Getöteten stieg am Montag auf sechs. 14 Menschen wurden noch vermisst, darunter elf Deutsche aus Hessen, Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, dass es gut möglich sei, dass die Vermissten sich nicht gemeldet hätten und bereits auf dem Heimweg seien. Aus den betroffenen Bundesländern hieß es, die Polizei stehe im engen Kontakt zum Bundeskriminalamt und dem Auswärtigen Amt.

Am Montagnachmittag wurden die Rettungsarbeiten vorübergehend teilweise eingestellt. Bei unruhiger See hatte sich das Schiff einige Zentimeter bewegt. Experten rechnen mit einer Ölkatastrophe, sollte das Schiff sinken, bevor die 2400 Tonnen Treibstoff an Bord abgepumpt werden können.

Unterdessen bezifferte der US-Mutterkonzern Carnival den Gesamtschaden für das Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Dollar (79 Millionen Euro), den größten Teil davon machten Umsatzeinbußen aus, wie das Unternehmen am Montag in Miami mitteilte. Dagegen scheint die Havarie der “Costa Concordia” bei den deutschen Kreuzfahrttouristen keine Ängste zu schüren. Auf Nachfrage bei der Costa-Konkurrenz TUI Cruises heiß es, es habe nur wenige Stornierungen und einige Anfragen zur Sicherheit an Bord der Schiffe gegeben. Costa und die Schwesterfirma AIDA wollten sich am Montag nicht dazu äußern.

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