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Drei Jahre Haft für Mutter wegen Kindstötung

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28.02.2013

Leipzig Drei Jahre Haft für Mutter wegen Kindstötung

Staatsanwalt hatte sechs Jahre Haft gefordert.

Leipzig – Eine 19-Jährige aus dem sächsischen Oschatz muss wegen der Tötung ihres drei Monate alten Sohn mehrere Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Leipzig verurteilte die junge Frau am Donnerstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge um Misshandlung zu drei Jahren Haft ohne Bewährung.

Der Frau war vorgeworfen worden, im August 2012 in Oschatz (Landkreis Nordsachsen) ihrem Sohn mehrere Rippenbrüche und zwei Schütteltraumata zugefügt zu haben. Der Säugling starb sechs Tage später in einer Leipziger Klinik an den Folgen. Es gebe keine vernünftigen Zweifel daran, dass die Angeklagte ihrem Kind die Verletzungen zugefügt habe, sagte der Vorsitzende Richter der dritten Strafkammer Norbert Göbel. Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren verlangt.

Die Frau war zunächst wegen Mordes angeklagt, die Staatsanwaltschaft rückte in der Hauptverhandlung allerdings von diesem Vorwurf ab. „Es bestehen Zweifel daran, dass die Angeklagte, wie wir erst gedacht hatten, ihr Kind bewusst getötet hat, um es loszuwerden“, sagte Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller. Dieser Sicht schloss sich die Kammer an. „Ein Tötungsvorsatz kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden“, sagte Göbel. Die Kammer sprach die Frau zudem vom Vorwurf der Misshandlung von Schutzbefohlenen frei. „Ein Schütteln reicht dafür nicht aus“, sagte der Richter.

Auch wegen mehrerer Rippenbrüche, die Anfang August 2012 entstanden waren, sprach die Kammer die Mutter von den Vorwürfen der gefährlichen Körperverletzung und der Misshandlung von Schutzbefohlenen ebenfalls frei. „Es bleiben für uns vernünftige Zweifel bestehen, dass nicht auch andere Personen wie der Vater des Kindes ebenfalls dafür verantwortlich sein könnten“, sagte Göbel.

Der Vater war in dem Verfahren als Nebenkläger aufgetreten und hatte über seine Anwältin eine Freiheitsstrafe von vier Jahren gefordert. Die Verteidigung hatte sich für eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen fahrlässiger Tötung ausgesprochen. Es sei nicht nachweisbar, dass die Angeklagte die Rippenbrüche ihrem Sohn absichtlich zugefügt habe. „Wir müssen davon ausgehen, dass das Kind meiner Mandantin vom Arm gerutscht ist und sich dabei verletzt hat“, sagte Anwalt Ralf Juhnke.

Ein Psychiater hatte die Tat der Frau auf eine Überforderungssituation zurückgeführt. Er stellte bei der 19-Jährigen zudem erhebliche Reifedefizite fest, weshalb die Kammer Jugendstrafrecht anwendete. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, innerhalb einer Woche ist eine Revision zum Bundesgerichtshof möglich. Die Frau bleibt weiterhin in Chemnitz in Untersuchungshaft.

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