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Nordkorea provoziert die Welt

© AP, dapd

13.04.2012

Raketenstart Nordkorea provoziert die Welt

Misslungene Aktion allerdings ein Rückschlag.

Pjöngjang – Mit dem Start einer Langstreckenrakete hat Nordkorea die internationale Gemeinschaft demonstrativ herausgefordert. Auch wenn der Abschuss misslang, sprachen die USA von einer „provokativen Aktion“ und kündigten einen Stopp ihrer Nahrungsmittelhilfen an. Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Eskalation.

Der Fehlschlag beeinträchtige unterdessen nicht Propagandafeiern in Pjöngjang. Kim Jong Un, der Sohn des vor vier Monaten verstorbenen Führers Kim Jong Il, wurde am Freitag vom Parlament zum Ersten Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission ernannt. Das ist das wichtigste Exekutivorgan des kommunistischen Staates.

Sein Vater Kim Jong Il wurde zum „Vorsitzenden für die Ewigkeit“ erhoben. Zum Beginn der Jahressitzung der Obersten Volksversammlung wurde in der Hauptstadt eine riesige Statue Kim Jong Ils enthüllt, direkt neben dem Denkmal von dessen Vater und ersten Staatschef Kim Il Sung.

Zur Demonstration nordkoreanischer Größe und Macht wurde wenige Stunden vor der Ernennung eine Interkontinenalrakete des Typs Unha-3 gestartet, die nach offiziellen Angaben einen Beobachtungssatelliten ins All bringen sollte. Die USA und Südkorea sahen darin eher den Test einer Langstreckenrakete, die mit einem atomaren Sprengsatz bestückt ihr Territorium erreichen könnte.

Die mehrstufige Rakete stürzte nach amerikanischen und südkoreanischen Angaben wenige Minuten nach dem Start ins Gelbe Meer. Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA bestätigte das Desaster: „Wissenschaftler, Techniker und Experten suchen nach der Ursachen“, hieß es in einer Meldung. Offiziell erfolgte der Start zu Ehren des 100. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung am 15. April.

Regierungssprecher Georg Streiter sagte in Berlin, Nordkorea habe gegen die Vorgaben des UN-Sicherheitsrats verstoßen und sich damit weiter isoliert. Er fügte hinzu: „Wir rufen das Land dazu auf, keine weiteren ballistischen Raketen zu starten und seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen und sein Atomwaffenprogramm aufzugeben.“

Westerwelle sprach am Freitag in New York von einer „flagranten Verletzung internationaler Verpflichtungen“. Er verlangte, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse sich „umgehend mit der Angelegenheit befassen“. Dieser wollte noch am Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Auch die in Washington tagenden G-8-Staaten verurteilten den Raketenstart.

Die Entwicklung von Raketen und das Streben nach Atomwaffen hätten Nordkorea keine Sicherheit gebracht, betonte Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses, „und wird es auch nie tun.“

Für das Regime in Pjöngjang bedeutet der Absturz einen erheblichen Rückschlag. Stolz hatte die Regierung des wegen seines Atomprogramms international isolierten Landes die Rakete vorab auch ausländischen Journalisten präsentiert. In Pjöngjang wurde es Dutzenden ausländischen Journalisten aber nicht gestattet, den Start live zu beobachten.

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