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Tödliche Hammerschläge stoppten Jobsuche

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02.04.2013

Darmstadt Tödliche Hammerschläge stoppten Jobsuche

Ehemann soll Mutter seiner Kinder umgebracht haben.

Darmstadt – Minuten vor ihrem Tod hat die 42-jährige Darmstädterin im Oktober 2012 im Internet noch nach einem Job im Wissenschaftsbereich gesucht. Dann erschlug ihr Ehemann sie mit dem Hammer. „Ich bitte meine Kinder um Vergebung“, sagt der 51 Jahre alte Taxifahrer am Dienstag gleich nach der Prozesseröffnung vor dem Landgericht Darmstadt. „Hoffentlich hat das für die Kleinen keine Folgen.“ Die Staatsanwaltschaft klagt den Mann wegen Mordes an. In der Jobsuche seiner Frau könnte das Motiv für die Tat liegen.

Aber so weit reicht das Teilgeständnis des Angeklagten nicht, und auch das Gericht will erst noch herausfinden, warum er vor gut fünf Monaten mindestens 30 Mal mit einem Hammer auf die Mutter seiner beiden Kinder eingeschlagen haben soll. Die Frau starb Stunden später im Krankenhaus. Stockend trägt der Beschuldigte seine schriftlich verfasste Einlassung vor. Er entschuldigt sich bei den Familien – seiner und der des Opfers. An das Zuschlagen habe er kaum Erinnerung, er wisse aber noch, dass er die Kinder gleich nach der Tat in ein Zimmer der Wohnung in Darmstadt-Eberstadt eingeschlossen habe.

„Wollte mit dem Hammer ein Bild aufhängen“

„Herausgestanzte Erinnerungslücken“, wie es im Gerichtsjargon heißt, tauchen in Strafverfahren häufig als Phänomen auf. Und auch der schmächtige 51-Jährige kann sich an die Minuten vor und nach der Tat wieder genau erinnern. „Ich wollte im Schlafzimmer ein Bild aufhängen, deswegen hatte ich den Hammer in der Hand“, erklärt er. „Sie hat dann wieder gedroht, mich und die Kinder zu töten.“ Die Situation sei eskaliert, er habe die Kontrolle verloren und seine Frau – „die immer herzlos zu den Kindern war“ – getötet. An Einzelheiten erinnere er sich nicht.

Der Vorsitzende Richter Volker Wagner zweifelt an der Authentizität der Einlassung des Angeklagten. Der Mann habe beim Verlesen seines Teilgeständnisses Wörter benutzt, die wohl nicht von ihm stammen, sagt Wagner mit Blick auf die Verteidiger. Weitere Aussagen verweigert der Angeklagte dann. Kaum mehr Licht in das Verhältnis zwischen den Eheleuten bringt später als Zeugin die Schwester des Taxifahrers. Das Paar habe öfter Streit gehabt, hatte die Frau am Tattag zu Protokoll gegeben. Am Dienstag legt sie sich nicht mehr fest und spricht von häufigen „Missverständnissen“ zwischen Täter und Opfer.

Arrangierte Heirat im Irak

Unterschiedliche Biografien könnten der Hintergrund für Auseinandersetzungen zwischen dem Ehepaar gewesen sein. Der Beschuldigte kam 1982 nach Deutschland und heiratete Jahre später seine Frau, die damals noch im Irak lebte und auf Vermittlung der Familien die Ehe einging. Der Anwalt des als Nebenkläger auftretenden Bruders des Opfers berichtet, die Irakerin sei Biologin gewesen, habe sich in Deutschland um die Anerkennung ihres Universitätsabschlusses bemüht und eine Stelle gesucht.

Auf dem PC des Opfers war eine Internetseite mit Jobangeboten noch geöffnet, als die vom Ehemann alarmierte Polizei im Oktober in der Wohnung eintraf. Die Beamten kümmerten sich um die im Zimmer eingeschlossenen kleinen Mädchen, während der mutmaßliche Täter reglos in der Küche saß. „Ich vermisse meine Frau sehr“, sagt er am Dienstag und wirft dem Opfer gleichzeitig vor, sich nie um die Kinder gekümmert und sie oft geschlagen zu haben.

Ob der arbeitslose Taxifahrer nicht ertrug, dass seine gut ausgebildete Frau für den Familienunterhalt sorgen wollte, ist als Motiv für die Bluttat noch nicht erwiesen. Richter Wagner appellierte am Dienstag an die Verteidigung, ihren Mandanten im weiteren Verlauf des Verfahrens zu Aussagen zu ermuntern.

Der Prozess wird 11. April (9.00 Uhr) fortgesetzt.

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