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17.07.2010

Ramsauer Börsenpläne sind eine Hauptursache für Bahnchaos

Berlin – Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sieht die Ursachen für die Bahnmängel in den Sparzwängen des Konzerns wegen des vor Jahren geplanten Börsengangs. „Der heutige Bahnvorstand um Rüdiger Grube löffelt die Suppe aus, die von der alten Unternehmensführung vor Jahren eingebrockt worden ist“, sagte Ramsauer in einem „Focus“-Interview.

Zuerst gaben die früheren Bundesregierungen den Weg zum Börsengang vor. „Für dieses politische Ziel haben der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn und sein Aufsichtsratsvorsitzender Werner Müller die Bilanz der Braut fürs Börsenparkett geschmückt“, so Ramsauer. „Ein Sparzwang war die Folge, um betriebswirtschaftliche Zahlen zu erzeugen, die den Börsengang ermöglichen sollten. Die eingebrockte Suppe muss nun ausgelöffelt werden.“ Womöglich ist laut Ramsauer gleichzeitig auch zuviel Wartungspersonal abgebaut worden. „Dazu gibt es jedenfalls genügend Hinweise aus dem Konzern“, sagte Ramsauer.

Doch Bahnchef Grube habe das erkannt und verstärke das Personal in den Wartungsbereichen. Auch die Wartungskapazitäten bei den ICE-Werken müssten erhöht werden, um hier die Probleme zu lösen. Ramsauer kündigte an, er wolle in der Bahnpolitik neue Weichen stellen: „Der Börsengang ist derzeit kein Thema.“ An erster Stelle müssten bessere Qualität, Sicherheit, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge stehen. Er habe mit Grube und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Utz-Hellmuth Felcht „ernste und intensive Gespräche geführt und konstruktive Antworten bekommen.“ Der Minister betonte; „Das neue Trio Grube, Felcht und Ramsauer will mit der Deutschen Bahn einen qualitätsorientierten Kurs fahren.“

Die neue Bahnführung tue alles, um die Qualitätsprobleme schnell in den Griff zu bekommen. „Denn ich erwarte, dass die Züge bei minus 40 Grad genauso pünktlich fahren wie bei plus 40 Grad.“ Allerdings könne die Bahn nur mit dem Material und der Technik fahren, die sie von der Bahnindustrie geliefert bekommt. Hier gebe es offensichtlich Mängel. Deswegen habe er bereits Vertreter des Eisenbahnbundesamts, der Bahn, der Hersteller und Zulieferer an einem runden Tisch versammelt. „Gemeinsam wird an einer Qualitätsstrategie gearbeitet, die technische Pannen im Winter wie im Sommer minimieren soll“, versicherte der CSU-Minister. Das gehe bei Hochtechnologien wie dem ICE jedoch nicht im Hauruckverfahren, solche Verbesserungen brauchten Zeit.

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