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Rassismusskandal wühlt Israel auf

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08.02.2013

“Beitar Jerusalem” Rassismusskandal wühlt Israel auf

Büros des Klubs „Beitar Jerusalem“ in Brand gesetzt.

Tel Aviv – Es nützt ihnen gar nichts, dass sie keine Araber sind. Dschabrai Kadijew und Saur Sadajew stammen aus Tschetschenien. Doch den rabiaten Fans des israelischen Fußballvereins „Beitar Jerusalem“, für den die beiden demnächst spielen sollen, reicht es vollkommen aus, dass auch Tschetschenen Anhänger der Lehre Mohammeds sind. Keine Muslime auf unserem Rasen – da geben sie sich völlig kompromisslos.

Seitdem das Beitar-Management vor zwei Wochen die Verpflichtung der neuen Spieler bekannt gab, herrscht dicke Luft zwischen dem Verein und seinen Anhängern. Bereits beim nächsten Spiel entrollten Fans im Stadion ein Spruchband: „Beitar bleibt ewig rein.“ Ihren Höhepunkt erreichte die Eskalation dann in der Nacht zum Freitag mit einem Brandanschlag auf die Geschäftsstelle des Vereins. Menschen kamen nicht zu Schaden, doch die Verwüstung war erheblich, und zahlreiche sorgsam gehütete Vereins-Reliquien wurden ein Raub der Flammen.

Seit eh und je sind die Fans des früher mit einer gleichnamigen rechten Jugendorganisation verbandelten Vereins berüchtigt für ihren radikalen Araber- und Muslimenhass. Dem Einkauf arabischer Spieler haben sie sich stets widersetzt. Immer wieder grölen sie Parolen wie „Tod den Arabern“ oder „der Prophet Mohammed ist tot – es lebe Beitar“. Einer Schlägerei nach Spielschluss sind sie auch nicht abgeneigt. So schlimm wie seit der Ankündigung, dass demnächst zwei Tschetschenen für Beitar spielen sollen, war es allerdings noch nie.

Auch der Trainer ist ein Rassist

Zu allem Unglück setzte sich dann auch noch Beitar-Trainer Eli Cohen in die Nesseln mit dem Versuch, Öl auf die Wogen zu gießen. Die beiden Spieler seien zwar Muslime, aber keine Araber, und „wir haben nur Probleme mit Arabern“, gab Cohen zu bedenken. Die aufgebrachte Fangemeinde war damit nicht zu beruhigen, und der Rest der israelischen Fußballwelt nur noch mehr geschockt, weil offenbar auch der Trainer der Mannschaft rassistische Gefühle hegt.

Olmert wendet sich von Klub ab

Seit der Ankunft Kadijews und Sadajews in Israel am Mittwoch voriger Woche tun das Beitar-Management und der Fußballbund des Landes ihr Möglichstes, um den Schaden zu begrenzen: Den beiden Spielern wurden Leibwächter zugeteilt. Zunächst war sogar geplant, ihr für Samstag geplantes erstes Spiel vor leeren Rängen stattfinden zu lassen. So weit kam es dann doch nicht. Statt dessen verschob das Management das Debüt Kadijews und Sadijews um eine Woche, und die Polizei kündigte an, am Stadioneingang verdächtigen Fans den Zutritt zu verwehren und rassistische Spruchbänder zu beschlagnahmen. Gegen den Trainer will die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen rassistischer Äußerungen anstrengen.

Derweil bleibt die Stimmung explosiv. Im Stadion bei Spielen, aber auch auf dem Trainingsgelände der Mannschaft brüllen erboste Fans immer wieder rassistische Parolen. Es kam zu Versuchen, die beiden Spieler anzuspucken. Die Polizei will gegen vier Rädelsführer ermitteln.

Schon jetzt ist der Image-Schaden für den Verein enorm. Kein Geringerer als Ehud Olmert, ehemaliger Bürgermeister Jerusalems und Premierminister Israels, der schon immer Beitar-Fan war, hat jetzt angekündigt, nie mehr zu Spielen der Mannschaft zu gehen.

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